Staufer-Festspiele „Sarastro ist eine Autoritätsperson“

Timo Riihonen vor dem Festspielhaus in Bayreuth, wo er am 10. August letztmals in Wagners „Lohengrin“ sang.
Timo Riihonen vor dem Festspielhaus in Bayreuth, wo er am 10. August letztmals in Wagners „Lohengrin“ sang. © Foto: Stefan Heibach
Göppingen / SWP 22.08.2018

In Mozarts „Die Zauberflöte“ bei den Göppinger Staufer-Festspielen im September hat der weltweit gefeierte Bass Timo  Riihonen den Part des Sarastro übernommen. Seit 2016 singt er als Solist bei den Bayreuther-Festspielen, dieses Jahr war er in den Bayreuther Inszenierungen von Parsifal, Lohengrin und die Meistersinger zu hören. Auch für 2019 wurde er wieder als Solist eingeladen.

Herr Riihonen, Sie singen in der Solistenriege einer der weltweit wohl bedeutendsten Festspiele, den Bayreuther Festspielen, was macht für Sie den Zauber Bayreuths aus?

Timo Riihonen: Am wichtigsten sind das Festspielhaus und natürlich die wunderbaren Kollegen. Das Haus selbst kann man mit keinem anderen Theater in die Welt vergleichen. Es ist der beste Platz für Wagners Musik und Wagners Musik die beste für das Festspielhaus. Es gibt so viel Geschichte, die in Bayreuth geschrieben wurden, jetzt selbst an diesem Ort zu singen ist natürlich ein großes Privileg und eine Ehre. Wenn man bedenkt, wer dort vor mir gesungen hat, wer Regie geführt hat und wer dirigiert hat; das Festspielhaus ist wirklich ein einzigartiger Platz in der Opernwelt.

Sie stehen dort mit Top-Sängern wie Waltraud Meyer, Michael Volle oder Pjotr Becala auf der Bühne. Wie ist der Teamgeist in Bayreuth?

Sehr gut. Wir sind eine große Familie und es gibt keine großen Egos hinter der Bühne.

Die finnischen Bässe haben ja mit Martti Talvela oder Matti Salminen in der Opernwelt eine große Tradition, warum bringt Finnland so hervorragende Bässe hervor?

In Finnland haben wir eine lebendige und reiche Chorkultur. Ich selbst war früher, wie Matti Salminen, ein Chorsänger. Ich habe bei den Savonlinna Opernfestspielen im Chor gesungen und dort gelernt, was Oper wirklich ist. Auch die finnische Sprache eignet sich sehr gut zum Singen. Und natürlich hilft es, dass wir Finnen generell gerne singen und sehr gerne Tango tanzen.

Sind Sie Matti Salminen mal begegnet?

Ja, ich kenne Matti Salminen sehr gut. Er ist wie ein Pate für uns junge Bässe Finnlands. Ich habe schon 2007 ein Stipendium der Matti-Salminen-Stiftung erhalten. Und als ich Fafner in der Oper „Das Rheingold“ mit Daniel Barenboim an der Staatsoper Berlin gesungen habe, sprang Matti Salminen als Fasolt ein. Das war echt ein Erlebnis.

Hören Sie sich an, wie diese beiden Bässe die Partie des Sarasto gestaltet haben?

Ja, natürlich. Besonders am Anfang meines Studiums, aber auch heute noch, ist Martti Talvela ein großes Vorbild für mich.

Ist es für Sie schwierig zwischen Wagner und Mozart stimmlich zu wechseln, oder tut das Ihrer Stimme gar gut?

Mozart und besonders Sarastro zu singen ist wie eine Singstunde mit einem besonders guten Lehrer. Sarastro ist für mich ein Maßstab, wie gut meine Stimme funktioniert und ich kann meine tägliche Stimmkondition an ihm messen. Besser geht es nicht.

Was ist für Sie das Besondere an der Partie des Sarastro?

Er ist eine absolute Autoritätsfigur. Manchmal streng, aber im Grunde gut und auch sympathisch. Darüber hinaus kann man in der Rolle des Sarastro immer etwas Neues entdecken. Besonders wichtig, um Sarastro zu singen, ist die eigene, innere Ruhe.

Sie leben in Helsinki und arbeiten auf der ganzen Welt, wo ist ihr Zuhause?

Wo meine Familie ist.

Info Das Interview wurde der NWZ-Redaktion vom Veranstalter, der Staufer Fespiele Göppingen gGmbH, zur Verfügung gestellt.

Zur Person: Timo Riihonen

Karriere Timo Riihonen, geboren 1983 in Mikkeli, war nach dem Studium 2008/09 Mitglied des Internationalen Opernstudios an der Oper Zürich, 2009 bis 2013 Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein, von 2013/2014 bis  2018 an der Oper Kiel. Gastspiele führten den Bass unter anderem zum Teatro alla Scala Mailand, an die Staatsoper Berlin, die Moskauer Philharmonie und die Opéra de Dijon.

Tickets Karten für Die Zauberflöte bei den Staufer-Festspielen vom 7. bis 15. September in der Werfthalle Göppingen  gibt es unter www.staufer-festspiele.de oder Tel. (07161) 61898-22.

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