Göppingen "Vernunftkraft gegen Windkraftwahn"

Göppingen / WERNER SCHMIDT 24.04.2015
Mit provokanten Thesen zogen in der Göppinger Stadthalle Detlef Ahlborn und Enoch zu Guttenberg gegen den Bau von Winkrafträdern Position.

Die Energiewende sei nichts weiter als eine gigantische Geldumverteilungsmaschine. Sie ziehe den weniger wohlhabenden Menschen das Geld aus der Tasche und stopfe es in die Taschen derer, die eigentlich schon genug hätten. Davon abgesehen sei die von der Bundesregierung propagierte Energiewende ohnehin schon gescheitert. Es waren provokante Thesen, die am Mittwochabend in der Stadthalle Göppingen Detlef Ahlborn, seines Zeichens Experte für Energietechnik, und Enoch zu Guttenberg, einstiger Mitbegründer des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), vertraten.

Geladen zu der Veranstaltung "Windenergie - Wunsch und Wirklichkeit" hatte der Verein "Mensch Natur". Dessen Mitglieder wehren sich dagegen, dass auch "der Schurwald und das Voralbgebiet durch den Bau von gigantischen Windkraftwerken in Wald und Flur sinnlos zerstört werden", sagte deren Vorsitzende Gerti Stiefel. Die grün-rote Landesregierung verdränge die Gefahren für den Landschaftsschutz, die Natur und die Gesundheit des Menschen.

Und da hakte Detlef Ahlborn ein, der feststellte: "Die Abschaltung der Atomkraftwerke erzwingt den Ausbau fossiler Kraftwerke. Ob man will oder nicht." Der Wind weht zufällig, das habe Auswirkungen auf die Stromerzeugung. Es gebe keine Möglichkeit, die erzeugte Energie zu speichern. Zudem liege der Anteil der Windkraft beim Primärenergieverbrauch bei etwa 1,2 Prozent: "Alle Windkrafträder und Solaranlagen in Deutschland reichen nicht mal aus, um Baden-Württemberg mit Strom zu versorgen." Dafür würde man in Baden-Württemberg 5500 Windräder in 550 Windparks benötigen, die eine Fläche von 35.000 Quadratkilometer verbrauchten.

Enoch zu Guttenberg, der 1975 den BUND mitbegründet hatte und ihn 2012 verließ, weil er im Gegensatz zu dem Umweltschutzverband die Landschaft zerstörenden Windräder ablehnt, verglich den Bau der Wind- und Solaranlagen, die beschönigend als "Parks" bezeichnet werden, sogar mit der Zerstörung des Museums in Mossul und des Weltkulturerbes Al Hadra durch den "Islamischen Staat": "Die Welt empört sich zu Recht über diese unfassbare Rohheit. Und was geschieht hier mit unseren höchsten Kulturgütern, zu denen zweifelsfrei unsere letzten erhaltenen Kulturlandschaften gehören?" Er forderte die rund 300 Anwesenden auf: "Stehen Sie auf. Kämpfen Sie weiter. Stellen Sie Ihre Vernunftkraft diesem Windkraft-Wahn entgegen."

Dann beschwor er die Zuhörer: "Grüner Strom ist roter Strom. Ist Blutstrom." Die Rotoren zerhäckselten alles, was ihnen in den Weg komme. Nach Schätzungen von Christian Voigt vom Berliner Leibnitz-Institut für Wildtierforschung würden jährlich allein 200.000 Fledermäuse Opfer der Windräder. "Im Klartext: Mit deutschen Windrädern erschlagen wir die Fledermäuse anderer Länder. Und die Grünen hier regen sich über Vogelmord in Italien auf? Das ist zynisch und absurd."

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