Es ist das dritte Rechercheprojekt am Theater Ulm. Hervorgegangen aus dem Jugendclub Schauspiel ist es inzwischen generationsübergreifend und vereint Akteure im Alter zwischen zehn und 85 Jahren.

Seit Oktober 2014 befasste sich das Rechercheteam unter der Leitung von Theaterpädagogin Barbara Frazier mit dem Thema Weltuntergang. Mit Lust am Experiment ist ein Stück entstanden, das Bezüge sowohl zur Weltliteratur als auch zu autobiografischen Skizzen der Teilnehmer herstellt. In fließenden Übergängen werden sie mit bildender Kunst, Musik, Filmgeschichte und dem Neuen Testament verknüpft.

Rahmenhandlung ist eine Hochzeitsfeier, die lustvoll ausgeschmückt wird. Blumenmädchen singen (mit glockenheller Stimme die junge Lena Becker), Klaviermusik von Skrjabin erklingt am Kawai-Flügel, nacheinander werden Ständchen der "unschlagbaren Krieger des Glücks" mit feierlichem Hochgefühl für das leidenschaftlich gepriesene Brautpaar vorgetragen. Bis die Stimmung kippt, die Braut ein Foto des neu erworbenen paradiesischen Anwesens zerreißt, als sie bald feststellt, dass die schwarze Mitte im Klatschmohn für das Leiden steht. Ein Hochzeitsgast versucht noch, mit Gesellschaftsspielen das Fest zu retten. Doch Glücksversprechen werden - wie auch die Echtheit des Blumenschmucks - in Frage gestellt.

Eine junge Frau unter den Hochzeitsgästen (Alicia Mayer) beklagt die "Stimme in meinem Kopf", die sie dahinvegetieren lässt; Tagebucheinträge schildern ein Dasein mit Depressionen und Schlaftabletten. Grenzen zwischen Gut und Böse, Wirklichkeit und Wahn lösen sich auf. Die Persönlichkeit der Braut zerfällt in mehrere Ichs, ihre "Ode an die Zweisamkeit" hallt als antimusikalische Einlage aus Gekrächze und Gestöhne durchs Publikum. Wie ein roter Faden führt ihre innere Zerrissenheit durch das Stück. Nach dem Motto "schauen wir lieber nach innen" verleihen Dialoge über existenzielle Fragen dem Abend Tiefgang.

Info Das Stück kann man nur noch heute und am Samstag im Podium des Theaters Ulm sehen.

Spielzeit endet

Bevor die Spielzeit 2014/15 am Sonntag, 19. Juli endet, stehen im Großen Haus des Ulmer Theaters noch "Peter Grimes", "Der Goldene Drache", "Die Bakchen (Pussy Riot) und die Balletschulgala "Der Nussknacker" auf dem Programm. Für folgende Podiums-Vorstellungen gibt es auch noch Karten: "Die Nervensäge" am 12. Juli und "Spielt euch ... antik" im Rahmen der Schultheatertage. Auf der Wilhelmsburg gibt es noch Karten für die letzte Aufführung von "Ein Sommernachtstraum" am Donnerstag sowie für die letzten Aufführungen der "West Side Story" am 13., 14. und 15. Juli.

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