Göppingen "Ach & Krach-Charity-Festival" bot breite Rock-Palette

Das "Ach & Krach-Charity-Festival" am Samstag in der Göppinger Werfthalle riss die Besucher mit: Melodischen Metal, der ganz knapp am Rock vorbeischrammt, brachte die Gruppe Underpaid aus Rechberghausen auf die Bühne. Foto: Staufenpress
Das "Ach & Krach-Charity-Festival" am Samstag in der Göppinger Werfthalle riss die Besucher mit: Melodischen Metal, der ganz knapp am Rock vorbeischrammt, brachte die Gruppe Underpaid aus Rechberghausen auf die Bühne. Foto: Staufenpress
Göppingen / KERSTIN SCHELLHORN 29.10.2012
Ein abwechslungsreiches Line-up, Stars zum Anfassen und nackte Tatsachen - das "Ach & Krach-Charity-Rockfestival" in der Göppinger Werfthalle hatte viel zu bieten. Leider blieb der Besucheransturm aus.

Wer schon einmal auf einem Konzert der Berliner Punkband Jennifer Rostock war, der kennt das schon. Alles was eine Frau brauche, seien Humor und Brüste, verkündete Sängerin Jennifer Weist kürzlich in einer bekannten Talkshow. Und so fordert sie bei jedem Auftritt das weibliche Publikum dazu auf, blank zu ziehen. In der Regel leisten ein oder zwei Frauen dem mutig Folge. Nicht so in Göppingen. Gleich mehrere weibliche Rockfans rissen beherzt ihre Shirts nach oben und sorgten so für ausgelassene Stimmung. Jennifer Rostocks energiegeladener Elektro-Punk war daran aber auch nicht ganz unschuldig. Mitreißende Nummern wie "Himalaya" und "Mein Mikrofon" sowie eine langsame Version von "Kopf oder Zahl" überzeugten, wenn auch die Werfthalle leider halb leer geblieben war.

Begonnen hatte der Rock-Marathon bereits um 16 Uhr mit Evil Jared, dem sagenumwobenen Mitglied der Bloodhound Gang. Er legte ein paar Platten auf, mischte sich unters Publikum und verteilte fleißig Autogramme. Ein Star zum Anfassen eben.

Weiter gings mit Wild Garlic, einer dreiköpfigen Alternative Rock-Band aus Kirchheim, die den Bandcontest des Festivals gewonnen hatte. Obwohl sie sich selbst als unprofessionell bezeichneten, lieferten sie abwechslungsreiche Rocksongs ab - mit eingängigen Riffs und viel Druck dahinter. Es folgte die alteingesessene Punkband Not Available aus Eislingen. In ihrem Fall gilt: Wo Punk draufsteht, ist auch Punk drin. Solide, schnell, laut und verfeinert mit ein bisschen Ska.

Anschließend betraten Heisskalt aus Stuttgart die Bühne - die heimliche Perle des Festivals. Ihr Stil, der irgendwo zwischen Madsen und Deichkind zu finden ist, ist nicht alltäglich. Elektrosounds leiten ihre Songs ein, die mal mehr, mal weniger psychedelisch klingen. Danach gehts rockig und melodisch weiter. Hörenswert!

Wer etwas softere und eingängigere Gitarrenmusik mag, der ist bei Split aus Eislingen goldrichtig. Schon der erste Ton des ersten Songs ging ins Ohr und verleitete zum unwillkürlichen Kopfnicken. Richtig soft wurde es dann aber bei Schauspieler und Sänger Fabian Buch. Mit Akustikgitarre und kernigem Dreitagebart bewaffnet, gab er ruhige und gefühlvolle Popsongs zum Besten. Das Kontrastprogramm dazu lieferten Underpaid aus Rechberghausen: Melodischer Metal, der ganz knapp am Rock vorbeischrammt, mit einer kleinen Flammenshow dann aber doch ein bisschen böse wirkt.

Mit Radio Havanna aus Berlin wurde das Publikum schließlich auf Jennifer Rostock eingestimmt. Kraftvoller und rotziger Punk, wahlweise mit deutschem oder englischem Gesang. Im Gepäck hatten sie "ein Lied zum Hüpfen gegen die Bild-Zeitung". Wir hätten es nicht anders erwartet!

Welchem Projekt der gesamte Gewinn des "Ach & Krach-Festivals" gespendet wird, ist am 5. November im Internet zu lesen. Die Besucher konnten wählen zwischen "RTL Wir helfen Kindern", der NWZ-Aktion "Gute Taten" und der "Peter Maffay Tabaluga Stiftung".