"Gute Erfahrungen mit Leiharbeit"

"Beide Seiten haben durch die Zeitarbeit unbürokratisch die Möglichkeit, sich kennenzulernen": Dr. Utz-Volker Jackisch, Geschäftsführer der Firma Epucret in Wangen. Foto: Constantin Fetzer
"Beide Seiten haben durch die Zeitarbeit unbürokratisch die Möglichkeit, sich kennenzulernen": Dr. Utz-Volker Jackisch, Geschäftsführer der Firma Epucret in Wangen. Foto: Constantin Fetzer
MARGIT HAAS 04.04.2012
Wenn über Leiharbeit diskutiert wird, steht sie fast immer in der Kritik. Gute Erfahrungen hat dagegen das Wangener Unternehmen Epucret gemacht, wie Geschäftsführer Dr. Utz-Volker Jackisch betont.

Herr Dr. Jackisch, in den vergangenen Jahren haben Sie verstärkt Leiharbeiter in Ihrem Unternehmen beschäftigt. Warum sind Sie diesen Weg gegangen?

UTZ-VOLKER JACKISCH: Das hat mehrere Ursachen. Zum einen können wir ohne Formalismus prüfen, ob ein neuer Mitarbeiter in unser Unternehmen passt. Zum anderen wird es immer schwieriger, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Die Leiharbeitsfirmen, mit denen wir zusammenarbeiten, wissen genau, welche Anforderungen wir stellen und erleichtern uns so die Suche nach dem neuen Personal.

Für Sie ist die Leiharbeit also kein Instrument, um Spitzen abzudecken?

JACKISCH: Wir sehen die Hauptaufgabe der Leiharbeit darin, unser Wachstum von der Personalgewinnung her zu begleiten und damit Menschen vom zweiten in den ersten Arbeitsmarkt zurückzuführen. In den vergangenen Jahren haben wir sehr viele Leiharbeiter in ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis übernommen - auch Langzeitarbeitslose.

Dass Sie als Arbeitgeber die Beschäftigung von Leiharbeitern positiv betrachten, ist nachvollziehbar. Welche Vorteile haben Ihre Mitarbeiter?

JACKISCH: Lassen Sie mich ein paar Zahlen nennen. Als ich vor 15 Jahren ins Unternehmen kam, hatte Epucret sieben Mitarbeiter. Heute sind wir 121 - 75 davon haben als Leiharbeiter bei uns begonnen. Das sind 62 Prozent der Stammbelegschaft. Sie zeigen uns tagtäglich, dass die Leiharbeit für sie mit guten Erfahrungen verbunden ist. Das gilt auch für die 21 Mitarbeiter, die zum Jahreswechsel einen Arbeitsvertrag mit uns abgeschlossen haben.

Es bekommt doch aber nicht jeder Leiharbeiter einen Arbeitsvertrag?

JACKISCH: Einige verlassen uns bereits nach wenigen Tagen wieder, weil es ihnen bei uns nicht gefällt. Von anderen trennen wir uns. Beide Seiten haben also durch die Zeitarbeit unbürokratisch die Möglichkeit, sich kennenzulernen.

Zeitarbeiter beklagen oft eine mangelnde soziale Einbindung in das Unternehmen ...

JACKISCH: Bei uns sind sie komplett einbezogen. Sie nehmen an Beschäftigtenversammlungen ebenso teil wie an Weihnachtsfeiern, Betriebsausflügen oder Firmenfesten.

Im Krisenjahr 2008 haben Sie aber innerhalb von zwei Monaten 40 Leiharbeiter entlassen ...

JACKISCH: Aufgrund der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise reduzierten sich im Herbst 2008 innerhalb von zwei Monaten die Bestellungen unserer Kunden auf unter 40 Prozent. Hätten wir uns nicht von den Leiharbeitern getrennt, wären betriebsbedingte Kündigungen oder eine Kurzarbeiterquote von 70 bis 80 Prozent die Folge gewesen. Nach gut einem Jahr hatten wir wieder volle Auftragsbücher - und fast alle bereits bekannten Leiharbeiter wieder eingestellt.

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