Am vierten Adventsonntag sang der Amadeus-Kinderchor unter der Leitung von Christel Wittmann sein Weihnachtskonzert in der Geislinger Jahnhalle. Eine Stunde lang verzauberte der Chor sein Publikum mit traditionellen Weihnachtsliedern. Durch keine Ablenkung gestört, erlebten Chor und Publikum eine Stunde des Besinnens und der Konzentration auf die Musik.

Zum bezaubernden Einzug der 38 Chorkinder auf die dunkle Bühne mit kleinen Kerzen erklang "Hodie Christus natus est" von Benjamin Britten. Nicht weniger berühmt und ein erklärtes Lieblingslied der Chorkinder, kam danach "Maria durch ein Dornwald ging" - der Text ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt.

Zwei vierstimmige Sätze von weltbekannten Weihnachtsliedern folgten. Die rhythmisch sehr anspruchsvolle Fassung von "Es ist ein Ros" von Michael Praetorius von 1609 sang der Chor sehr präsent und präzise. Engelsgleich und glockenklar erklang "Vom Himmel hoch, da komm ich her" im Satz von Johannes Eccard von 1597. Bei "O Jesulein zart" zeigte der Chor sein meisterhaft knisterndes Piano, das sich in der letzten Strophe nicht von der traumhaften Melodie zum Forte verführen lässt - Klasse und Qualität der Interpretation sind ohne jeden Zweifel.

Das gesamte Konzert zeichnet aus, dass der Text stets völlig verständlich ist, gleich welche Stimme ihn führt. Frech und spritzig folgt "Hört ihr Hirten, lasst euch sagen" aus der Batschka, in dem die frohe Kunde verbreitet wird. Besinnlich wird es wieder mit "Still, still, still, weils Kindlein schlafen will" - der Stimmungswechsel gelingt mühelos. In "Seht zwischen Esel, Ochs und Rind" aus Frankreich illustrieren meisterhafte Wechsel in Dynamik und Rhythmik die Szene in der Krippe mit Esel, Ochs, Rind und Engeln.

Die in letzten Konzerten bereits durch ihre Rezitationen aufgefallene Johanna Bohnstengel las anschließend den Brief der achtjährigen Virginia OHanlon aus New York von 1897 an die Tageszeitung "Sun" vor. Das kleine Mädchen fragt die Redaktion, ob es ein Christkind gibt. Der Chefredakteur Francis Church selbst antwortete ihr auf der Titelseite - dass es viele Dinge gibt, die der Mensch mit seinem Geist nicht fassen kann, Liebe, Großherzigkeit, Treue und auch das Christkind. Die Tatsache, dass dieser Briefwechsel über 50 Jahre lang immer zur Weihnachtszeit wieder in der "Sun" abgedruckt wurde, soll in unseren hektischen Zeiten an die Dinge erinnern, die wirklich wichtig sind.

Getragen und reizvoll solistisch besetzt, erklang im Anschluss ein feierlicher Andachts-Jodler aus Südtirol. Untermalt mit Instrumenten, Flöten und Schlagwerk folgten Weihnachtsvolkslieder, bevor es mit dem weltberühmten russischen Wiegelied "Schlaf mein Kindlein" weiterging, in dem weder die wunderschöne Melodie, noch die Ruhe und Getragenheit darüber hinwegtäuschen, dass der ahnungsvolle Vorausblick auf das Schicksal des Kindes in der Krippe gewagt wird.

In "Singet all zur Weihnacht" aus Frankreich ist von dieser Stimmung keine Spur, hier strahlt die Freude des Festes in alle Zimmer. Das Motiv des Heilandes, der die Lasten trägt, des Herrschers der Welt, wurde im ungarischen "Schöne Rosenblume ist entsprossen" weitergeführt. Auch der Wechsel zwischen Dur und Moll trägt zur Spannung des Liedes bei.

Als offiziellen Abschluss des Konzertes gab es den "Abendsegen" aus der Oper "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck - eine Oper, die traditionell an Weihnachten gegeben wird, weil die Uraufführung am Tag vor Heilig Abend stattfand und vom Publikum als passend zu Weihnachten empfunden wurde.

Besonders spannend und beispielhaft für die Ruhe, die das gesamte Konzert begleitete, war, dass der "Abendsegen" zweimal gegeben wurde - zuerst in einer solistischen Besetzung, die nah an der Opernfassung lag, in der Hänsel und Gretel dieses Stück singen. Danach mit dem ganzen Chor - getragen und feierlich, dabei musikalisch absolut perfekt.

Anhaltender tosender Beifall spiegelte die Stimmung des Konzertes, es war eine Stunde der Andacht und des Besinnens auf die unterschiedlichen Fassetten des Weihnachtsfestes. Abgeschlossen wurde das Konzert mit "Maria durch ein Dornwald ging" als Zugabe.