Kreis Göppingen "Es gibt auch sehr schöne Momente"

Demenzkranke brauchen Unterstützung: Helfer der Diakoniestation betreuen Betroffene regelmäßig zu Hause und beschäftigen sich mit ihnen. Foto: Archiv
Demenzkranke brauchen Unterstützung: Helfer der Diakoniestation betreuen Betroffene regelmäßig zu Hause und beschäftigen sich mit ihnen. Foto: Archiv
Kreis Göppingen / SWP 12.01.2012
Die Kirchen stehen auch für soziale Belange ein. Eine Serie beleuchtet einige Einrichtungen, die sich dieser Aufgabe widmen. Heute: Betreuungsangebote für demenzkranke Menschen der Diakoniestation.

Die Diakoniestation Göppingen hat sich die Betreuung demenzkranker Menschen zur besonderen Aufgabe gemacht. Eine sozialpädagogische Fachkraft begleitet ehrenamtliche Mitarbeiter, die durch die Betreuungsgruppe "Diakonie-Treff" und den häuslichen Betreuungsdienst (HBD) pflegende Angehörige entlasten. Die erkrankten Menschen erfahren gleichzeitig eine Abwechslung vom Alltag.Die Helferin Kristina Eisele hat einen Erfahrungsbericht geschrieben: "Zwei Jahre lang kam Herr Müller (Name geändert) regelmäßig zu unserem Diakonietreff. Jeden Mittwochvormittag betreuen wir Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Herr Müller war in der Runde trotz der weiblichen Übermacht der anderen Gäste und uns Mitarbeiterinnen gut integriert. Dann erkrankte Herr Müller. Als er schließlich wieder in die Gruppe kommen konnte, hatte er sich verändert. Er litt jetzt unter stark wechselnden Stimmungen, war desorientiert, die Situation in der Gruppe machte ihn unsicher. Auf Ansprache reagierte er sehr ungehalten. Für die anderen Gäste war sein Verhalten sehr irritierend."

Jetzt war der ehrenamtliche Häusliche Betreuungsdienst (HBD) der Diakoniestation gefragt. Er betreut stundenweise Demenzkranke zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld. Ganz individuell und zeitlich flexibel kümmern sich die Mitarbeiter die Kranken, wenn die pflegenden Angehörigen es wünschen. Kristina Eisele schreibt: "Wir plaudern, spielen, lesen vor, hören zusammen Musik, gehen spazieren oder leisten einfach nur ganz still Gesellschaft. Die Angehörigen können sich darauf verlassen, dass die Kranken in guten Händen sind. Wir sind im Umgang mit Demenzkranken geschult worden und haben sehr viel über die unterschiedlichen Krankheitsverläufe erfahren."

Da sie Herrn Müller aus der Mittwochsgruppe kennt, besucht sie ihn jeden Dienstagnachmittag. "Wie immer, wenn ich zum ersten Mal einen Hausbesuch mache, bin ich leicht angespannt. Aber das lasse ich mir natürlich nicht anmerken. Der Besuch am Dienstagnachmittag wird ab jetzt zum Ritual." Es wird geplaudert und Geschichten erzählt. "Von der Tochter habe ich erfahren, dass Herr Müller früher ein begeisterter Kartenspieler war. Mit seinen alten bekannten Karten erfinden wir gemeinsam neue Spiele. Er ist dabei sehr kreativ und denkt sich Regeln aus, die ich natürlich sofort übernehme. Aber es gibt auch Tage, an denen er sich nicht wohl fühlt. Ich weiß inzwischen, dass er dann auf Versuche, ihn ein wenig zu aktivieren, sehr unwirsch reagiert. Dann bin ich eben nur da, und bereit, wenn er Hilfe benötigt."

Es bedrücke sie immer wieder von neuem zu erfahren, wie Krankheit unerbittlich fortschreitet, berichtet die Helferin. Doch es gebe auch sehr schöne Momente. Etwa wenn man erlebt, dass versunkene Erinnerungen wieder im Bewusstsein auftauchen. "Und mir wird bewusst, dass auch für jemanden, der schwer an Demenz erkrankt ist, es wunderschöne Augenblicke gibt und dass das Leben für jeden einzelnen kostbar ist."