"Oft führt nicht einmal mehr ein Weg zur Ruine"

Kreisarchäologe Dr. Reinhard Rademacher beim Symposium zur Burgenforschung. Foto: Ackermann
Kreisarchäologe Dr. Reinhard Rademacher beim Symposium zur Burgenforschung. Foto: Ackermann
DANIEL GRUPP 25.03.2013
Die Burgen im Kreis sollen touristisch erschlossen und wissenschaftlich erläutert werden. Dazu fand ein Symposium statt. Kreisarchäologe Reinhard Rademacher zieht Bilanz.

Herr Dr. Rademacher, im Kreis Göppingen gibt es mehr als 60 Überreste von Burgen. Da bleibt für die Forschung noch viel zu tun?

REINHARD RADEMACHER: Ja, auf dem Symposium zur mittelalterlichen Burgenforschung auf Schloss Filseck hat Kreisarchivar Dr. Stefan Lang über die Quellenlage zu den Adelsgeschlechtern berichtet. Da können junge Wissenschaftler noch vieles finden und erforschen.

Häufig gibt es keine schriftlichen Quellen mehr, dann sind Sie als Archäologe besonders gefragt?

Manchmal genügt es, wenn ein Archäologe durch die Burgruine geht. Oft findet sich ein gebrannter Ziegel, der bei der Datierung hilft.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Keramik, die bei der Hunnenburg zwischen Gingen und Kuchen gefunden wurde, belegt, dass die Anlage eindeutig mittelalterlich ist. Manche sagten, die Burg sei keltisch. Das ist völliger Unfug.

Was hat die Burg mit dem Volk der Hunnen zu tun?

Nichts. Der Name leitet sich von dem Wort Hühne ab.

Falsche Vorstellungen über die alten Festungen scheint es öfters zu geben?

Nachdem die Burgen aufgegeben wurden, dienten sie oft in Dörfern als Steinbruch. Auch rankten sich um sie Sagen wie die von der weißen Frau oder dem Reiter ohne Kopf. Solche Orte wurden lange Zeit gemieden. Manche gerieten in Vergessenheit. Oft führt nicht einmal mehr ein Weg zur Ruine.

Viele Burgen im Kreis sind aber gut erforscht . . .

. . . Die neue Forschung zeigt, dass wir manche Fehler in der Literatur revidieren müssen. Oft geht das Wissen auf Laien wie Dorflehrer und Pfarrer zurück. Da schrieb der eine vom anderen ab. Zum Beispiel belegt keine Quelle, dass die Burg Zillenhart bei Schlat einst der gleichnamigen Adelsfamilie gehörte.

Viele Burgen im Kreis - das klingt wie ein Pfund, mit dem auch um Touristen geworben werden soll.

Über 60 Burgen ist eine stattliche Zahl. Der Landkreis möchte damit Touristen gewinnen. Es soll ein Burgenführer mit den jüngsten Erkenntnissen geschrieben und ein Burgenweg ausgewiesen werden.

Was hat dazu am Samstag das Symposium "Adel, Herrschaft, Burg" auf Schloss Filseck beigetragen?

Die Hauptreferenten, die Freiburger Professoren Thomas Zotz und Heiko Steuer haben gezeigt, wie im Breisgau die Burgen erforscht wurden. Die Vorgehensweise kann eine Grundlage für die eigenen Überlegungen hier im Kreis sein.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir wollen weiter eng mit den historischen und archäologischen Instituten der Universität Tübingen zusammenarbeiten. Wir hoffen auf Mittel der Deutschen Forschungsgesellschaft für Forschungsprojekte. Der Burgenführer wird sicherlich eine längere Zeit in Anspruch nehmen, der Burgenweg kann schrittweise angelegt werden.