Göppingen "Lots of History" mit musikalischem Ausklang

Der englische Spaziergang durch Göppingen endete in der historischen Villa Butz mit handgemachter Musik und Gesprächen.
Der englische Spaziergang durch Göppingen endete in der historischen Villa Butz mit handgemachter Musik und Gesprächen. © Foto: Wolfgang Hartmann
Göppingen / WOLFGANG HARTMANN 29.07.2015
"History and Stories" über Göppinger Gebäude: Im Rahmen des Sommers der Ver-Führungen starteten jetzt 50 Interessierte zu einer Stadtführung in englischer Sprache durch die Hohenstaufenstadt.

Um Gästeführerin Ursula Weingart-Brodbeck versammelten sich vor dem Haus in der Mörikestraße 17 deutlich mehr als die maximal angegebenen 15 bis 30 Personen. Führungen in Englisch sind wohl angesagt und so kamen die Besucher zahlreich zur Veranstaltung des Sommers der Ver-Führungen. Selbst aus der Landeshauptstadt reisten Interessierte an. Bei angenehmen Temperaturen ging es zur ersten Station der "famous Göppinger buildings", der 1869 von Robert Kraft gebauten Villa Vogt. Robert Kraft war der Besitzer der späteren Papierfabrik Fleischer. 1888 wurde die Villa von Otto Bareiß, Leiter der Firma Schachenmayr, erworben. Um die Jahrhundertwende kaufte dann die Namensgeberin des Gebäudes, die Familie Vogt den Besitz. Deren 1923 in Heidelberg geborene Tochter Juliane arbeitete als Krankenschwester in Stuttgart.

Die Stadt Göppingen erwarb das Gebäude 1930. Die Familie Vogt lebte bis 1950 in der Villa und 1951 wurde das bisher für Kinder genutzte Gebäude an die Wilhelmshilfe verkauft. Allerdings mit der Auflage, dies nun als Altenheim zu nutzen. Das wurde 1953 auch in die Tat umgesetzt. In der Villa Vogt hat die Wilhelmshilfe mittlerweile ihre Zentrale eingerichtet.

Immer darauf achtend, dass die Teilnehmer Konversation nur in englisch hielten, ging es weiter zur Villa Schmohl. 1884 erbaut residierte hier einer der größten Spielwarenhersteller Süddeutschlands, Albert Schmohl. 1984 wurde die Konkurrenz aus Fernost übermächtig. Die Fabrik schloss. Die Villa ging in den Besitz der Stadt über und wurde sehr lange gar nicht genutzt. Das sorgte für viel Protest und führte zu Besetzungen des Gebäudes. In diese Zeit kam es auch zu einem tragischen Unglück in der Villa. Ein verheerendes Feuer brach 1984 aus. Bei dem durch eine Explosion eines an der Wand befindlichen Feuerlöschers der damalige Kommandant der Göppinger Feuerwehr, Albrecht Binder, ums Leben kam. Nicht ins Englische übersetzt wurde der stadtbekannte Bestandteil der Villa, der "Gäuleskeller". Hier bewahrte die Familie Schmohl ihre Spielsachen auf.

Weiter ging's zur Villa Butz, 1887 von Bernhard Gutmann im wilhelminischen Stil der industriellen Gründerzeit erbaut. 1899 wurde bereits kräftig angebaut und eine Verbindung zur Buntweberei am Stadtbach hergestellt. 1904 wurde das Gebäude vom Augsburger Fabrikanten Wilhelm Butz erworben. 1955 kaufte die Stadt die Villa. Nachdem sie an mehrere Firmen wechselseitig vermietet war, wurde sie 1967 bis 1968 ausgebaut und von der Pestalozzi-Schule und dem Mörike-Gymnasion als Schulräume genutzt. Nach einer Restaurierung wird die Villa Butz seit 1989 als Haus der Familie bis heute genutzt.

Als glückliche Fügung stellte sich der Gebäudekauf durch die Wilhelmshilfe 2007 heraus. Durch langfristige Mietverträge konnte zum Wohle der Stadt die Nutzung des Gebäudes durch die Familienbildungsstätte gesichert werden. Nach soviel Bildungsinput auf Englisch begann nun das Highlight des Abends. Passend zum Wetter stimmte Rolf Hansmann auf seiner Akustikgitarre "Blowin' In The Wind" an. Die vorher teilweise nur zaghaft zur Sprache gekommen Englisch-Künste, wurden umso intensiver als Bestandteil eines vielstimmigen Chores zum Besten gegeben. Good Old Whiskey, Snacks und das passende Ambiente der Villa Butz sorgten für prächtige Kaminzimmer-Atmosphäre, die noch bis in die Nacht hinein genossen wurde. Zu den Liedern von den Beatles, Bob Dylan und Joan Baez fand der Abend einen harmonischen Ausklang.

Schon ver-führt?

Ausgebucht sind in den kommenden Tagen unter anderem folgende Veranstaltungen: Oskar Schlemmer und seine Beziehungen zu Göppingen, Göppinger Kaffeerösterei - Vom Zauber der braunen Bohnen (es gibt einen Zusatztermin am 20. August um 15 Uhr), Das Polizeipräsidium Einsatz stellt sich vor, Besichtigung Bäckerei Bopp und Tour von Türkheim ins Lontal (es gibt einen Zusatztermin am 27. August).

Freie Plätze gibt es bei: Rechberghäuser Geschichte und Kaffee am Nachmittag,

Jüdischer Friedhof Jebenhausen, Rund ums Reusch, In und um die Göppinger Stadtkirche und hinauf auf den Turm, Mit Barbarossa zum 825. - Am und auf den Hohenstaufen (1. August, mit oder ohne Anmeldung), Familienspaß in Kloster und Falknerei, Mit Hohenstaufenkaiser Barbarossa Friedrich I. in der Stadt (9. August, mit oder ohne Anmeldung).

Anmeldungen bitte direkt beim jeweiligen Veranstalter. Infos zu allen Angeboten unter www.landkreis-goeppingen.de

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