Es ist ein besonderes Kulturereignis, das der Stadt am kommenden Sonntag ins Haus steht: In der Stadthalle wird mit der Aufführung zweier bedeutender Werke  von Felix Mendelssohn Bartholdy das Reformationsjubiläum gefeiert. Unter der Leitung des bekannten Kirchenmusikdirektors  Gerald Buß erklingt zunächst die sogenannte „Reformations-Sinfonie“ mit dem Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“.  Anschließend steht Mendelssohns „Lobgesang“ auf dem Programm. 75 Sängerinnen und Sänger aus dem Landkreis und der Region wollen dabei für Gänsehaut in der Stadthalle sorgen.

Die Entscheidung zu der Veranstaltung sei bereits vor zweieinhalb Jahren gefallen, sagt Gerald Buß – und er erklärt, dass man sich auch ganz bewusst dazu entschlossen habe, das Konzert nicht in einer Kirche, sondern in der Stadthalle  aufzuführen. „Zum einen soll die Botschaft der Reformation über die Grenzen der Kirchenmauern hinaus laut werden, zum anderen nehmen wir so eine Idee aus der Zeit von Mendelssohn selbst auf, der geistliche Musik in öffentliche Räume bringen wollte.“ Buß, der auch Vorsitzender des Kulturkreises Göppingen, Künstlerischer Leiter des Festivals „Musik auf Schloss Filseck“  und Leiter des Kammerchors Capella Nova ist, sieht in der Reformation ein „hochaktuelles Thema“. „Die Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben beschäftigt uns“, betont er. Es gehe um Fragen der Gerechtigkeit und der Lebenseinstellung. Nachhaltigkeit, bewusstes Leben und Dankbarkeit sind für den Kirchenmusikdirektor daher Themen, die mit der Reformation in engem Zusammenhang stehen. Und natürlich die Bildung. Ohne die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg  sei die Reformation vor 500 Jahren nicht möglich gewesen, ist Buß überzeugt. „Ohne den gerade erfundenen Buchdruck wäre Martin Luther womöglich nur ein mäßig beachteter Theologieprofessor der Provinzuniversität Wittenberg geblieben und kaum über die Grenzen Sachsens hinaus bekannt geworden.“ Mendelssohn komponierte den „Lobgesang“ zum 400. Geburtstag des Buchdrucks. Die „Reformations-Sinfonie“, die mit der mitreißenden Musik die Freude an der Reformation zum Ausdruck bringen soll, schuf er zum 300. Jahrestag des „Augsburger Bekenntnisses“, dem Ur-Bekenntnis der lutherischen Kirchen. „Insofern stehen die beiden Werke in einem inhaltlichen Zusammenhang und es ist schön, dass sie in dem Konzert am Sonntag mit 140 Mitwirkenden zusammengeführt werden können“, sagt  Buß. In den vergangenen Wochen war im Blumhardt-Haus im Reusch fleißig geprobt worden.

Die Veranstaltung am Sonntag in der Stadthalle  beginnt um 17 Uhr. Bei der NWZ, im i-Punkt im Rathaus, online bei easy-ticket.de sowie an der Abendkasse gibt es noch Karten. Buß bezeichnet das Konzert als „Höhepunkt einer ganzen Reihe von musikalischen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr“. Auch der Gospelday am 16. September gehörte dazu. Auf dem Schlossplatz war an diesem Tag für mehr Gerechtigkeit auf der Welt gesungen worden.

„Luther-Bier“ in der Göppinger Stadthalle


Spende Für einen guten Zweck hatte die Lammbrauerei Hilsenbeck aus Gruibingen für das Reformationsjubiläumsjahr eigens ein „Luther-Bier“ gebraut, das übrigens auch am Sonntag in der Göppinger Stadthalle ausgeschenkt wird. Ein Teil des Erlöses kommt dem „Haus Linde“ in Göppingen zugute, einer Einrichtung, die wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen berät und konkret unterstützt. Bei der Konzertveranstaltung wird Brauereichef Hans-Dieter Hilsenbeck nach der Pause einen Spendenscheck an „Haus Linde“ übergeben. Davor spricht der evangelische Dekan Rolf Ulmer über die Bedeutung des Reformationsfests.