Porträt „Dankbar für ein glückliches Leben“

Ermbrecht Frentzel-Beyme war früher Kulturamtsleiter in Göppingen. Heute feiert er seinen 90. Geburtstag.
Ermbrecht Frentzel-Beyme war früher Kulturamtsleiter in Göppingen. Heute feiert er seinen 90. Geburtstag. © Foto: Giacinto Carlucci
Annerose Fischer-Bucher 08.09.2018

Die Beschäftigung mit Kultur muss offensichtlich geistig beweglich halten und eine positive Grundstimmung erzeugen. Wie könnte es sonst sein, dass sich der Jubilar spontan an seinen herrlich klingenden Steinway-Flügel setzt, sein Hörgerät rausnimmt und für seinen Besucher auswendig Chopins Walzer in cis-Moll aus den Tasten zaubert – technisch perfekt und in klassischer Interpretation. Ermbrecht Frentzel-Beyme – 25 Jahre lang Leiter des Kulturamts Göppingen und eine Institution in Sachen Kultur – kann heute bei guter Gesundheit und in enormer geistiger Beweglichkeit seinen 90. Geburtstag feiern. Alle Aktivitäten seines Lebens und seines Berufslebens aufzuzählen, würde jeden Rahmen einer Hommage in der NWZ sprengen. Dies wird spätestens dann klar, wenn der gebürtige Königsberger anfängt zu erzählen und seiner Frau Sieglinde, die zwei Tage vor ihm ihren 91. Geburtstag feiern konnte und mit der er seit 64 Jahren verheiratet ist, ein Kompliment macht: „Ich bin dankbar für ein glückliches Leben und hätte das alles ohne meine Frau nicht geschafft.“

Mit ihr verbindet ihn ein Musikstudium an der gleichen Hochschule und die gleichen Interessen im Bezug auf Musik und Literatur. Seine Frau habe ihm bei den vielen Tätigkeiten viel Arbeit abgenommen, sagt Frentzel-Beyme, der von 1966 bis 1991 als Leiter des Göppinger Kulturamts das Kulturleben der Stadt wesentlich geprägt hat. Zwei Oberbürgermeister (Dr. Herbert König und Hans Haller) und zwei Bürgermeister (Dr. Alfred Schwab und Dr. Jürgen Christ) habe er erlebt und er sei dankbar für das Vertrauen, das ihm seine Dienstvorgesetzten und der Gemeinderat entgegengebracht hätten. „Sie haben mir freie Hand gelassen“, sagt der Jubilar und somit hätten sich ideale Voraussetzungen für die Verwirklichung seiner eigenen Vorstellungen ergeben.

Dadurch dass Frentzel-Beyme sowohl eine kaufmännische als auch eine künstlerische Ausbildung absolviert hatte, brachte er beste Voraussetzungen mit. Er war zunächst Prokurist in einem der größten deutschen Klaviergeschäfte und nach seinem Musik-Studium mit abschließendem künstlerischem Solisten-Examen war er Dozent für Klavier an der Hochschule für Musik in Hannover. So lag es nahe, dass er den Aufbau einer Jugendmusikschule betrieb, die er 1972 bis 1991 pädagogisch und organisatorisch leitete. Für den Kulturkreis, dessen Vorsitzender er von 1977 bis 2000 war und seit 2000 Ehrenvorsitzender ist, sorgte er dafür, dass Spitzenmusiker nach Göppingen kamen „und heute noch kommen“. Außerdem initiierte er die „Konzerte für die Jugend“ und die Reihe „Theater für Kinder“. Kunstausstellungen während der Konzerte im Foyer der Stadthalle waren ihm ebenso ein Anliegen wie sein Engagement für die städtische Kunstgalerie. Und so zeigt er stolz in seiner Wohnung eine signierte Lithographie von Picasso oder Bilder von Helmut Baumann, wo er lange im Stiftungsrat war. Dem Rotary Club Göppingen gehört er seit 1974 an und Oberbürgermeister Guido Till dankte ihm in einem Schreiben für vier Jahrzehnte, in denen er auf ehrenamtlicher Basis für die Bewohner der Heime der Wilhelmshilfe „anspruchsvolle Konzerte“ gegeben hat.

Frentzel-Beyme schätzt seinen Freundeskreis, „der uns bei Bedarf liebevoll umsorgt“. Der Jubilar nimmt immer noch aktiv am Geschehen teil und kennt sich aktuell in Göppingen sowie international in Kunst, Literatur und Musik bestens aus. Er äußert sich lobend über die Kulturvereine, die er immer unterstützt habe: „Ohne die Kulturvereine läuft nichts, denn die sind der kulturelle Humus der Stadt.“ Und er verweist auf einen Satz von Frieder Burda, der gesagt habe, dass ein Leben mit der Kunst immer ein reiches Leben sei: „Ich habe das erfahren.“

Stationen auf dem Lebensweg

Steckbrief Geboren wurde Ermbrecht Frentzel-Beyme am 8. September 1928 in Königsberg. Er wurde zuerst Prokurist, nach einem Musik-Studium Dozent für Klavier an der Hochschule für Musik in Hannover. Von 1966 bis 1991 war er  Leiter des Göppinger Kulturamts, von 1972 bis 1991 auch Leiter der Jugendmusikschule Göppingen, von 1977 bis 2000 Vorsitzender des Kulturkreis Göppingen.

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