Viele Köche verderben den Brei? Absolut nicht. Das beweist Birgit Dibowski jeden Monat bei ihrem Projekt "Interkulturelles Kochen". Hier steht René aus Deutschland mit der zwölfjährigen Spanierin Ainhoa an der Arbeitsfläche und schnippelt Paprikas für eine Empanada-Füllung. Die Namibierin Lee fragt Anna aus Ecuador, wo denn das scharfe Messer zum Knoblauchschneiden sei. Im Hintergrund der Küche erklärt Claudia dem Tunesier Adnene und dem Brasilianer Pedro das Rezept für den Apfelkuchen. Eier mixen, sollen sie. "Eggs - grrrrgrrrr", beschreibt die Deutsche mit entsprechender Gestik die Tätigkeit einer Handrührmaschine. Pedro nickt grinsend, er hat verstanden und wiederholt langsam "Eier mixen". Adnene lacht lauthals über die originelle Übersetzung.

In der Zwischenzeit hobelt Thi Thach, die Vietnamesin, gemeinsam mit Anna und der zweiten deutschen Claudia im Team Karotten, schnippelt Morcheln in kleine Stücke und fügt Glasnudeln und Yam-Suppe dazu. Das ergibt - zum größten Teil vermischt mit Schweinehack und Zwiebeln - den Inhalt für Frühlingsrollen vietnamesischer Art mit Reisplatten als Hülle. Nur für Adnene, der kein Schweinefleisch isst, wird vorher ein Teil der Gemüsefüllung beiseitegelegt.

Die Küche, in der diesen Monat gekocht wird, befindet sich in der IKK-Niederlassung in der Gartenstraße. Groß ist sie nicht, jedenfalls nicht für so viele Leute. Dennoch herrscht den ganzen Abend über fröhliches Geplauder, gegenseitige Hilfe, eine ungezwungene Atmosphäre. Bis auf Pedro sprechen alle gut oder zumindest ziemlich gut Deutsch. Sie sind wie Thi Thach seit 20 Jahren in Deutschland oder wie Pedro erst einen Monat oder eben irgendwo dazwischen. Für Pedro, den brasilianischen Studenten, ist das gemeinsame Kochen "die" Gelegenheit, Deutsch zu lernen. Thi Thach ist schon fast seit Anfang an dabei. "Für mich ist das eine der wenigen Gelegenheiten rauszukommen. Mir macht das Spaß - und man lernt problemlos viele Leute kennen", erklärt die hübsche Vietnamesin.

Sie alle sind entweder irgendwann von Birgit Dibowski vom DRK angesprochen worden, die im Juli vor zwei Jahren die Idee hatte, mit Kochen Leute aus den unterschiedlichsten Nationen zusammenzubringen. Oder sie haben es von Freunden erfahren, die mit Begeisterung von diesem allmonatlichen Event erzählten. Birgit Dibowski schmunzelt, wenn sie an die Anfänge denkt: "Ich dachte, das gibt fünf oder sechs Treffen. Aber dann entwickelte sich das Ganze zum Selbstläufer, wir sind manchmal über 20 Teilnehmer, ganz selten weniger als zehn", erzählt sie.

Dibowski berichtet auch, "dass unsere Jungs aus Kamerun" - also die jungen Flüchtlinge, die im DRK-Zentrum am Eichert in einer Wohnung leben - ebenfalls meistens mitkommen und im bunten Miteinander einfach dazugehören. Auch sie haben schon ein Rezept aus ihrer Heimat zubereitet.

Normalerweise erklärt sich jeden Monat jemand aus einem anderen Land bereit, die Koch-Verantwortung zu übernehmen und mit der Unterstützung von allen anderen etwas Landestypisches zu kochen. Der- oder diejenige kauft dann im Vorfeld mit Birgit Dibowski die erforderlichen Lebensmittel ein. "Ich habe für das Projekt Gelder von 'Aktion Mensch' beantragt und genehmigt bekommen", berichtet die Initiatorin.

An diesem Tag will der DRK-Fotograf Uwe Hettrich Fotos vom "Interkulturellen Kochen" für einen Kalender schießen, deshalb gibt es ausnahmsweise Kulinarisches aus vier Ländern. Die knusprigen Frühlingsrollen aus Vietnam, einen deftigen Eintopf mit roten Wachtelbohnen und zartem Rindfleisch aus Namibia von Lee, die leckeren Thunfisch-Empenadas von Dina aus Peru und ihrer spanischen Tochter Ainhoa und deutscher Apfelkuchen mit Roter Grütze und Vanillesoße. Ach ja: und schwäbische Käs-Fiaß, die an diesem Abend zu tunesisch-ecuadorianischen Käse-Füßen mutieren. Aber prima schmecken. Wie überhaupt alles. Das Kochen mündet in gemeinsames interkulinarisches Schwelgen. Und es sind Freunde, nicht Leute aus irgendwelchen Nationen, die sich am Ende gut gelaunt voneinander verabschieden. Bis zum nächsten Monat . . .