Politik „Weibsbilder“ ärgern heute die Jungs

Das Trio „Dreist“ aus Eislingen untermalte mit fetzigen und nachdenklichen Liedern den Empfang für die „starken Frauen“ im Göppinger Kreissparkassenforum. Viele der Porträtierten waren anwesend.
Das Trio „Dreist“ aus Eislingen untermalte mit fetzigen und nachdenklichen Liedern den Empfang für die „starken Frauen“ im Göppinger Kreissparkassenforum. Viele der Porträtierten waren anwesend. © Foto: Staufenpress
Kreis Göppingen / Von Annerose Fischer-Bucher 20.01.2019

Zum Erinnerungsfoto nahmen die anwesenden 26 porträtierten Frauen den Gastgeber der Veranstaltung, Landrat Edgar Wolff, in ihre Mitte, obwohl er sich einen Faux Pas geleistet hatte. So sprach er bei der Vorstellung der Stärken des Landkreises von einem starken Löwen, korrigierte die rein männliche Sprachweise dann aber nach dem humorvollen weiblichen Protest, dass es auch Löwinnen gebe.

Begonnen hatte der Empfang mit Frühstück, der aus Anlass der Sonderpublikation „Starke Frauen in der Region“ stattgefunden hatte, am Samstag im Göppinger Kreissparkassenforum mit dem Song „Oh diese Weibsbilder“. Die Eislinger Musikgruppe „Dreist“, bestehend aus drei Sängerinnen, die sich jeweils nach Bedarf einen Pianisten hinzuholen, umrahmte mit passenden fetzigen und nachdenklichen Songs wie „In dieser Stadt“ von Hildegard Knef den Empfang für die insgesamt 43 in dem Heft porträtierten Frauen und die Gäste.

Lidwine Reustle, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, sagte in ihrer Moderation: „Vor dem vielfältigen Frauenengagement ziehen wir heute zum Jubiläum von 100 Jahren Frauenwahlrecht mit dieser Publikation den Hut.“ Und das taten einige der Frauen symbolisch auch im KSK-Forum. Es gebe jedoch noch zahlreiche Einschränkungen und Hürden für Frauen, deswegen brauche es auch heutige Vorbilder und Vernetzung unter den Frauen. Landrat Wolff dankte Reustle für die „erfrischende Arbeit“, denn Gleichberechtigung sei immer noch ein großes Thema. In den kommunalen Gremien des Landkreises gebe es nur 26,6 Prozent Frauen, und er ermuntere als Kreiswahlleiter dazu, sich am 26. Mai zur Wahl zu stellen und zu wählen.

In der Publikation von NWZ und Geislinger Zeitung der Südwest-Presse sind ganz unterschiedliche Frauen porträtiert, die Familie und Beruf unter einen Hut bringen und oft im Verborgenen Exorbitantes leisten. Es finden sich hier Persönlichkeiten aus verschiedenen Lebensbereichen, die auch in schweren Zeiten und Krisen nicht nachlassen: Frauen, die Angehörige pflegen, die sich für die Allgemeinheit einsetzen, die ein Ehrenamt ausüben, Künstlerin, Sportlerin, Unternehmerin, Politikerin, um nur einige zu nennen.

Dr. Heide Kottmann, Sprecherin des Kreisfrauenrats, verlas in Vertretung von Eva Epple deren Rede, in der sie auf die zahlreichen Aktivitäten von Frauen hinwies. Es würden sich sicher noch viel mehr Frauen finden lassen als in der Publikation. „Frauen lassen sich nicht mehr auf traditionelle Frauenbilder festlegen, sie ärgern die Jungs“, so Epple.

Bevor Lidwine Reustle und Edgar Wolff Geschenke an die anwesenden porträtierten Frauen übergaben und es anschließend zum Networking und zum gemütlichen Ausklang ging, gab es drei Kurzinterviews, die Angeline Fischer von Radiofips mit der Sportlerin Lena Urbaniak, der Unternehmerin Barbara Küpper und der Frauenrechtlerin und Flüchtlingshelferin Renate Mutschler führte. In den Gesprächen ging es um mentale Stärke, um die Vorgehensweise und Motivation und um Netzwerkarbeit.

Kugelstoßerin Lena Urbaniak, die im Jahr 2016 Teilnehmerin bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro war, sagte, bei der Leistung komme es auf Konzentration und die Fokussierung auf einen Punkt an. Küpper antwortete auf die Frage nach der Vorgehensweise, „man macht einfach“, denn sie habe im Betrieb mit 42 Mitarbeitern ganz schnell Verantwortung übernehmen müssen. Sie habe versucht, nicht die Probleme zu sehen, sondern die Herausforderungen und sich Rat und Hilfe von außen geholt. Renate Mutschler, Sprecherin des Interkulturellen Frauenrats, berichtete über ihre praktische Flüchtlingsarbeit im syrischen Kobane und die Vereinzelung von Frauen hierzulande, die man unterstützen und in Netzwerke hereinholen müsse.

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