Ebersbach an der Fils "Beggahaus" in Roßwälden seit 150 Jahren fest in Familienhand

Drei Generationen Bäckerei Rau: Vorne Hanne und Martin Fischer, hinten Dorothea Speißer (2.v.l.) mit ihren Kindern Christina (links) und Joachim mit Ehefrau Priska Speißer.
Drei Generationen Bäckerei Rau: Vorne Hanne und Martin Fischer, hinten Dorothea Speißer (2.v.l.) mit ihren Kindern Christina (links) und Joachim mit Ehefrau Priska Speißer. © Foto: Giacinto Carlucci
Ebersbach an der Fils / KARIN TUTAS 09.09.2014
Das "Beggahaus" ist aus Roßwälden nicht wegzudenken. Vor 150 Jahren gegründet und bis heute in Familienhand. Mittlerweile arbeitet die sechste Generation in Bäckerei und angeschlossener Gastwirtschaft.

Der örtliche Turnverein wurde hier 1897 gegründet, die "Bürgermeister-Brezel" - beschmiert mit Butter und Leberwurst - geboren, manche Stammtischwette abgeschlossen. Heimliche Liebschaften hat das alte Gebäude ebenso erlebt wie tragische Geschichten. Das "Beggahaus" ist eine Institution im Ebersbacher Stadtteil Roßwälden. Es ist eines der ältesten Gebäude des Ortes und beherbergt ein Geschäftsmodell, das in weitem Umkreis seinesgleichen sucht: eine Bäckerei mit angeschlossener Gastwirtschaft.

Zur Zeit der Gründung des Betriebs vor 150 Jahren war dies eine gängige Kombination. Heute weichen immer mehr Einzelbäckereien den Filialisten und die gute alte Dorfwirtschaft ist nahezu ausgestorben. "Aber wir sind immer noch da", sagt Joachim Speißer. Der 27-Jährige und seine Schwester Christina (29) sind mittlerweile die sechste Generation im "Beggahaus"und wollen den Beweis antreten, dass auch der handwerkliche Familienbetrieb eine Zukunft hat.

"Das Haus ist unser Leben", sagt Christina Speißer. Von Kindesbeinen an sind die Konditormeisterin und ihr Bruder mit Bäckerei und Wirtschaft vertraut. "Sobald man über den Tresen gucken kann, läuft man mit dem Tablett herum", fügt Joachim Speißer hinzu. Indes hätten ihre Eltern nie Druck in puncto Berufswahl auf ihre Kinder ausgeübt.

Christina Speißer entdeckte während einer Ausbildung zur Konditorei-Fachverkäuferin ihre Liebe zum süßen Backwerk. Beruflich stand der jungen Frau, die 2012 als Jahrgangsbeste die Meisterprüfung bestanden hat, die Welt offen. Sie hat in Italien und in der Schweiz gearbeitet und zuletzt drei Jahre als Chef-Patissière in der Speisemeisterei in Hohenheim.

Für die 29-Jährige war seit langem klar, dass sie nach der Meisterprüfung in den elterlichen Betrieb zurückkehren wollte. "Das ist ein ganz anderes Arbeiten als in der Sterne-Gastronomie", sagt Christina Speißer. Die Menschlichkeit und das harmonische Zusammenspiel in dem Familienbetrieb böten den Rahmen, sich kreativ auszutoben, was jedoch nicht unbedingt weniger Druck bedeute.

Dazu ist die junge Frau zu ehrgeizig. Waren schon die Hochzeitstorten ihrer Mutter weithin bekannt, hat Christina Speißer sich mit ihren frischen Ideen einen Namen gemacht und beliefert nicht nur Burg Staufeneck, sondern auch die Speisemeisterei mit ihren Hochzeitstorten.

Joachim Speißers Entscheidung, die Wirtschaft seiner Großmutter Hanne Fischer zu übernehmen, fiel vor drei Jahren. "Die Oma konnte das aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr", sagt der junge Mann der Betriebswirtschaft studiert hat. "Und verpachten wollten wir nicht", sagt der 27-Jährige. Gemeinsam mit seiner Frau Priska - sie ist gelernte Köchin - beschloss er, in den Familienbetrieb einzusteigen.

Regionale Produkte, eine kleine Speisekarte mit traditionell-schwäbischer Küche und modernen Gerichten - das Konzept kommt an. "Wir wollten bewusst kein Restaurant, sondern eine Wirtschaft, wo man auch einfach nur ein Viertele trinken kann und sich auch die Stammtische treffen können", sagt Joachim Speißer.

Christina Speißer ist froh, dass die Symbiose aus Bäckerei, Wirtschaft und Café weiter bestehen bleiben kann. "Wir profitieren voneinander und das eine ist ohne das andere nicht denkbar." Am kommenden Wochenende wird das Jubiläum gefeiert. Rund um das Beggahaus gibt es zwei Tage lang Musik und Leckereien aus Backstube und Küche - von der Bürgermeister-Brezel bis zu handgeschabten Spätzle.

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