Göppingen "Viel Arbeit, aber noch mehr Freude"

Der Landtagsabgeordnete Jörg Matthias Fritz (Grüne): "Es hat sich schon viel verändert im Land." Foto: Archiv/Staufenpress
Der Landtagsabgeordnete Jörg Matthias Fritz (Grüne): "Es hat sich schon viel verändert im Land." Foto: Archiv/Staufenpress
HELGE THIELE 05.04.2012
Jörg Matthias Fritz ist der erste Grüne, der den Wahlkreis Göppingen im Landtag vertritt. Nach einem Jahr Grün-Rot fällt die Bilanz des Abgeordneten positiv aus. Er sagt: "Es hat sich schon viel verändert im Land."

Manchmal muss auch Jörg Matthias Fritz noch tief durchatmen, um sich zu vergewissern, dass es kein Traum ist. Seit knapp einem Jahr vertritt der 52-Jährige den Wahlkreis Göppingen im Landtag. Ein Jahr ist es her, dass Grüne und SPD die Landtagswahl gewonnen und die schwarz-gelbe Koalition abgelöst haben. "Ich habe sehr viele Termine und wenig Freizeit. Es ist viel Arbeit, die aber noch mehr Freude macht", sagt Fritz. Und er beginnt aufzuzählen, was die neue Landesregierung schon alles vollbracht habe: "Ein ausgeglichener Haushalt, ein spürbarer Ruck in Richtung Energiewende, ein Aufbruch für mehr Bildung, Investitionen in eine nachhaltige Verkehrsinfrastruktur und ein neuer Politikstil im Umgang mit Bürgern und Kommunen - es hat sich schon viel verändert im Land."

Der Abgeordnete, der als einziger in seiner Fraktion drei Landtagsausschüssen angehört, spricht von einem "erfolgreichen Jahr trotz der großen Belastung durch den Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21". Doch auch den Konflikt, der das Regierungslager gespalten hat und es immer noch tut, sieht Fritz als Beweis für die professionelle Politik, die in Stuttgart gemacht wird. "Es hat sich gezeigt, dass parteitaktische Überlegungen zurückgestellt wurden und man nach Lösungen gesucht hat." Auch Fritz ist ein Gegner des Tiefbahnhofs. Dass dieser nun doch gebaut wird, bringt den Göppinger Grünen nicht um seinen ohnehin knapp bemessenen Schlaf. Es gibt so viele andere wichtige Themen.

Die Energiepolitik - "ein ganz wichtiger Bereich" - ist so ein wichtiges Thema. Die Windkraft, erklärt Fritz, soll bis zum Jahr 2020 im Land einen Anteil an der Energieerzeugung von zehn Prozent erreichen. Derzeit liege er bei unter einem Prozent - für Fritz ein klares Versäumnis der alten Regierung. Die Energiewende finde auch im Landkreis ihren Widerhall. "Die Gemeinden sind dabei. Sie sind sehr froh, dass sie mehr Kompetenzen bekommen und die Möglichkeit erhalten, nach Standorten für Windkraftanlagen zu suchen und das gemeinsam mit den Bürgern zu diskutieren", sagt Fritz. Er erinnert in diesem Zusammenhang auch an das Förderprogramm des Landes zur energetischen Gebäudesanierung, dass für den Abgeordneten auch ein "Programm für das Handwerk" darstellt.

Gut findet Fritz - und das ist noch untertrieben - dass Grün-Rot die Bildungspolitik umkrempelt. "Die Koalition stärkt die individuelle Förderung der Kinder in allen Schularten und lässt den Kommunen mehr Entscheidungsspielraum bei ihrer Schulentwicklung." Mit der Einführung der Gemeinschaftsschule wolle Grün-Rot erreichen, dass das, was die Forschung in den vergangenen zwei Jahrzehnten zum Thema Lernbedingungen herausgefunden habe, nun auch umgesetzt wird. Baden-Württemberg, gibt Fritz zu bedenken, habe zwar im Ländervergleich die meisten Gymnasiasten, aber es gebe eine große Diskrepanz zwischen den sozialen Schichten, was die Bildungschancen betreffe. Ein "positiver Nebeneffekt" der Gemeinschaftsschule besteht für Fritz darin, dass durch sie mancher Schulstandort trotz zurückgehender Schülerzahlen erhalten werden könne.

In der Verkehrspolitik gibt es für Fritz die klare Ansage, dass "nicht für jeden Ort eine Umgehungsstraße gebaut werden kann". Dies sei finanziell nicht möglich und wegen des Landschaftsverbrauchs auch gar nicht erwünscht. Was die Belastung durch den Lkw-Verkehr angeht, ist für den Abgeordneten die Devise klar: "Große Autos gehören auf große Straßen, kleine Autos auf kleine Straßen." Die beschlossenen Durchfahrtsverbote für Lkw im Schurwald bezeichnet Fritz deshalb als einen "ganz wesentlichen Fortschritt".

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