Wertungsspiel „Jugend musiziert“: Talente geben Kostproben

Göppingen / Sabine Ackermann 22.01.2018
Der 55. Regional-Wettbewerb „Jugend musiziert“ lockte zahlreiche Besucher an. 430 Nachwuchsmusiker begeisterten.

Etwas verloren steht der etwa zehnjährige Junge mit seiner Trompete auf der imaginären Bühne im Märklinsaal der Stadthalle. Ein letzter Blick ins Publikum, ein zaghaftes Lächeln als er bekannte Gesichter entdeckt, noch einmal tief durchatmen und dann geht’s los. Mit leicht geschlossenen Augen versinkt er mehr und mehr in die barocke Musik von Jean-Baptiste Loeillet de Gant. Geschafft, lief doch ganz gut. Kurz die Notenblätter getauscht, danach punktet er mit dem klassisch-modernen und jazzigen „Metropolis“ in C-Dur aus der Schmiede des amerikanischen Trompeters Allen Vizzutti.

Wie beim Wettbewerb vorgegeben, kann das Vorspielprogramm frei gewählt werden, muss sich aber aus Werken verschiedener Epochen zusammensetzen. Wenig später wird der talentierte Blechbläser erfahren, dass er alles richtig gemacht hat, mit 23 Punkten ist er weiter. Das wünscht sich Martina Rimmele gleichfalls für ihre Schützlinge. Ich habe leider gar keine Zeit, muss mich um einen meiner Schüler kümmern, entschuldigt sich die Diplom-Dirigentin der Jugendkapelle und des Städtischen Blasorchesters und verschwindet flugs hinter einer Tür.

An einem solchen besonderen Tag sind natürlich die meisten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufgeregt und dann sind es gerade die Musiklehrer, die für ihre Schüler beruhigend da sein wollen. Verständlich, dass man vor einem Wertungsspiel keine Nerven zum Plaudern hat.

Läuft man durch die Flure und Säle der Jugendmusikschule oder der Stadthalle, durch den Anbau des Mörike-Gymnasiums oder durchs Rathaus, kann man bisweilen an den Gesichtern der kleinen Blockflötenspieler oder Pianisten ablesen, wie gut oder schlecht es gelaufen ist.

„Für mich unterliegen die musikalischen Darbietungen einer subjektiven Wahrnehmung und Beurteilung, ich bin froh, dass ich nicht in der Jury sitzen muss“, erklärt Klara Jennewein. Seit Jahren besucht die Stuttgarter Seniorin jeden dieser Regionalwettbewerbe, „ich liebe es, wenn Kinder klassisches Kulturgut spielen“. Das zu üben, erfordert natürlich jede Menge Zeit, Disziplin und Verzicht für gewöhnliche Freizeitaktivitäten. Wenn das jemand weiß, dann ist es Alexandra Rauch aus Bad Boll. Drei ihrer Kinder gehen heute an den Start, der jüngste Spross Felix muss noch ein wenig warten. Mit etwa fünf Jahren haben die zwölfjährige Hannah, ihre Zwillingsschwester Sophia und der ein Jahr jüngere Bruder Sebastian am Klavier angefangen zu musizieren, zwei Jahre später duften sich alle ihr favorisiertes Instrument aussuchen. „Was schön ist, die lieben die Musik und das Zusammenspiel“, verrät die Mutter, die sich selbst der Geige verschrieben hat. Ihre Tochter Hannah hat sich in der „wichtigsten Viertelstunde des Tages“ zwei Sonaten in C-Dur und h-Moll von Friedrich Kuhlau und Johann Sebastian Bach sowie das heitere „Barcarola et Scherzo c-Moll“ von Alfred Casella herausgesucht.

Während die Zwölfjährige auf der Querflöte hochkonzentriert die Stücke präsentiert, scheint der stellvertretende JMS-Leiter Thomas Müller zufrieden mit dem, was er hört. Dann ist die Wertung da. 25 Punkte für die Flötistin, das Maximum. Sie gewinnt ihre Altersklasse und darf zum Landeswettbewerb im März. Mit im Boot sitzen ihre Geschwister, die am Klavier und mit der Klarinette überzeugen konnten.

Mehrere Monate geübt haben auch die Geschwister Colin (13) sowie Evelyn (9) Lau aus Göppingen. „Wenn ich ehrlich bin, macht’s alleine mehr Spaß“, verrät der große Bruder, der heute dennoch mit seiner jüngeren Schwester am „Klavier vierhändig“ punkten will. Bravourös meistern sie ihre Stücke vor dem durchweg konzentriert zuhörenden Publikum. Und das zeigt sich darüber hinaus auch von der ganzen Veranstaltung recht begeistert. „Es ist gut organisiert und ausgeschildert, die Leute sind freundlich und wir wurden sehr gut aufgenommen“, ist nicht nur Katrin Ringger aus dem Raum Nürtingen voll des Lobes.

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