Göppingen "Haus Lauchheimer" in der Findungsphase

Göppingen / MAIKE DANIELS 11.10.2014
Der Verein "Haus Lauchheimer" kämpfte lange für den Erhalt des Hauses der jüdischen Familie, das nun in Privatbesitz ist. Wie geht es jetzt weiter?

Christine Lipp-Wahl, ehemalige Vorsitzende des Vereins "Haus Lauchheimer", fasst die jetzige Situation zusammen: "Brigitte Turnacker ist nicht mehr Vorsitzende des Vereins. Ich habe zwar im November vergangenen Jahres das Amt abgegeben, bin aber immer noch treibende Kraft." Der Erhalt und die Sanierung des Hauses sei das oberste Ziel gewesen. Deshalb sei sie vom Vorsitz des Vereins "Haus Lauchheimer" zurückgetreten, als das Haus, in dem die von den Nazis deportierte letzte jüdische Familie von Jebenhausen gewohnt hatte, verkauft wurde.

Sie seien alle sehr froh und erleichtert gewesen über die Entscheidung Martin Benders, das Haus sanieren zu wollen, sagte Lipp-Wahl. Im Moment gebe es keine Pläne für ein "lebendiges Judentum", da die Räumlichkeiten nicht vorhanden seien. Die Überlegung mit Martin Bender zu kooperieren und Zimmer im Haus Lauchheimer nutzen zu können, sei vom Tisch, sagt Lipp-Wahl.

"Die Gespräche über die Raumfrage fanden vor einer ganzen Weile statt. Aber es ist auch einfach kein Platz mehr im Haus", erläutert Bender, der im Obergeschoss des Hauses wohnt. Im Erdgeschoss des geschichtsträchtigen Gebäudes ist seine Firma untergebracht. Martin Bender erwarb das Haus vor einem Jahr. Acht Monate sanierte der Zimmerermeister und Bautechniker mit seiner Renovierungsfirma eigenhändig das Lauchheimer Haus.

Die Fassade und der Grundriss blieben bestehen, ansonsten "ist nichts so geblieben, wie es mal war", gibt der neue Hausbesitzer einen Einblick in das alte, neue Gebäude. Martin Bender weiß um die geschichtlichen Hintergründe des Lauchheimer Hauses und hat sich gemäß seines Firmenmottos "Werte schaffen und erhalten" aus dem Haus der jüdischen Familie eine neue Bleibe geschaffen. "Ich habe aber absolut nichts dagegen, wenn man am Haus ein Schild anbringen würde, das auf die Geschichte verweist", sagt der Zimmerermeister.

Der Verein selbst befindet sich derzeit in einer Findungsphase. "Es gibt vage Überlegungen für einen Erinnerungsweg, aber dazu möchte ich mich im Moment nicht näher äußern", erklärt Christine Lipp-Wahl. Noch dieses Jahr soll in einer Sitzung über die neue Ausrichtung des Vereins diskutiert werden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel