Kreis Göppingen "Eier suchen ist bei uns Pflicht"

SABINE ACKERMANN 30.03.2013
Die Geburt Jesu Christi an Weihnachten feiert so gut wie jeder, aber wie sieht es mit Ostern aus? Welche Bedeutung hat Ostern überhaupt noch für Jugendliche? Wie wird Ostern gefeiert und mit wem?

"Ostern feiern wir immer im Kreise der Familie, vor allem mit meiner Oma und meinem kinderlosen Onkel. Dazu gehen wir gemeinsam in die Kirche, essen zusammen und in den restlichen Ferien wird was mit meinen Freunden unternommen", verrät Julian Hölz.

Der 18-Jährige aus Auendorf kennt nicht nur die Bedeutung der Ostergeschichte, so weiß er auch wie "Kirche" in den USA funktioniert. "Ich war als Austauschschüler in Minnesota und dort öfter in der lutherischen Kirche. Der Gottesdienst ist dort viel moderner, zeitgemäßer und es spielt sogar eine Band. Prediger und das ganze Drumherum wirken irgendwie heiterer, insofern ist es dort viel voller als in unseren Kirchen", erzählt der Gymnasiast.

Gleichfalls eine Art Schlüsselrolle spielt die Oma von Elisabeth Ritter. "Wir sind ungefähr zehn Leute und gehen zu meiner Oma, da gibt es immer lecker Essen. Dabei tauschen wir Erfahrungen aus, gedenken meines verstorbenen Großvaters und besuchen anschließend dessen Grab auf dem Donzdorfer Friedhof", erzählt die 16-Jährige aus Manzen. Auch die Katholikin weiß um die Auferstehung Christi, wünscht sich aber, dass vom neuen Papst Franziskus nicht nur der Segen "Urbi et Orbi" kommt, sondern endlich das Zölibat abgeschafft wird. In den Ferien will sich die Schülerin des Kaufmännischen Wirtschaftsgymnasiums auf ihre "GFS-Arbeit" vorbereiten und für die Schule lernen.

Sophie Gehrmann feiert Ostern mit ihrer Familie in Gent in Flandern. Ihre Mutter stammt von dort und deshalb endet auch diese Fahrt bei der Oma. "In Belgien versteckt der Osterhase keine Eier. Wir Kinder stehen auf, gehen nach unten und auf dem Tisch wartet jede Menge dunkle Schokolade auf uns, von der sich jeder bedienen kann", berichtet die 17-Jährige Gymnasiastin aus Faurndau. Schön feierlich sei die Ostermesse, obwohl sie eher nicht so viel in die Kirche gehe. Dagegen recht lustig findet sie den Brauch mit der Bootsparade auf dem Fluss. "Auf denen stehen zahlreiche Menschen als Hasen verkleidet und winken den Zuschauern mit Blumen zu." Das Essen im Heimatland ihrer Mutter sei wie in Deutschland, so wird am Karfreitag gleichfalls auf Fleisch verzichtet.

Mit knusprigem Speck auf dem Teller lässt es sich an diesem Tag dagegen Thu Thanh Huynh gut schmecken. Zudem bedeutet für sie Ostern, einfach nicht aufs Gymnasium zu müssen. Die Buddhistin aus Göppingen genießt ihre Ferien und will sich viel mit Freunden treffen. "Ich bin zwar hier geboren, aber bei uns zuhause spielt das Neujahrsfest eine zentrale Rolle. Auch das ist wie Ostern vom Mondkalender abhängig und findet in einem Zeitraum von zwei Monaten statt", verrät die 16-Jährige mit südvietnamesischen Wurzeln, die ungeachtet ihres Glaubens lieber Religion anstatt der nicht so "tollen" Ethik gewählt hat.

Als schönes Erlebnis, auch dank Pfarrer Walter Scheck, empfand Siora Keller immer den Nachtgottesdienst in der evangelischen Stiftskirche. "Um 22 Uhr hörten wir bei Kerzenschein die Ostergeschichte und einmal wurde dabei sogar eine Freundin getauft", erinnert sich die 17-Jährige Gymnasiastin. Ganz wichtig, und zwar nicht nur an Ostern, ist für sie Familie, denn die junge Faurndauerin wohnt in einem Mehrgenerationenhaus.

Alle zusammen freuen sich an Karfreitag auf die selbstgemachten "Gottesbscheißerle" - Nichtschwaben besser als Maultaschen bekannt - und hinterher auf gute Gespräche. "Mit meiner Cousine und meinen Cousins quatschen wir übers Studium. Das ist cool, weil wir alle zwischen 17 und 22 sind und von daher viele gleiche Interessen haben."

Marcel Zimmer könnte die ganze Ostergeschichte quasi aus dem Effeff erzählen. "Aber besonders christlich mit Kirchgang und so fällt mein Ostern zwar nicht aus, dafür aber sehr traditionell." Für den 17-jährigen Gymnasiast aus Baiereck beginnt der Zauber bereits Wochen vorher. "Meine Mutter färbt die Eier, die an Ostern mit denen aus Schokolade versteckt werden. Ganz egal, wies Wetter ist - suchen ist bei uns Pflicht. Das wir inzwischen fast alle erwachsen sind, spiele keine Rolle", erzählt er strahlend. Auch das gemeinsame Frühstück sei zuhause ein Ritual. Der Fernseher bleibt in dieser Zeit aus, dafür würden Gesellschaftsspiele für Unterhaltung sorgen. Generell sieht er mittlerweile Ostern wie Weihnachten viel zu kommerziell: "Jeder macht sich verrückt beim Geschenke suchen."

Ausspannen, oder wie es in Jugendsprache heißt, "chillen" sowie viel mit dem fast zweijährigen Sohnemann Lasse l in den kommenden Tagen unternehmen, will das Ehepaar Anna und Tobias Krickl. Vor allem der 33-jährige Geschäftsführer vom Bad Boller "Haus der Mitte" genießt die freien Tage mit seiner kleinen Familie. "Man muss nicht immer was tun oder weit weg in den Urlaub fahren. Für mich ist es am schönsten, gemeinsam, ohne dass der Wecker klingelt und die Arbeit ruft, mit meiner Frau und vor allem mit meinem kleinen Sohn die Zeit zu verbringen. Entweder zu Hause was spielen oder bei schönem Wetter raus in die Natur. Das bedeutet für mich, für uns beide, schöne Ostern, auch weil unser Lasse das Fest jetzt schon vielmehr mitbekommt", strahlt der Wangener - und seine sechs Jahre jüngere Frau sieht es ebenso.

Obwohl beide nicht die größten Kirchgänger sind, wissen sie in punkto Ostergeschichte natürlich Bescheid und eventuelle Wissenslücken können ja bis der Kleine verständiger ist, noch aufgefüllt werden.