"Größten Respekt" hat Walter Lang vor den Handwerkern, die im Spätmittelalter im Nassachtal Glas produzierten. Sie waren wahre Experten, deren Produkte weit über das enge Tal hinaus geschätzt waren. Der ausgewiesene Kenner der Geschichte der Glasproduktion zwischen Adelberg und Ebersbach ist der ehemalige Kreisarchäologe. "Zwei Glashütten - die Salzwiesen und der Esslinger Berg - sind wissenschaftlich ausgegraben und bearbeitet". Was Mitte der achtziger Jahre zwei Grabungskampagnen des Landesdenkmalamtes, die Lang leitete und bei der erstmals Bodenradar eingesetzt worden war, zu Tage brachte, glich einer Sensation.

Bei seinem Vortrag im Göppinger Museum Storchen betonte der Experte, dass das Nassachtal "mit zu den ältesten Produktionsstätten in Baden-Württemberg" zählt und ein Zentrum der Glasmacherei war. Was Lang und seine Helfer damals ausgegraben hatten, war sehr umfangreich. Waren doch im Nassachtal nicht nur einfache Becher oder Flaschen gefertigt worden. "Die manufakturartigen Produktionsstätten mit einem für die damalige Zeit hohen technischen Niveau stellten Butzenscheiben her", erklärt Lang. "Das waren High-Tech-Betriebe ihrer Zeit mit überregionaler Bedeutung und weit reichenden Handelsbeziehungen."

Denn das Glas wurde bearbeitet bei Temperaturen zwischen 600 und 1 500 Grad. "Die Temperaturen mussten exakt beherrscht werden. Nicht nur das übliche "Waldglas" mit seiner typisch grünen Färbung wurde dort hergestellt. Im Nassachtal kam "tolles Farbglas" zum Vorschein. Die ganze Farbpalette fand sich, die ihr spannendes Geheimnis freilich erst unter dem Rasterelektronenmikroskop preisgab. In Schichten war das Glas in den unterschiedlichen Farben eingefärbt worden: "Rot war am schwierigsten." Es wurde durch Zusatz von Kupfer erreicht, war dann freilich nicht mehr durchscheinend. Damit aber Licht hindurch fallen konnte, wurde es in hauchdünnen Schichten aufgetragen. "Die Entdeckung dieser raffinierten Herstellungsmethode war eine Sensation", betonte der Archäologe. Er verweist auf das große Können der hiesigen Glasmacher.

Gut 100 Jahre lang ab etwa 1400 war im Nassachtal Glas produziert worden. "Dann zogen die Glasmacher weiter." Wie es dann im "Tal der Frohen" damals aussah, darüber lässt sich nur spekulieren. Die Kunsthandwerker hatten in jedem Falle aber mit ihrem hohen Holzverbrauch sichtbare Schneisen in die Landschaft geschlagen. Einer der Glasmacher aus dem Nassachtal zog nach Thüringen und begründete dort die erfolgreiche Glasindustrie.

Glasfunde, Grabungsergebnisse und Ausstellung im Storchen

Glasfunde Zu sehen sind die Funde aus dem Nassachtal im Uhinger Museum Berchtoldshof, Führungen auf Anfrage, Telefon: (07161) 938 00, und bis 20. September im Archäologischen Landesmuseum Konstanz, www.konstanz.alm-bw.de.

Grabungsergebnisse Die ausführlichen Grabungsergebnisse hat Walter Lang in der Publikation "Spätmittelalterliche Glasproduktion im Nassachtal" des Landesdenkmalamts im K.-Theiss-Verlag veröffentlicht (ISBN: 3-8062-1569-3). Ein weiterer Aufsatz findet sich im Band 12 der Reihe "Hohenstaufen/Helfenstein" des Geschichts- und Altertumsvereins Göpp. (ISBN 3-87437-469-6).

Gralglas-Schau Die Ausstellung "Gralglas" im Göppinger Stadtmuseum im Storchen ist bis 6. September zu sehen (Mi. bis Sa. 13-17 Uhr, So. 11-17 Uhr); Führungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich, Nachfragen und weitere Infos unter Telefon: (07161) 650-185 und 650.