Göppingen "Sammeln kein harmloses Hobby"

Sammler Matthias Grupp (links) mit dem Steinzeit-Experten Winfried Poldrack in der neu eröffneten Ausstellung im Naturkundlichen Museum. Foto: Margit Haas
Sammler Matthias Grupp (links) mit dem Steinzeit-Experten Winfried Poldrack in der neu eröffneten Ausstellung im Naturkundlichen Museum. Foto: Margit Haas
Göppingen / MARGIT HAAS 04.04.2012
Das Sammeln ist tief im Menschen verankert. Das Naturkundliche Museum in Jebenhausen zeigt in seiner neuen Ausstellung außergewöhnliche Fossilien, Mineralien und Steinzeitartefakte privater Sammler.

Seine Existenz verdankt das städtische Naturkundliche Museum einem passionierten Sammler. Dr. Theodor Engel trug vor langer Zeit eine umfassende Jurasammlung zusammen. Die Stadt hat sie 1925 gekauft und zeigt sie seit 1970 in der Alten Badherberge in Jebenhausen. Zahlreiche Ausstellungen in der Vergangenheit waren in Zusammenarbeit mit privaten Sammlern realisiert worden. Die aktuelle Schau "Ich sammle! Fossilien, Mineralien, Steinzeitartefakte", von Göppingens Bürgermeisterin Gabriele Zull am Sonntagnachmittag eröffnet, stellt die Sammler in den Mittelpunkt, zeigt auf, was alles die Sammelwut wecken kann.

Die erste Beigeordnete der Stadt stellte zunächst fest, dass es zwischenzeitlich augenscheinlich sei, dass das Gebäude selbst dringend saniert werden muss, wird doch die Fassade teilweise nur noch von simplen Dachlatten zusammengehalten. Zull betonte, das Naturkundliche Museum lebe von der Kooperation mit Sammlern, die mit ihren Sammlungen "immer auch einen Einblick ins Persönliche geben".

Dr. Anton Hegele, der in den vergangenen 26 Jahren verantwortlich zeichnete für das Museum, ging auf die Kulturgeschichte des Sammelns ein. War es für die Menschen zunächst pure Überlebensnotwendigkeit, wurden schon sehr früh Kultur- und Kultgegenstände zusammengetragen. Hegele warnte: "Sammeln ist kein harmloses Hobby." Gehe es dem echten Sammler doch um die systematische Suche, das Zuordnen und Aufbewahren und das Vervollständigen. "Das ist nur mit großem Aufwand möglich." Die Sammlerstücke machten Unsichtbares sichtbar, so Anton Hegele. So geben die Steinzeitartefakte von Winfried Poldrack ein lebendiges Bild der Steinzeitmenschen wieder. Einen "wahren Röntgenblick für die Geologie" hat der "typische Jurasammler" Hans Klaschka. Zu großer Perfektion im Präparieren hat es Dieter Weber gebracht.

Matthias Grupp erfasste die Begeisterung für das schwäbische Jurameer, als er an der B 10-Baustelle in Eislingen auf erste Versteinerungen stieß. Horst Kuschel sammelt nicht nur. Seine Bleistiftzeichnungen gerade von nicht perfekten Fundstücken haben einen ganz besonderen Zauber. Lars Epple stellt Exquisites aus seiner Mineraliensammlung vor, ebenso wie Hans Jungbauer, dessen Fundstücke seine ausgedehnten Reisen in alle Welt, vornehmlich nach Japan, dokumentieren. Heinz Schneiders Vitrine scheint von innen heraus zu leuchten. Zahlreiche schneeweiße Meeresschnecken und -muscheln zeigen eindrucksvoll den Formenreichtum der Natur.

Info Öffnungszeiten: Mi., Sa., 13-17 Uhr, So. und Feiert. 11-17 Uhr (bis zum 1. November). Führungen für Gruppen sind auch darüber hinaus möglich, Telefon: (07161) 6 50-1 91,

www.museen-goeppingen.de

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