Premiere Buchpremiere „Sonst knallt’s“ in Göppingen

Göppingen / SUSANN SCHÖNFELDER 26.04.2017
Es muss sich etwas ändern, und zwar schnell, fordern Götz Werner, Marc Friedrich und Matthias Weik in ihrem Buch „Sonst knallt’s“. Der Bestseller feierte mit 500 Besuchern Premiere in Göppingen.

Ob am Dienstagabend in der Göppinger Stadthalle wirklich eine Revolution losgetreten wurde, bleibt abzuwarten. Applaus brandete jedenfalls auf, als Marc Friedrich und Matthias Weik das Publikum aufforderten, diesen 25. April 2017 als Startschuss für „einen Wandel von unten“ zu nutzen. „Hier und heute kann die Revolution beginnen“, riefen die Autoren den knapp 500 Zuschauern zu und forderten sie auf, den Druck an Politiker, Multiplikatoren und die Presse weiterzugeben, damit sich etwas bewegt.

Denn die beiden 41-jährigen Ökonomen sind überzeugt: „Hier läuft etwas gewaltig schief.“ Der Wohlstand komme bei den meisten Menschen nicht an, eine Krise jage die nächste, der Euro und die EU wankten bedenklich. Ihre Schlussfolgerung: „Es muss etwas passieren“, und zwar schnell – „Sonst knallt’s“. So lautet auch der Titel ihres neuesten Buches, das sie zusammen mit dem prominenten Unternehmer Götz Werner geschrieben haben.

Reger Austausch mit Besuchern

Das 150-seitige Werk ist seit Montag auf dem Markt, in der Göppinger Stadthalle stellte das Trio ihr „Wachrüttel-Buch“ vor der Bundestagswahl erstmals der Öffentlichkeit vor. Das Publikum erlebte einen informativen Abend, an dem Weik und Friedrich mit einer anschaulichen Präsentation in das Buch einführten und sich anschließend – zusammen mit Götz Werner – in einem lockeren Talk den Fragen der NWZ-Moderatoren Helge Thiele und Joa Schmid stellten.

Die eine oder andere Antwort blieb Werner jedoch sowohl den Moderatoren als auch dem Publikum schuldig. Dennoch brannte offenbar auch den Besuchern die Zukunft der Republik, die Themen Alters- und Kinderarmut, eine mögliche Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens oder eine Steuerreform auf den Nägeln, denn zwischen ihnen und den Autoren entspann sich am Ende der Veranstaltung eine rege Diskussion.  „Sonst knallt’s – Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“ trifft offenbar den Nerv der Zeit. Erst wenige Stunden auf dem Markt, landet das Buch aus dem Stand auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Dass die Autoren ihren neuesten Coup einmal mehr in der Hohenstaufenstadt vorstellten, liegt an ihrer Verbundenheit zur Region: Ihr Vermögensberatungsbüro hatten Weik und Friedrich ursprünglich in Göppingen, dann in Stuttgart und jetzt in Lorch. Sie wollten also ihr neuestes Buch, auch wenn Götz Werner dieses Mal mit im Boot war, wieder in der Heimat vorstellen.

Weik und Friedrich versprühten gute Laune, obwohl sie einmal mehr ein düsteres Bild von der Zukunft malten. Anschaulich zeigten sie, welche „absurde Summen“, nämlich 1,74 Billionen Euro, die EZB in Staaten und Märkte pumpt. „Das sind 68 Millionen VW Golf“, sagte Friedrich. „Es hat sich nichts zum Guten verändert. Europa ist auf dem Holzweg, der Euro zerstört Europa“, fasste er zusammen (dem Euro gibt er maximal noch fünf Jahre). „Es gibt viele tickende Zeitbomben. Wir haben das Gefühl, dass wir mit Vollkaracho in den Abgrund fahren.“

Den Südländern Europas gehe es nach wie vor schlecht, Schulden würden durch Schulden beglichen, die Nullzinspolitik und der Niedriglohnsektor würden viele Deutsche auf Kurz oder Lang in die Armut treiben. „Daher ist es an der Zeit, die Leute fair zu bezahlen“, forderte Weik. Und da die Digitalisierung nach Berechnungen der Vereinten Nationen und der Weltbank bis zu 75 Prozent der Arbeitsplätze kosten werde, komme man an der Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens nicht vorbei. Marc Friedrich räumte jedoch ein: „Wir waren lange Skeptiker, haben uns aber von Herrn Werner überzeugen lassen.“

„Man braucht Geduld“

Der Gründer der Drogeriemarktkette dm wollte zunächst einmal mehr Licht im Saal der Stadthalle: „Um seine Kunden bedienen zu können, muss man sie sehen.“ Götz Werner kämpft schon seit geraumer Zeit für ein bedingungsloses Grundeinkommen, bisher gab es jedoch nur Testläufe. Warum fehlt bisher der Durchbruch, wollte Moderator Helge Thiele wissen. „Wenn es um gesellschaftliche Veränderung geht, braucht man Geduld“, antwortete der 73-Jährige. Er sehe, dass die Gesellschaft für diesen Wandel bereit sei, das zeige das Beispiel Schweiz, wo 22 Prozent der Bürger bei einem Volksentscheid für das bedingungslose Grundeinkommen gestimmt hätten. Sein Credo laute: „Sei beharrlich im Bemühen und bescheiden in der Erfolgserwartung.“ Den Zuschauern rief er zu: „Machen Sie sich keine Sorgen, Sie erleben es noch.“

Und wer soll das bezahlen, hakte Joa Schmid nach. „Dass wir so leben, wie wir leben, ist schon bezahlt“, antwortete Werner. „Wenn jeder vernünftig teilt, dann käme jeder zu seinem Recht“, erklärte er. Mit dem Steuerfreibetrag und dem Kindergeld sei man in Summe gar nicht so weit weg von den angestrebten 1000 Euro, fügten Weik und Friedrich hinzu. „Also gibt es neben dem Crash noch andere Lösungen, zum Beispiel das bedingungslose Grundeinkommen“, erinnerte der Moderator Weik und Friedrich an ihr zweites Buch „Der Crash ist die Lösung“. „Die Menschheit lernt durch Scheitern und Katastrophen“, meinte Marc Friedrich. „Ich denke aber nach wie vor, dass der Crash die Lösung ist.“ Auch Einsicht führe zu einem Wandel, ergänzte Götz Werner. Doch selbst wenn die Katastrophe eintrete: „Bange machen gilt nicht. Nach dem Crash geht es weiter, denn als Mensch können Sie auf der Welt nicht kündigen.“

Galgenhumor in Krisenzeiten

Trotz dieser düsteren Prognosen für die Zukunft wollen sich die drei Autoren die Laune nicht verderben lassen. „Das nennt man Galgenhumor“, warf der 73-jährige Werner schmunzelnd ein. Ob es den Euro bei der nächsten Buchpräsentation noch gibt, bleibt abzuwarten. Ob bis dahin jeder Deutsche ein bedingungsloses Grundeinkommen hat und nur noch eine Konsumsteuer zahlt, auch. Und ob der 25. April 2017 in die Geschichte eingeht, weil hier in Göppingen eine Revolution ihren Ursprung hatte?

Die Anfänge: Über Nacht zum Riesenerfolg

Vier Bestseller Das erste Buch von Marc Friedrich und Matthias Weik „Der größte Raubzug der Geschichte“ erschien im Jahr 2012 mit einer Auflage von 500 Exemplaren. Mit diesem Wirtschaftskrimi stürmten die bis dato unbekannten Autoren aus dem Remstal über Nacht die Bestseller-Listen. Auch ihr zweites Sachbuch „Der Crash ist die Lösung“, das 2014 in den Handel kam, wurde ein Riesenerfolg. Mittlerweile haben die beiden 41-jährigen Finanzstrategen und Querdenker rund 350 000 Bücher verkauft, unter anderem gibt es auch eine chinesische Übersetzung. Mit ihrem dritten Streich „Kapitalfehler“ wollten die beiden Ökonomen eine tiefere Analyse mit Lösungsansätzen liefern. Ihr viertes, aktuelles Buch „Sonst knallt’s“ haben Friedrich und Weik zusammen mit Götz Werner, dem Gründer der Drogeriemarktkette dm, geschrieben.

Dritte Premiere Die Buchpräsentation in Göppingen war bereits die dritte Weltpremiere, die Matthias Weik und Marc Friedrich zusammen mit der NWZ feierten. Auch der „Crash“ und „Kapitalfehler“ wurden exklusiv im Landkreis – in Göppingen und Eislingen – vorgestellt.

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