Staufer-Festspiele „Vergnügen in meinem Kostüm zu arbeiten“

Galina Benevich singt die Königin der Nacht.
Galina Benevich singt die Königin der Nacht. © Foto: Staufer Festspiele
Ortsmarke / SWP 30.08.2018

Die Koloratur-Sopranistin Galina Benevich singt bei den Göppinger Staufer-Festspielen vom 7. bis 15. September in der Werfthalle die Rolle der Königin der Nacht in Mozarts „Die Zauberflöte“.

Was ist für Sie das Besondere an dieser Partie?

Galina Benevich: Zu aller erst glaube ich, dass sie eine der wichtigsten Opernfiguren ist, sowohl musikalisch als auch dramaturgisch. Beide Arien der Königin gehören zu den schwierigsten und berühmtesten aus dem Repertoire für Koloratur-Sopranistinnen.

Welche Rollen gehören zu Ihren Lieblingspartien und welche werden Sie die nächste Zeit singen?

Das Bel Canto Repertoire (Bellini, Donizetti, Rossini, Verdi) und Mozart gefallen mir besonders gut. Ich träume davon, die großen Rollen für Sopran, wie Violetta (La Traviata), Gilda (Rigoletto), Lucia (Lucia di Lamermour) zu singen. In der kommenden Spielzeit singe ich die Sopran-Partie in Mozarts Requiem, Giuletta in I Capuletti e i Mentecchi und Musetta in La Bohème.

Die halsbrecherischen Koloraturen der Königin der Nacht sind weltweit bekannt. Was muss man als Sopran mitbringen,  um diese Arien zu meistern?

Vor allem muss ein Sopran die hohen Noten im natürlichen Rahmen seiner Stimme haben. Darüber hinaus ist es wichtig, dass man so viele Farben wie möglich in der Stimme hat. Die erste Arie der Königin hat einen großen, langsamen Teil mit einer wunderschönen Melodieführung, während der ihre Stimmung so oft wechselt, dass die Sopranistin die Fähigkeit braucht, diese Veränderung mit den Schattierungen ihrer Stimmfarbe zu zeigen. Der zweite Teil der Arie verlangt dagegen eine schnelle Koloratur-Technik. In der zweiten Arie ist Kontrolle über Stimme und Ausdruck das Wichtigste. Es ist eine sehr gefährliche Arie, weil sie auf der einen Seite eine riesige Energie und Wut benötigt, aber auf der anderen Seite wirklich schwere Koloraturen beinhaltet, die mit einem kühlen Kopf gesungen werden müssen.

Sie haben in verschiedenen Ländern wie Israel, Polen, Italien und Russland gesungen. Nun geben Sie Ihr Deutschland-Debut. Wie gefällt es Ihnen hier?

Sehr gut. Hier wird sehr präzise und unter guten Bedingungen gearbeitet. Unser Team ist brillant. Alle sind junge, talentierte Sänger.

Wie gefällt Ihnen das Bühnenbild und die Kostüme?

Die Zauberflöte ist schwer zu inszenieren, weil die Szenerie so schnell wechselt, dass es sehr schwierig ist ein durchgehendes Bühnenbild für einen Akt zu schaffen. Hierfür wurde eine sehr gute Lösung gefunden. Die Aktionen finden alle in einem Bühnenbild statt, während die Szenerie mit Hilfe fantastischer Videoprojektionen wechselt. Es ist ein absolutes Vergnügen in meinem Kostüm zu arbeiten, es ist groß, beeindruckend und trotzdem komfortabel.

Bei den Staufer-Festspielen arbeiten Sie vorwiegend mit ähnlich jungen Kollegen. Schafft das eine besondere Atmosphäre?

Die Atmosphäre ist fantastisch und sehr familiär. Das Team ist nicht nur jung, sondern auch sehr professionell.

Worauf freuen Sie sich bei der Produktion am meisten?

Ich bin begeistert darüber, die Rolle szenisch auf Deutsch zu singen, inklusive aller Rezitative.

Worauf darf sich Ihrer Meinung nach das Publikum am meisten freuen?

Ich denke das Spannendste wird es sein, Mozarts Meisterstück in einer Inszenierung zu sehen, die die Bühne in ein Wunderland mit menschlichen Bewohnern verwandelt.

Info Das Interview wurde der NWZ-Redaktion vom Veranstalter, der Staufer Festspiele Göppingen gGmbH, zur Verfügung gestellt.

Junge Sopranistin auf Erfolgskurs

Karriere Die 1991 in Russland geborene Koloratur-Sopranistin Galina Benevich studierte 2011 bis 2014 an der Staatlichen Musikhochschule in Moskau. Von 2015 war sie Mitglied im Opernstudio der Israelischen Oper in Tel-Aviv. Seit der Spielzeit 2017/18 ist sie als Koloratur-Sopran an der Staatsoper in Breslau festes Ensemblemitglied.

Auszeichnung Sie gewann einige internationale Gesangswettbewerbe, wie den 1. Preis des JIOM in Jerusalem (2017) und den 2. Preis und den Spezialpreis beim Mario-Lanza-Wettbewerb in Italien (2017).

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