Soziales „Eine Bereicherung meines Lebens“

Klaus Deuschle mit Sybilla Szeverenyi und ihrem vierjährigen Sohn Elias-Kilian. Der Familienpate trifft die beiden zwei Mal in der Woche.
Klaus Deuschle mit Sybilla Szeverenyi und ihrem vierjährigen Sohn Elias-Kilian. Der Familienpate trifft die beiden zwei Mal in der Woche. © Foto: Ackermann
Sabine Ackermann 11.01.2018

Wenn Familien an ihre Grenzen stoßen, können Familienpatinnen und -paten zur Entlastung beitragen. Der Göppinger Klaus Deuschle ist einer von ihnen. Neben ihm stellt die NWZ in loser Reihe Ehrenamtliche vor, die sich in Arbeitskreisen der Lokalen Agenda engagieren.

Herr Deuschle, wie sind Sie auf das Patenprojekt aufmerksam geworden?

Klaus Deuschle: Über Umwege. Im Geppo wurde ein Bücherpate für den öffentlichen Bücherschrank gesucht, da lernte ich Hilde Huber kennen. Die Sprecherin der Organisationsteams der Göppinger Familienpaten fragte mich, ob ich mir das als Ehrenamt vorstellen könnte, und das Projekt hat mich gleich überzeugt.

Welche Voraussetzungen sollte man als Familienpate mitbringen?

Bestimmte Fähigkeiten sind nicht erforderlich. Doch man sollte sich auf neue Situationen einlassen können und auch Spaß haben, sich mit Kindern oder Jugendlichen zu beschäftigen. Eine soziale Einstellung ist genauso von Vorteil, wie freundlich und verschwiegen, eigentlich ganz normal zu sein (lacht.) Ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und der Nachweis eines Erste-Hilfe-Kurses sind Pflicht.

Wie wurden Sie auf Ihre Aufgabe vorbereitet?

Durch die Teilnahme an der Qualifizierungsmaßnahme „Göppinger Willkommens-Familienpatenschaften“ ist man gut gerüstet. An sechs Nachmittagen hatten wir Themen wie Nähe und Distanz in der Begleitung von Familien, Selbst- und Fremdwahrnehmung, Kommunikation sowie interkulturelles Kompetenztraining. Im Frühjahr 2016 besuchte ich ebenfalls im Haus der Familie dann die Aufbauschulung zum Integrationspaten.

Worum ging es da?

Da lag der Fokus mehr auf der Flüchtlingssituation, wie Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Kulturen, auf dem Trauma der Flucht, asylrechtlichen Grundlagen, Zahlen und Fakten, Unterstützungsmöglichkeiten im Landkreis sowie Rechte und Pflichten der Flüchtlingsfamilien bei Behörden, Kindergärten und Schulen. Darüber hinaus treffen sich die Paten vierteljährlich zum Erfahrungsaustausch, derzeit sind es über 50 Personen, überwiegend Frauen.

Kann man sich seine „Wunschfamilie“ aussuchen?

Die Koordinatorin der Familienpatenschaften, Cornelia Aupperle, stellt die Familien vor. Bei Interesse findet ein Treffen statt, man beschnuppert sich, klärt das weitere Vorgehen ab. Meine erste Familie kam aus Syrien, eine fließend englisch sprechende Mutter mit zwei Kindern, 12 und 14 Jahre alt, beide besuchen das Gymnasium. Derzeit betreue ich meine vierte Familie, Sybilla Szeverenyi und ihren vierjährigen Sohn Elias-Kilian.

Was genau ist Ihre Aufgabe?

Ganz unterschiedlich. Mal kümmert man sich mehr um die Kinder, mal brauchen die Mütter Unterstützung bei Arztbesuchen, Behördengängen, kleinen Reparaturen im Haus oder bei Fahrten zum Möbellager. Betreuen hat nicht unbedingt nur etwas mit Kindern zu tun, auch die Eltern melden Bedürfnisse an.

Wie oft und wo sind Sie im Einsatz?

Das nächste Treffen machen wir meistens gleich beim Verabschieden aus, kann aber auch mal spontan am Telefon sein. Wir sehen uns ein- bis zweimal die Woche für etwa vier bis fünf Stunden. In der Regel kommen Sybilla und Elias-Kilian zu mir, dann kochen oder spielen wir zusammen oder machen Ausflüge in die Eishalle oder Wilhelma, langweilig wird es uns nie. Für den Kleinen bin ich ein Opa-Ersatz, und Sybilla und ich reden auch viel zusammen.

Was nehmen Sie als Familienpate mit?

Mir war schon immer wichtig, verschiedene Kulturen kennen zu lernen und soziale Kontakte zu knüpfen. Für mich ist die Interaktion als Familienpate eine Bereicherung meines Lebens, das mir, da religiös und politisch ungebunden, keinerlei Nachteile bringt. Darüber hinaus ist es mir im Leben relativ gut gegangen, da möchte ich der Gesellschaft etwas zurückgeben.

Seit knapp vier Jahren Familienpate

Klaus Deuschle ist in Göppingen geboren, lebt seit 1993 im Bodenfeld, ist verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. Vor vier Jahren ging der 65-jährige Oberamtsrat a.D. in den Ruhestand, seit Mai 2014 ist er ehrenamtlicher Familienpate. Seine Hobbys sind Volleyball, Briefmarken und Münzen sammeln, Modellbau sowie Haus- und Gartenarbeiten.