Interview Volker Münz fühlt sich in seiner AfD wohl

Volker Münz mit Alice Weidel: Die Aufnahme entstand 2017 im Bundestagswahlkampf in Uhingen.
Volker Münz mit Alice Weidel: Die Aufnahme entstand 2017 im Bundestagswahlkampf in Uhingen. © Foto: Carlucci
Uhingen / Helge Thiele 23.02.2018
Völlig enthemmt äußern sich AfD-Politiker rassistisch. Der Uhinger Bundestagsabgeordnete Münz steht trotzdem zur AfD.

Der Uhinger Volker Münz ist bei der Bundestagswahl 2017 über die Landesliste der AfD ins Parlament eingezogen. Dass der 53-Jährige äußerst konservative Positionen vertritt, liegt auf der Hand. Erst vor wenigen Tagen forderte Münz, der auch Mitglied des evangelischen Kirchengemeinderats in seinem Heimatort ist, die Kirchenleitung dazu auf, gegen Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare einzuschreiten. Nach der Rückkehr von einer USA-Reise mit Vertretern anderer Fraktionen schwärmte der kirchenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion von der „herzlichen Atmosphäre des Gebetsfrühstücks“ mit US-Präsident Trump. Doch wie hält es Münz mit dem Umstand, dass die AfD  immer mehr in die völkisch-nationalistische Richtung abdriftet? Hier die Antworten von Volker Münz auf die Fragen unserer Zeitung:

Herr Münz, immer wieder sorgen prominente Mitglieder Ihrer Partei für rassistische Entgleisungen. Der Bundestagsabgeordnete Jens Maier bezeichnete Boris Beckers Sohn als „Halbneger“, André Poggenburg, Chef des AfD-Landesverbands Sachsen-Anhalt, beschimpfte beim Politischen Aschermittwoch türkische Mitbürger in Deutschland als „Kameltreiber“ und „Kümmelhändler“.  Fühlen Sie sich in dieser AfD wohl?

Volker Münz: Die genannten Aussagen sind abwertend und beleidigend. Ich verurteile sie und ärgere mich auch deswegen darüber, weil sie den Fokus wegführen von unseren Sachthemen und geeignet sind, die ganze Partei in Misskredit zu bringen. Aber die wenigen Provokateure sind nicht die AfD mit ihren 26 000 Mitgliedern und derzeit rund 250 Abgeordneten im Bundestag und in den Landtagen. Ich möchte die vielen besonnenen Mitglieder in Schutz nehmen.

 Wie vereinbaren Sie Ihre Mitgliedschaft in der AfD, der es offenbar immer weniger gelingt, sich von Radikalen abzugrenzen, mit ihrem Gewissen als Christ?

 Wie schon gesagt, es sind wenige, die mit zu missbilligenden Aussagen negativ auffallen. Eine inhaltliche Verschiebung der AfD kann ich nicht erkennen. Unser Grundsatzprogramm hat sich nicht verändert. Gerade die vor einem christlichen Hintergrund wichtigen Zielsetzungen wie der Lebensschutz von Ungeborenen, Schutz der Ehe als Verbindung von Mann und Frau, Förderung der Familie sowie die Verteidigung unserer christlich-abendländischen Kultur finden nun endlich durch die Politiker der AfD ihre Fürsprecher.

Als Sie in den Bundestag gewählt wurden, wollten Sie im Falle radikaler Äußerungen in Ihren Reihen notfalls „auf den Tisch zu hauen“. War das nur ein Lippenbekenntnis?

 Beide von Ihnen genannte Äußerungen wurden auch in der Bundestagsfraktion thematisiert.  Dort habe ich deutliche Worte gebraucht. Fraktion und Bundesvorstand haben sich einhellig und eindeutig öffentlich geäußert.

 Wohin entwickelt sich die AfD?

 Die AfD etabliert sich als bürgerliche konservative Kraft, die zum Parteienspektrum essentiell dazugehört. Positionen, die seit dem Linksrutsch der CDU verwaist waren, werden wieder vertreten.  Die behauptete „Alternativlosigkeit“  gerade in den Bereichen Migration und Europapolitik wird Stück für Stück aufgebrochen. Die Bürger schenken uns Vertrauen als zweitstärkste Kraft laut aktueller Umfrage. Dies ist ein sehr großer Erfolg.

 Welche Ziele haben Sie persönlich?

 Ich sehe mich als „Brückenbauer“. Zur Demokratie und auch zum Leben als Christ gehört, dass man miteinander redet, auch wenn man unterschiedlicher Meinung in bestimmten Fragen ist. Als kirchenpolitischer Sprecher meiner Fraktion führe ich derzeit viele Gespräche mit Repräsentanten der Konfessionen. Ich freue mich, dass ich zu einer Podiumsdiskussion auf dem diesjährigen Katholikentag eingeladen worden bin. Sowohl als kirchenpolitischer Sprecher als auch als Mitglied des Haushaltsausschusses möchte ich unter Beweis stellen, dass die AfD eine vernünftige und konstruktive Politik macht.

 Was wäre für Sie eine „rote Linie“? Was müsste passieren, dass Sie sich dazu entscheiden, die Partei zu verlassen?

 Diese hypothetische Frage stellt sich für mich nicht.

Was macht Volker Münz im Bundestag?

Aufgaben Volker Münz (53) aus Uhingen ist kirchenpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion. Außerdem ist der Diplom-Ökonom Mitglied im Haushaltsausschuss, stellvertretendes Mitglied im Finanzausschuss, stellvertretendes Mitglied im Petitionsausschuss sowie Kuratoriumsmitglied der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“.