Jubiläum Große Liebe auch nach 60 Jahren

Irmgard und Helmut Reinert feiern heute ihre Diamantene Hochzeit: „Wir freuen uns übereinander. Das ist keine Selbstverständlichkeit.“
Irmgard und Helmut Reinert feiern heute ihre Diamantene Hochzeit: „Wir freuen uns übereinander. Das ist keine Selbstverständlichkeit.“ © Foto: Evelyn Krix
Göppingen / Evelyn Krix 26.01.2017

Fünf Kinder, 17 Enkel und drei Urenkel haben Irmgard und Helmut Reinert. Zwei weitere Urenkel kommen im April auf die Welt. „Da dürfen wir uns auch noch drauf freuen“, sagt die 79-Jährige. Heute feiert das Ehepaar die Diamantene Hochzeit mit den Kindern, die das Fest auch ausrichten.

Für Irmgard Reinert ist die Feier wie ein Dankgottesdienst, weil Gott sie so lange miteinander hat leben lassen. „Und weil mein Mann es so lange mit mir ausgehalten hat,“ ergänzt sie mit einem Lächeln. „Gegenseitig“ tönt es vom Sofa aus von Helmut Reinert.

Gefeiert wird mit 80 Gästen. Wie viele es vor 60 Jahren auf der Hochzeit waren, wissen sie nicht mehr. Nach einer Antwort suchend blättert Irmgard Reinert in einem Fotoalbum.  Darin zu sehen sind neben der Familie auch Mitarbeiter von der Getränke-Großhandlung Reinert. „Das war unsere Firma – mein Schwiegervater hat sie gegründet, mein Mann hat sie dann weitergeführt“, erklärt Irmgard Reinert.

Brautschleier „abgetanzt“

Auf einem Bild ist die damals 19-Jährige Braut beim traditionellen „Abtanzen des Schleiers“ zu sehen. Um zwölf wurde der Schleier weitergegeben, ihre Schwester hatte ihn dann auf. Getraut wurden Irmgard und Helmut Reinert in der Göppinger Friedenskirche. Die Hochzeit sei sehr bescheiden gewesen. „Wir haben im Nebenzimmer der neu erbauten Stadthalle gefeiert“, erinnert sie sich. „Der Ober war der Erste, der nach der Hochzeit zu mir gnädige Frau gesagt hat – das hat mir schon sehr gut getan.“

Ihr Mann beschreibt die Hochzeit ein bisschen knapper: „Stressig, bis alles lief.“ Damals war das so: „Morgens Standesamt und am selben Tag die kirchliche Trauung,“ sagt Irmgard Reinert. „Seine Schwester hat gesagt, dass der Helmut mich nur heiraten durfte, weil er ein Sonntagskind war. Da hab ich gemerkt, wie sehr ich in der Familie geschätzt wurde.“

Dadurch, dass sie durch so schwere Zeiten gegangen seien, sind sie heute froh, genug zu essen  und eine warme Wohnung zu haben. Ihr Vater war in russischer Gefangenschaft auf der Krim gewesen und wurde 1949 wieder entlassen. Ihre Mutter flüchtete mit ihr und ihren beiden Geschwistern aus Ostpreußen nach Flensburg. Über mehrere Stationen sind sie im Flüchtlingslager angekommen. Von da aus ist Irgmard Reinerts Vater 1950 mit ihnen nach Göppingen gereist. Dass sie ihren Helmut traf, hätten sie der Firma Allgaier zu verdanken. „Unser Vater ist damals hierher, weil eine ehemalige Nachbarin geschrieben hatte, dass es Arbeit gibt“, erzählt Irmgard Reinert.

Erstes Treffen an Weihnachten

„Meine Schwiegereltern waren in der evangelischen Gemeinschaft tätig und haben sich um die Flüchtlinge gekümmert. Die haben uns dann auch zu Weihnachten eingeladen und ich habe meinen Mann beim Eisenbahnspielen getroffen. Das war für uns was ganz Besonderes“, lässt die 79-Jährige die Erinnerung an die erste Begegnung mit ihrem Helmut wieder  aufleben.

Gern schwelgt sie in den Erinnerungen an die Reisen, die sie gemacht haben. Einmal sind sie nach Südamerika für vier Wochen nach Paraguay zu Freunden gefahren – ihre längste Reise. Viel öfter waren sie am Lago Maggiore: 35 Jahre lang sind sie mit ihren Kindern zum Zelten gefahren. „Die haben das sehr genossen. Wenn die Kinder in den Schlafsäcken lagen, dann hat der Vater Karl May vorgelesen“, sagt Irmgard Reinert.

Die Kinder seien in der Familie groß geworden, bemerkt Helmut Reinert. Sie seien eine altmodische Familie, meint seine Frau. Sie ist nicht arbeiten gegangen: „Ich hab meine Kinder selbst erzogen. Nur das Fünfte wurde so spät geboren, dass es in den Kindergarten durfte.“ Auch erst einen Tag nach der Hochzeit seien die beiden in die gemeinsame Wohnung eingezogen.

Das Wichtigste an ihrer Ehe:  Sie sind sich im Glauben einig, besuchen zusammen Gottesdienste und beten gemeinsam. „Wir freuen uns übereinander. Das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt die 79-Jährige. „Mein Mann hatte einen Herzinfarkt und eine Gehirnblutung, es war riskant. Aber er durfte gesund werden und  ich ihn behalten. Da danken wir jeden Abend für.“

Seitdem habe er Probleme, Worte zu finden.  Aber seine Zuneigung zu seiner Frau macht sich auch in kurzen Sätzen bemerkbar. „Wir haben einander“, sagt er, als seine Frau überlegt, wie man es schafft, so lange zusammen zu sein. „Man liebt sich einfach“, meint sie. „Ich habe zu diesem Mann ja gesagt, er lebt mit meinen Fehlern und ich mit seinen“, sagt Irmgard zu ihrem Helmut.  „Und das hat gepasst“, antwortet er.