Herr Weik, Herr Friedrich, wenn man Ihr neues Buch "Kapitalfehler" liest, kann einem ja angst und bange werden. Lohnt es sich überhaupt noch, morgens aufzustehen?

MARC FRIEDRICH: (lacht) Ja, natürlich. Und damit das so bleibt, muss man den kapitalen Fehlern und der Wahrheit ins Auge blicken. Auch wenn es weh tut. Wir verabscheuen Ungerechtigkeit und wir legen nach wie vor den Finger in die Wunde. Wir möchten nicht irgendwann zurückblicken und sagen: Hätte ich nur etwas getan. Wir glauben fest daran, dass wir etwas ändern können.

MATTHIAS WEIK: Die Macht des Volkes ist nicht zu unterschätzen. Wenn viele Menschen beispielsweise bestimmte Produkte oder Firmen boykottieren, wird das den Unternehmen richtig wehtun. Die Macht unseres mächtigsten Wahlscheines - unseres Geldscheins - ist nicht zu unterschätzen. Wir können jeden Tag frei entscheiden, wem wir unser Geld geben und wem nicht.

Wer steht zum Beispiel bei Ihnen auf der Roten Liste?

WEIK: Wir können frei entscheiden, ob wir bei Konzernen wie beispielsweise Ikea oder Amazon einkaufen, welche weltweit völlig legal Steuern in homöopathischen Dosen zahlen, während der kleine Mann in Form von Steuern und Abgaben geschröpft wird. Viele Konzerne und Superreiche bunkern ihr Geld in Steueroasen, anstatt das Geld nachhaltig produktiv zu investieren. Es ist an der Zeit, die Steueroasen trocken zu legen.

Ich fürchte nur, dass viele dieser Unternehmer keine Gutmenschen sind und auf Wachstum und Profit zugunsten der Menschheit verzichten.

FRIEDRICH: Deshalb muss man die Finanzmärkte endlich kontrollieren und die Zockerindustrie an die Leine nehmen sowie endlich etwas gegen die finanzielle Ungerechtigkeit unternehmen.

WEIK: Wenn man bedenkt, dass 62 Leute genauso viel Geld besitzen wie 3,5 Milliarden Menschen, sieht man, dass da irgendetwas schief läuft. Die Schere zwischen Arm und Reich klaffte noch nie so weit auseinander. 0,1 Prozent der Weltbevölkerung besitzen über 80 Prozent des weltweiten Finanzvermögens. Rund neun Millionen Menschen mit Hilfe von Heerscharen von Beratern entscheiden, wofür das global verfügbare Kapital investiert wird und wofür nicht. Das hat nichts mit freien Märkten und mit Wettbewerb zu tun.

Das Thema Armut wird auch im reichen Deutschland immer aktueller - vor allem im Alter. Experten und Politiker diskutieren die Rente mit 70, um das System zu stabilisieren...

FRIEDRICH: Wir werden immer länger arbeiten müssen und immer weniger Gegenleistung dafür bekommen. Altersarmut wird ein immer größeres Problem werden. Riester ist faktisch gescheitert, und das Rentensystem wird in Anbetracht dessen, dass die Menschen immer älter werden und immer weniger Junge nachkommen, langfristig nicht funktionieren.

WEIK: Abgesehen davon gibt es heute in Deutschland im Vergleich zu 1992 knapp 18 Prozent weniger sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Vollzeit, aber dafür 139 Prozent mehr sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Teilzeit, von denen die meisten nicht für das Alter vorsorgen können. Dies wird sich zukünftig bitter rächen. Über uns wird eine Welle der Altersarmut hereinbrechen, die sich gewaschen hat.

Private Vorsorge ist bei diesen Zinsen ja kaum möglich. Die Sparkassen schließen sogar Strafzinsen für Normalsparer nicht mehr aus.

FRIEDRICH: Wie soll ich bei Null-Zinsen adäquat vorsorgen? Heute geht es nur noch um Vermögenssicherung, nicht mehr um Vermehrung. Momentan treffen Negativzinsen nur Großkunden, aber eher früher als später wird es uns alle treffen. Die Enteignung der Sparer und Bürger geht weiter. Vor genau dieser Entwicklung haben wir bereits in unserem letzten Buch gewarnt.

WEIK: Gleichzeitig wird das Geschrei nach der Abschaffung von Bargeld immer lauter. Unisono erklären Wirtschaftsweise, Politiker, Notenbanker plötzlich, dass Kriminalität und Terrorismus durch eine Abschaffung des Bargeldes bekämpft werden könnten. Doch in Wirklichkeit geht es darum, uns die Freiheit zu nehmen und uns gnadenlos in die Abhängigkeit von Banken zu treiben. Damit wir Bürger uns dieser Enteignung nicht entziehen können, soll Bargeld in Form von Bargeldzahlungs- und Bargeldabhebungsgrenzen immer weiter eingeschränkt werden. Wir gehen davon aus, dass der Bargeldverkehr in Zukunft massiv beschränkt wird. Auch den 500-Euro-Scheinen soll es ans Leder gehen.

FRIEDRICH: All dies geschieht natürlich nur zu unserer eigenen Sicherheit. Warum die Kriminellen dann aber nicht auf kleinere Euro-Noten ausweichen? Bargeld ist Freiheit. Es geht um Kontrolle, Überwachung und Enteignung. Denn mit der Abschaffung von und der Kontrolle über Bargeld kann man problemlos drastische Negativzinsen einführen, ohne dass sich die Bürger diesen entziehen können.

Wo soll ich denn dann mein Geld am besten anlegen?

FRIEDRICH: Es muss ein Umdenken stattfinden. Man sollte in Sachwerte wie Edelmetalle, Land oder Wald investieren. Die Immobilienpreise sind in vielen Regionen exorbitant hoch - auch in Göppingen.

Also sollte man derzeit lieber die Finger lassen von Immobilien?

WEIK: Ein schuldenfreies Dach über dem Kopf ist nicht verkehrt. Wir sind Anti-Zykliker. Wenn alle kaufen, dann sollte man Immobilien als Investment verkaufen.

FRIEDRICH: Viele kaufen derzeit eine Immobilie auf Pump - teilweise sogar mit einer 100-Prozent-Finanzierung. Wir haben aber bereits in vielen Regionen eine Immobilienblase. Kommt eine Rezession, und dies ist nur eine Frage der Zeit, weil die Weltwirtschaft schwächelt, dann werden die Preise wieder purzeln.

Aber man kann derzeit auch nicht darauf hoffen, dass die Zinsen in absehbarer Zeit steigen . . .

WEIK: Nein! Würden die Zinsen steigen, wäre zuerst Griechenland und dann Portugal pleite. Danach würden Spanien, Italien und Frankreich die Bücher auf den Tisch legen.

FRIEDRICH: Den südlichen Ländern geht es schlecht, aber durch die geringen Zinsen können sie weiterhin sensationell günstig Kredite aufnehmen. Trotz täglich sinkender Bonität werden sie mit historisch niedrigen Zinsen belohnt.

Das hört sich alles sehr düster an.

FRIEDRICH: Nein, realistisch. Mit unserem ersten Buch vor vier Jahren haben wir für Kopfschütteln gesorgt. Damals klangen Null-Zinsen abstrus, heute ist es bittere Realität. Und es wird noch viel schlimmer werden. Das ist wie mit dem Frosch im Wasser: Erst wird es schön warm. Und wenn es zu heiß ist, kommt er nicht mehr raus.

Haben Sie Lösungen, wie man das Ruder herumreißen kann?

FRIEDRICH: Griechenland ist nach wie vor pleite und sollte sofort die Eurozone verlassen. Der Euro insgesamt ist gescheitert und wird künstlich am Leben gehalten. Es müssen wieder souveräne Währungen eingeführt werden. Zudem muss es einen Schuldenschnitt geben, denn die Schulden kann keiner mehr bezahlen. Selbst Herr Schäuble schafft in Zeiten von einer top Beschäftigung und einem top Export gerade mal eine schwarze Null und zahlt keinen einzigen Cent Schulden zurück. Es ist völlig realitätsfern zu erwarten, dass Länder mit maroden Volkswirtschaften jemals ihre Schulden bezahlen können. Schlussendlich müssen wir ein Geldsystem implementieren, welches allen Menschen dient und nicht nur einer kleinen Elite.

Aber kann man denn absehen, was passiert, wenn das ganze System zurückgefahren wird?

FRIEDRICH: Die Folgen sind natürlich auch hier nicht angenehm, aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

WEIK: Wenn wir so weitermachen, treiben wir die volkswirtschaftliche Schadensmaximierung immer weiter voran. Es ist zielführend, das System kontrolliert und strukturiert herunter zu fahren, anstatt es durch einen Crash explodieren zu lassen.

Wie sieht die Zukunft aus, wenn alles so weiterläuft?

WEIK: Die momentane Situation liefert einen optimalen Nährboden für politische Strömungen jeglicher Couleur. Die Menschen haben kein Vertrauen mehr in die etablierten Parteien. Es brennt ja an allen Ecken.

FRIEDRICH: In der EU wird gegeneinander anstatt miteinander gearbeitet und Probleme werden nicht gemeinsam gelöst. Eine Krise wird durch die nächste abgelöst. Man versucht, sie verzweifelt mit Geld zu lösen, anstatt die Wurzel des Übels anzugehen.

Die Wahlergebnisse sprechen ja Bände. Angefangen von der Landtagswahl in Baden-Württemberg, bei der die AfD 15 Prozent holte.

WEIK: Wenn bei den etablierten Parteien kein Umdenken stattfindet, dann war die Landtagswahl erst der Anfang einer gravierenden Veränderung der politischen Landschaft. Wenn man sich jedoch verinnerlicht, dass die Eliten der großen Koalition so etwas wie TTIP knallhart durchprügeln wollen, dann können wir uns nur noch an den Kopf fassen. TTIP ist weder christ- noch sozialdemokratisch. Auch in Österreich, Frankreich, Spanien zeigt sich die politische Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien in Form von Wahlergebnissen.

Das sind wieder jede Menge düstere Prophezeiungen. Meinen Sie, dass Ihr neues Buch "Kapitalfehler" wieder ein Bestseller wird?

WEIK: Das wissen wir nicht, wir warten ab und sind demütig und bescheiden.

FRIEDRICH: Die Vorbestellungen laufen erfreulich und das Timing könnte leider nicht besser sein. Schlussendlich wird der Leser entscheiden. Fest steht: Es war nie wichtiger als heute, sich über das eigene Ersparte Gedanken zu machen und sich zu informieren. Unser Buch möchte dazu beitragen.

Zu den Personen

Matthias Weik befasst sich seit über zehn Jahren mit der globalen Wirtschaft und ihren Finanzmärkten. Arbeits- und Studienaufenthalte in Südamerika, Asien und Australien ermöglichten ihm tiefe Einblicke in das Wirtschaftsleben fremder Nationen. Parallel zu seiner Tätigkeit für einen deutschen Konzern hat er einen MBA erworben. Seit mehreren Jahren ist der Querdenker als unabhängiger Honorarberater tätig. Der 40-Jährige lebt im Remstal.

Marc Friedrich studierte Internationale Betriebswirtschaftslehre und beschäftigte sich intensiv mit der Wirtschaft und den Finanzmärkten. Während eines Aufenthalts in Argentinien erlebte er 2001 einen Staatsbankrott und dessen verheerende Folgen selbst mit. In Großbritannien, der Schweiz und den USA sammelte er zahlreiche Arbeitserfahrungen. Gemeinsam mit Matthias Weik hält er Seminare und Fachvorträge bei Unternehmen, Verbänden, an Universitäten und Schulen. Friedrich ist 40 Jahre alt und wohnt ebenfalls im Remstal.

SWP

Premiere in Eislingen

Vorverkauf läuft Exklusiv zum Verkaufsstart präsentieren die Bestseller-Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich ihr neues Sachbuch "Kapitalfehler" am Freitag, 13. Mai, um 19 Uhr in der Eislinger Stadthalle. Einlass ist ab 18 Uhr, es gibt freie Platzwahl. Veranstaltet wird die Buchpräsentation von der NWZ. Tickets gibt es im Verlagshaus der NWZ, Rosenstraße 24 in Göppingen, sowie online unter www.südwestpresse.de/ticketshop

SWP