Kreis Göppingen "Gute Orientierung für Schüler"

CONSTANTIN FETZER 31.10.2012
Im Landkreis gibt es zahlreiche Maßnahmen zur Fachkräftesicherung. Eine davon ist das Herbstcamp, das in diesen Tagen Schülern Schnuppertage in Unternehmen und Einrichtungen anbietet.

"Niemand weiß wirklich, was kommen wird", sagt Frank Weigele, Geschäftsführer von EWS Tools aus Uhingen. Eines sei jedoch sicher: "Der demografische Wandel geht an niemandem spurlos vorbei - auch nicht an uns", berichtet er. Selbst wenn es derzeit noch keinen Mangel an Bewerbern gebe, werde es in wenigen Jahren zunehmen. "Darum ist es wichtig, den jungen Leuten ein Angebot zu geben, bei dem sie sich orientieren können." Das Herbstcamp, in dem Jugendliche in den Ferien zurzeit einen oder auch mehrere Tage in verschiedene Betriebe, Einrichtungen oder Behörden schnuppern können, sei hier ein sehr gutes Mittel, denn die Schüler kennen die Arbeitswelt ja nicht.

Für Johanna Isabel Hille, bei den Burger-King-Filialen im Landkreis zuständig für das Herbstcamp, bieten die Kurzpraktika den jungen Leuten einen wichtigen Einblick in das künftige Berufsleben: "Man kann seine Interessen ausprobieren und schauen, ob der Job Spaß macht", sagt Hille. Burger-King-Betreiber Matthias Dobler, der auch bei seinem Immobilienunternehmen Remax und an seinen Shell-Tankstellen Herbstcamp-Schüler hat, legt Wert auf die Nachwuchsgewinnung, berichtet Hille weiter.

Egal ob Systemgastronomie bei der Fastfood-Kette, Zerspanungsmechaniker und andere Berufe bei EWS-Tools in Uhingen oder in ganz anderen Branchen: Die Nachfrage bei den Jugendlichen sei groß, berichtet auch Christine Kumpf, Wirtschaftsförderin der Stadt Göppingen. Bei ihr laufen die Fäden für das Herbstcamp zusammen. Weit mehr Bewerber als Stellen habe es gegeben. Auf der anderen Seite seien auch die Unternehmen sehr interessiert, junge Leute für die Berufswelt zu sensibilisieren und einen Einblick zu geben.

"Nicht ganz so gefragt waren leider soziale Berufe, dagegen gibt es bei Medienberufe lange Wartelisten", berichtet Kumpf. Ausgebucht sind aber alle Angebote. Weil ein Anbieter kurzfristig absagen musste, ist Jugendhilfeplanerin Ulrike Haas von der Stadt Göppingen eingesprungen: "Wir wollen den Schülerinnen hier vermitteln, wie umfangreich die Aufgaben bei uns sind - und wir nutzen auch die Gelegenheit, Eindrücke der Jugendlichen in unsere Arbeit einfließen zu lassen."

Volker Seitz, Teamleiter U25 der Berufsberatung der Agentur für Arbeit, weiß, wie wichtig das Herbstcamp sowohl für die Berufsorientierung der Jugendlichen ist - aber auch für die Unternehmen. "Jeder Jugendliche, der sich hier umschauen kann und merkt, dass es doch nicht sein Traumjob ist, ist auch ein Erfolg," berichtet Seitz - das beuge einem späteren Abbruch der Ausbildung vor. Dennoch sagt auch er: "Die Schnupperangebote beim Herbstcamp sind nur eine Basis." Wer sich intensiv damit beschäftigt, in einen Beruf zu gehen, der sollte durchaus ein längeres Praktikum machen - zum Beispiel in den Ferien.

Ein ähnliches Modell gibt es bei der Kaiser-Brauerei in Geislingen. Dort sind ebenfalls Herbstcamp-Leute, die sich den Beruf des Brauers näher anschauen. Zudem gibt es einen Schülerpraktikanten mit großem Interesse, der jede Woche einmal an einem Nachmittag kommt, um mitzuarbeiten. "Es ist gut, dass es so etwas heute gibt", sagt Braumeister Ulrich Rink. Früher habe es solche Orientierungsangebote nicht gegeben. Wie effektiv diese Kurzpraktika beim Herbstcamp sind, kann Mark Schifferer, Personalreferent der Gebauer-Märkte, nicht sagen: "Die Praktikanten sind noch sehr jung - darum können wir erst in einigen Jahren sagen, ob die Bemühungen gefruchtet haben." Es sei wie bei einem Baum, der "auch etwas braucht, bis er reife Früchte trägt". Dennoch halte auch er das Herbstcamp als Orientierungshilfe für ein wichtiges Mittel im Bereich der Fachkräftesicherung.