SABINE ACKERMANN Bereits seit Wochen ausverkauft, präsentiert Patricia Kelly am Sonntag in der Kirche St. Bernhard in Holzheim bekannte Kelly- sowie eigene Songs.

Frau Kelly, auf was dürfen sich die Besucher freuen?

PATRICIA KELLY: Mich begleiten noch zwei Musiker. Wir spielen eine Mischung aus irischer Folklore, Pop und Jazz-Elementen. Lieder und Balladen aus meinem aktuellen Album „Grace & Kelly“, die ich komponiert und getextet habe und die zu meinem eigenen, weiterentwickelten Stil geworden sind. Zu hören sind auch alte Kelly-Hits, die werden die Leute noch erkennen. (Lacht.)

Weshalb offenbaren Sie in Ihren persönlichen Texten Ihr Seelenleben?

KELLY: Als Künstlerin sehe ich meine Aufgabe darin, den Menschen Hoffnung zu bringen. Man kann sehr viel erreichen mit Positivem und Gutem, mit Liebe und dem Glauben als große Kraftquelle. Ein Song ist für mich ein direkter, verlängerter Arm meiner Seele, und die ist es doch, die den Menschen einen Lebenssinn gibt. Ich kann sehr gut die Brücke schlagen zwischen dramatischen oder schönen Momenten, verarbeite Schicksale, die unser Leben begleiten, in meinen Liedern. Doch ich sehe mich als positiven Menschen, als Optimisten.

Ab welchem Alter sangen Sie bei der Kelly-Family, und wie war das?

KELLY: Bereits mit fünf Jahren packte mich die Sehnsucht, mit meinen Geschwistern auf der Bühne mitsingen zu dürfen. Für meine Eltern kam der Wunsch viel zu früh, ich sollte nur zuschauen. Doch ich ließ mich von meinem großen Traum nicht abbringen. Ging auf den Handel meines Vaters ein und lernte binnen zwei Wochen, alle Lieder zu singen und auf der Gitarre zu begleiten. Vielleicht nicht ganz perfekt, aber mein Vater erkannte meine Mühe. Mein erster Auftritt war für mich so überwältigend, so aufregend und emotionsgeladen, dass ich auf der Heimfahrt einfach nicht mehr aufhören konnte zu singen: Ich hatte meine Bestimmung gefunden.

Seit wann treten Sie als Solistin auf und wie war die Umstellung?

KELLY: Seit 2008 und ja, das war anfangs tatsächlich sehr ungewohnt. Häufig dachte ich, Moment mal, rechts müsste doch der sein und links die, das ist wirklich eine ganz andere Geschichte. (Lacht.) Bei meinem ersten Solokonzert war ich so aufgeregt, konnte gut zwei Wochen vorher kaum etwas essen. Mittlerweile ist alles gut.

Sicher tausendmal gefragt, gibt’s eine Renaissance der Kellys?

KELLY: Es gibt immer wieder Anfragen und Gespräche, viele  wünschen sich das von Herzen. Aber leider kann ich da noch nichts Konkretes sagen. Von meinem Gefühl her sollte in den nächsten Jahren was passieren. Es gab ja auch nie einen Split der Kelly Family, wir sind eigene Wege gegangen. Auch musikalisch. Die meisten von uns zwölf Geschwistern haben in den letzten zehn Jahren Familien gegründet, es kamen 22 Kinder auf die Welt: eine neue Kelly-Generation. Meine Geschwister haben dazu unterschiedliche Einstellungen. Mal so, mal so. Das sind alles gestandene Persönlichkeiten, irische Dickköpfe.

2014 wurden Sie zur Autorin?

KELLY: Ja, in der Autobiographie „Der Klang meines Lebens“ erzähle ich von Höhen und Tiefen, von ergreifenden Momenten. Ich schrieb stundenlang, konnte gar nicht mehr aufhören. Das war wie eine Sucht, meine Erinnerungen ganz bewusst mit Stift auf Papier zu bringen.

Zur Person

Patricia Kelly , 1969 in Spanien geboren, lebt mit ihrem russischen Mann und zwei Kindern in Nordrhein-Westfalen. Bekannt wurde die Singer-Songwriterin mit irisch-amerikanischen Wurzeln als Mitglied der Kelly-Family (1974-1994). Seit 2008 ist die 46-jährige Musikerin als erfolgreiche Solokünstlerin tätig.