Anlaufstelle 20 Jahre Hilfe bei KOALA

Das 20-jährige Bestehen des Göppinger Drogenkontaktladens Koala  wurde jetzt gefeiert. Dazu gehörte auch, dass die renovierten Räume in Augenschein genommen wurden.  Foto:
Das 20-jährige Bestehen des Göppinger Drogenkontaktladens Koala wurde jetzt gefeiert. Dazu gehörte auch, dass die renovierten Räume in Augenschein genommen wurden. Foto: © Foto: Staufenpress
Kreis Göppingen / Axel Raisch 20.07.2018
Zwei Jahrzehnte lang hat der Göppinger Drogenkontaktladen KOALA mittlerweile geöffnet – und Erfolge vorzuweisen. Aber der Rückblick zeigt, die Anfänge waren schwer.

Sind 20 Jahre ein Grund zu feiern? Auch, wenn es kein klassisches Jubiläumsdatum ist, sei dies beim Göppinger Drogenkontaktladen Koala durchaus ein Anlass, darin waren sich die Grußwortredner beim „Fachtag“ zum 20-jährigen Bestehen in der Göppinger Stadtkirche einig. Denn die Anfänge waren schwierig, die Zukunft ungewiss.

Er empfinde immer noch einen Adrenalinstoß, wenn er an die Gründungsphase vor über 20  Jahren denke, zitierte Dekan Rolf Ulmer aus einem Brief seines Vorgängers Dieter Kunz. Der Dekan in Ruhe war einer der Koala-Initiatoren und konnte an der Feier nicht teilnehmen. Er erinnerte in seinem schriftlichen Gruß an heftige Diskussionen mit Anwohnern auf der Baustelle.

Göppingens Oberbürgermeister Guido Till ergänzte: Heute werde die Existenz von Koala glücklicherweise nicht mehr in Frage gestellt. Das liege auch an einer veränderten Sichtweise. Es habe sich im Laufe der Jahre eine Akzeptanz entwickelt, dass nicht nur eine medizinische, sondern auch eine psycho-soziale Behandlung von Drogengebrauchern nötig sei. Kreis-Sozialdezernent Rudolf Dangelmayr bestätigte, Man habe sich von der Abstinenzbehandlung hin zu einer akzeptierenden Drogenhilfe bewegt. Überlebenshilfe im wahrsten Sinne des Wortes und Schadensbegrenzung seien am Beginn der Drogenpolitik noch Fremdwörter gewesen. Auch heute sei die neue Sichtweise „noch nicht in allen Teilen der Gesellschaft angekommen“, bedauerte Dangelmayr. Das niederschwellige Angebot sei nicht nur für Drogenkonsumenten wichtig, sondern auch für die Angehörigen. „Es konnte viel Leid reduziert werden.“ Dies war der Fall, da man sich entschieden habe, nicht tatenlos zuzusehen, sagte Ulmer. Die Abhängigen hätten im Kontaktladen als Menschen gegolten, die Hilfe brauchen.

Gisela Messerschmidt von der Suchtberatung der Diakonie machte den Erfolg anhand einiger Vergleichszahlen deutlich. Die Zahl der Drogentoten in Göppingen konnte von 14 im Jahr 1998 gesenkt werden. In den vergangenen Jahren waren höchstens vier Drogentote zu beklagen. Es gebe keine HIV-Neuinfektionen mehr, über 80 Prozent der Abhängigen seien nicht mehr von körperlicher, seelischer oder sozialer Verelendung gezeichnet.

„Die Not war groß“, es habe hilflose und leidende Eltern gegeben. Die an vielen Orten sichtbare Drogenszene in Göppingen habe auf einen kleinen privaten Bereich reduziert werden können. Allerdings beunruhigt Messerschmidt eine momentan wiederkehrende Szene mit neuen Substanzen. Die größte Sorge mache ihr die Substitutions-Versorgung, die nicht mehr ausreichend angeboten werden könne, da viele dabei eingebundenen Ärzte in den Ruhestand gingen und sich oft keine Nachfolger dafür fänden. Dabei sei ein gutes Netz aufgebaut worden.

Mit Fachvorträgen sowie einer Führung durch den neu renovierten Kontaktladen am Rosenplatz wurde das 20-jährige Bestehen  begangen. Durch das Programm führte der Geschäftsführer des Diakonischen Werks in Göppingen, Sascha Lutz. Unter den Gästen aus Politik, Kirche und Gesellschaft waren auch „Mütter der ersten Stunde“, die mit ihrem Engagement das Problem als eines aus der Mitte der Gesellschaft deutlich werden ließen. Dies habe erheblich dazu beigetragen, die anfänglichen Widerstände zu überwinden, so Gisela Messerschmidt, die 1998 Fachbereichsleiterin war. Eine Anfangsunterstützung hatte es auch durch die „Guten Taten“ der NWZ-Leser gegeben.

„Es wurde viel erreicht, es gibt aber weiterhin viel zu tun“, Koala bleibe notwendig, betonte Gisela Messerschmidt.

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