Theater „Wählt die Zukunft, wählt die Jugend!“

Probe zum Stück „Die wohlfeile Jugend“. Am Freitag hat das Stück des Adelbergers Simon Marian Hoffmann Premiere im Alten E-Werk in Göppingen.
Probe zum Stück „Die wohlfeile Jugend“. Am Freitag hat das Stück des Adelbergers Simon Marian Hoffmann Premiere im Alten E-Werk in Göppingen. © Foto: Sabine Ackermann
Göppingen / Sabine Ackermann 13.07.2017

Drei Stühle, willkürlich verteilt im Alten E-Werk, achtlos auf dem Boden liegende Manuskripte und an der Fensterseite ein Kisten Mineralwasser. Probentag. Regisseur Simon Marian Hoffmann steht inmitten des Raumes, greift sich an die Mütze, rückt sie zurecht und schaut dann wieder konzentriert auf die Bühne. Einige seiner jungen Mimen gehen auf Position, einer schiebt den Vorhang auf, betritt das imaginäre Zimmer.

„Martin, mach den Vorhang richtig zu, dann kann’s losgehen.“ Kaum merklich ist der gut zehn Zentimeter breite Spalt, doch Simon Hoffmann stört sich daran. So wie auch am Umbau, wenn beim Szenenwechsel Tische und Stühle auf dem Holzboden scharren, Geschirr und Gläser klappern.  Das muss leiser gehen! Dafür müssen die Schauspieler lauter sprechen. „In den hinteren Reihen können Leute sitzen, die vielleicht nicht so gut hören.“

Ungeachtet seiner 20 Jahre er Simon Hoffmann unverkennbar Perfektionist. Ihn irritieren selbst die Winzigkeiten, die für gewöhnlich im großen Ganzen untergehen. Doch die Zeit drängt, die Premiere seines ersten Theaterstücks „Die wohlfeile Jugend“ am Freitag im Alten E-Werk ist nah. Zwei komplette Durchgänge, Einzelszenen und Dialoge stehen an diesem Montag auf dem Programm. „Sie zieht die ganze Aufmerksamkeit auf sich, mit all ihren Kurven und so“, heißt es da, oder auch „Ich bin dein Sohn, du musst mich lieben“. Der Adelberger beweist hier, dass er auch Theater kann.

Viele haben das Projekt unterstützt, allen voran Kulturamtsleiter Wolfram Hosch. Hoffmann ist aber auch stolz auf seine jungen Schauspieler, die in dem tiefsinnigen Stück alles geben. Wie etwa Patrick Erwied: In seiner Figur als Philippus Menges fallen ihm Ungerechtigkeiten im System auf, die andere Jugendliche gar nicht bemerken. „Wählt die Zukunft, wählt die Jugend, wählt uns selbst!“, motiviert er seine Freunde, die gleichfalls angefacht von einer Revolutionsbewegung sind.

Nach einer traurigen Kindheit strebt Philippus mit Leidenschaft nach dem Guten, Wahren und Schönen, ruft in seiner flammenden Rede: „Lasst uns das Übel der Welt bekämpfen, lasst uns die Geschichte neu schreiben.“ Das macht er so intensiv, dass man ihm jedes Wort abnimmt. Doch auch seine Schauspielkollegen müssen sich keinesfalls verstecken. Erstaunlich, was Simon Hoffmann alles aus den erst 13- bis 17-Jährigen heraus kitzelt, sogar ein Lied wird gemeinsam gesungen. Eine kreative Idee: Manche der Darsteller gehen direkt ins Publikum, spielen aus eigens freigelassenen Reihen, die an ein Kreuz erinnern sollen.

Info Heute und morgen findet jeweils ab 10 Uhr eine öffentliche Schulaufführung statt. Premiere ist am Freitag ab 20 Uhr, weitere Aufführungen sind am 15., 16., 24. und 25. Juli jeweils ab 20 Uhr im Alten E-Werk in Göppingen.

Für Kurzfilm mehrfach ausgezeichnet

Zur Person Simon Marian Hoffmann ist 20 Jahre alt, er lebt in Adelberg. Hoffmann beteiligte sich früh an diversen Theater- und Musical-Projekten, machte Musik, begann zu schreiben, unter anderem Drehbücher. 2010 drehte er seinen ersten Film, der mehrfach ausgezeichnet wurde. Das jetzt inszenierte Theaterstück „Die wohlfeile Jugend“ ist sein erstes öffentlich aufgeführtes Theaterstück.

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