Kreis Göppingen " Können so nicht weiter machen"

Relativ viele Gläubige und attraktive Kirchen, wie St. Martinus in Donzdorf, aber weiterhin keinen Pfarrer hat die Seelsorgeeinheit Lautertal. Foto: Beate Schnabl
Relativ viele Gläubige und attraktive Kirchen, wie St. Martinus in Donzdorf, aber weiterhin keinen Pfarrer hat die Seelsorgeeinheit Lautertal. Foto: Beate Schnabl
DANIEL GRUPP 15.06.2012
Die katholische Kirche im Kreis tut sich schwer mit der Besetzung der Pfarrstellen. Die Seelsorgeeinheit Lautertal geht ins dritte Jahr ohne leitenden Pfarrer. Drei weitere Pfarrstellen im Dekanat sind nicht besetzt.

Als Pfarrer Anton Gruber vor zwei Jahren seinen Abschied aus Donzdorf angekündigt hat, war nicht zu erwarten, dass sich die Nachfolge lange hinziehen würde. Schließlich galt die Seelsorgeeinheit Lautertal mit fünf Kirchengemeinden und rund 8200 Katholiken unter den 13 000 Einwohnern als attraktiv. Tatsächlich hat sich aber trotz mehrerer Bewerbungsphasen noch kein Priester um die Leitungsstelle beworben.

Derzeit läuft in der Diözese Rottenburg-Stuttgart wieder eine Bewerbungsrunde. Bekannt gegeben wird die neue Postenverteilung am 15. Juli, berichtet Uwe Renz von der Pressestelle der Diözese. Die Lautertäler dürfen sich aber keine Hoffnungen machen. Denn jetzt geht es fast ausschließlich um Stellen für Pfarrvikare. Das sind Priester, die zwar ihre Weihe, aber noch nicht ihre zweite Dienstprüfung absolviert haben. Sie dürfen noch keine Kirchengemeinde oder Seelsorgeeinheit leiten, erläutert Renz. Die Ausschreibung für Pfarrerstellen finde hingegen zwischen Januar und März statt. Diese Stellen werden dann in der Regel nach der Sommerpause angetreten. Daher kann sich fürs Lautertal frühestens Anfang 2013 ein Priester bewerben. Die Stelle bleibt damit zumindest bis Spätsommer 2013 unbesetzt.

Ob dann jemand kommt, ist offen. Das Bistum zwinge niemand zur Bewerbung, betont Renz. Es würden aber in der Personalabteilung Gespräche geführt. Theoretisch bestehe für den Bischof die Möglichkeit einzugreifen, erläutern Dekan Dietmar Hermann und der Geschäftsführer des Dekanats Göppingen-Geislingen, Felix Müller. Die Priester schwören nämlich ihrem Bischof Gehorsam. So könnte Gebhard Fürst durchaus einen Pfarrer nach Donzdorf senden. "Man will aber niemanden dienstverpflichten", betont Müller. "Nur wer freiwillig in einen Ort geht, arbeitet dort auch motiviert", ergänzt Hermann. Der Dekan ist aber "optimistisch", dass Donzdorf in der nächsten Runde zum Zuge kommt.

Das Lautertal ist kein Einzelfall. Derzeit müssen vier der 14 Seelsorgeeinheiten (SE) im Dekanat ohne Pfarrer auskommen. Damit ist der Landkreis überproportional stark durch den Priestermangel belastet. Denn laut Bistumssprecher Renz sind in den 282 SE der Diözese derzeit insgesamt "nur" 22 Leiterstellen nicht besetzt. Neben dem Lautertal warten im Kreisgebiet die SE "Profectio", zu der in Göppingen die Kirchengemeinden St. Paul, St. Josef und Ursenwang sowie Schlat gehören, und Bad Ditzenbach/Deggingen auf einen Pfarrer. Nach längerer Vakanz besetzt wird wieder die SE "Lebendiges Wasser" (Faurndau, Jebenhausen, Betzgenriet und Hattenhofen). Dekan Hermann wird die Investitur von Pfarrer Sven Jast am 23. September vornehmen.

Die Belastung für die Pfarrer bleibt hoch. So muss sich Robert Lukaschek neben "seinen" Kirchengemeinden Salach und Ottenbach als Administrator auch ums Lautertal kümmern, wo zwischen Weißenstein und Reichenbach mehr Katholiken wohnen als in Lukascheks eigenen Gemeinden. "Wir können so nicht weiter machen", sagt Müller mit Blick auf die Personallage. Er sieht eine "wahnsinnige Leistungsverdichtung" für Priester, weil "auf katholischer Seite alles auf den geweihten Priester abgestimmt ist". Vielleicht sei ja die Verantwortung für fünf Gemeinden ein Grund dafür, dass sich niemand für Donzdorf bewirbt. Auch müsse man dort als Pfarrer auch "mit dem Fasching umgehen" können, sagt Müller. Seiner Ansicht nach muss sich die Kirche umstellen und kleinere Brötchen backen. "Sie wird nicht mehr alles bedienen können." Liege eine längere Vakanz vor, könne eine Gemeinde ihre Identität verlieren. Müller vergleicht dies mit einem Fußballteam, dass schon in der 15. Minute einen Spieler durch eine Rote Karte verliert. "Dann wirds schwierig."

"Man braucht neue Formen der Gemeindeleitung", findet Dekan Hermann. "Da ist Rottenburg dran." Es gehe darum, mehr Verantwortung auf andere Mitglieder der Kirchengemeinde zu übertragen, da die Kirche einfach akzeptieren müsse, dass es nicht mehr so viele leitende Pfarrer gibt. Hermann: "Die Not ist erkannt. Eine Projektgruppe arbeitet daran, neue Möglichkeiten zu erkunden."

Trotz der Vakanz ist dem Dekan um die Seelsorge im Lautertal nicht bange. Das Team mit dem Pfarrvikar, Diakonen und der Pastoralreferentin funktioniere gut.