Interview Kunstfigur Willy Nachdenklich im Interview

Als „das Unlustigste überhaupt“ bezeichnet der 34-Jährige seine Nasenbrille. Mit der und unter dem Pseudonym Willy Nachdenklich geht er auf Lesetour.
Als „das Unlustigste überhaupt“ bezeichnet der 34-Jährige seine Nasenbrille. Mit der und unter dem Pseudonym Willy Nachdenklich geht er auf Lesetour. © Foto: Privat
Adelberg / SWP 01.11.2018
„1 lustiger Abend vong Humor her“. Willy Nachdenklich hat die Jugendsprache geprägt. Vor seiner Lesung in der Adelberger Zachersmühle spricht der 34-Jährige über Humor, Likes und lustigen Unsinn.

Wie erklären Sie nicht-internetaffinem Publikum ihre Witze?

Wenn man den Witz erklären muss, ist er nicht mehr witzig. Deshalb ist es völlig okay, dass mein Humor nicht jedem zusagt.

Sie haben die „Vong“-Sprache mit Verzwirbelungen wie „i bims“ oder „vong... her“ geprägt. Wie kommt man auf sowas?

Im März 2015 lag ich mit Grippe flach. Seit langem scrollte ich mal wieder durch Facebook. Da haben Leute in fragwürdiger Rechtschreibung Sinnsprüche geteilt. Ich habe die Facebook-Seite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“ erstellt und das Ganze überspitzt dargestellt.

Dann ging die Sache durch die Decke: 360 000 Leuten gefiel auf Facebook, was Sie machen. Was gab den Ausschlag dafür?

Jan Böhmermann hat etwas von mir geteilt. Dann ging es stetig nach oben.

Haben Sie sowas wie eine Zielgruppe?

Laut Facebook hab ich eine. Am meisten erreiche ich dort Menschen zwischen 22 und 30 Jahren. Bei meinen Lesungen sind aber auch deutlich jüngere – oder ältere Besucher.

Mittlerweile gehen Sie auf Tour mit ihrem zweiten Buch „Shakespeare oder Willy, das ist hier 1 Frage“.

Ja, damit hätte ich im Traum nicht gerechnet. Dass den Leuten mein, ich sag mal, geistiger Dünnpfiff, gefällt, das hat mich aber angespornt, weiter zu machen. Mittlerweile gehe ich auf die zweite Lesetour.

Beschreiben Sie Ihr Buch doch mal kurz und prägnant.

Lustiger Unsinn mit Sinn dahinter.

Haben Sie bestimmte Vorbilder in Sachen Humor?

Ich bin riesiger Helge-Schneider-Fan, seit ich zehn Jahre alt bin, und finde ihn wahnsinnig lustig. Er hatte am meisten Einfluss auf meinen Humor. In eine ähnliche Kerbe schlage ich auch.

Als der Hype am größten war, griffen auch Unternehmen, wie die Sparkasse Ihre Sprache zu Werbezwecken auf. Mit „Der Monent wenn dein Datemvolumen vong Vormonat her noch da ist“ warb zum Beispiel Vodafone. Wie kam das bei Ihnen an?

Ich bin kein Fan davon, wenn etwas im Mainstream ankommt. Damals wusste ich: Das ist wohl der Höhepunkt des Ganzen. Es gibt aber noch den harten Kern, der die Inhalte feiert.

Sie treten mit Nasen-Brille und unter einem Pseudonym auf. Weshalb?

Ich wollte mir etwas Privatsphäre bewahren. Und die Nasenbrille ist so ziemlich das Unlustigste überhaupt.

Gab es auch Anfeindungen?

Klar, die gab es. Ich habe viele Nachrichten und Kommentare bekommen. Ich solle ein Rechtschreibprogramm über meine Texte laufen lassen. Viele dachten, ich sei ein Ausländer, der nicht richtig Deutsch kann. Da waren schon üble Sachen dabei.

Schafft es „vong“ noch in den Duden?

Ich glaube nicht. Die größte Chance dazu gab es 2017, als es zum Jugendwort gewählt wurde. Der Duden-Zug ist jetzt abgefahren.

Eigentlich sind Sie Großhandelsdkaufmann. Was machen Sie jetzt?

Ich arbeite als Redakteur und Autor bei Puls, dem Jugendsender des Bayrischen Rundfunks. Nebenher gehe ich mit meinem zweiten Buch auf Lesetour.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel