Göppingen / Arnd Woletz Die Entscheidung, die Umzugsstrecke beim Göppinger Maientag deutlich zu kürzen, stößt auf Widerstand.

Die Entscheidung, den Umzugsweg beim Göppinger Traditionsfest Maientag in diesem Jahr radikal zu kürzen, stößt im Göppinger Gemeinderat und offenbar auch in der Bevölkerung auf einigen Widerstand. Dabei hat die Maientagskommission die Route für dieses Jahr eigentlich längst festgelegt: Sie ist nicht einmal mehr halb so lange und lässt den gesamten östlichen Teil der Innenstadt aus. Satt dessen sollen die Akteure über die  Marktstraße, den Schlossplatz, die Schlossstraße und den Schillerplatz zur Schiller-Realschule marschieren, wo sich der Umzug auch schon wieder auflöst (siehe Karte).

Der gekappte Umzugsweg soll nicht mehr über die Grabenstraße und die östliche Innenstadt zur Oberhofenanlage führen (rot gestrichelt), sondern über den Schillerplatz zur Schiller-Realschule (lila). Die Aufstellungsflächen bleiben (grün). 
© Foto: Grafik: Stadtverwaltung

Warum die Strecke derart gekürzt und umgelenkt werden sollte, erklärte in der jüngsten Gemeinderatssitzung Ulrich Drechsel, Leiter des Fachbereichs Schulen, Sport, Soziales: Derzeit gebe es an der Grabenstraße (Apostelhof), an der Mörikestraße und Poststraße (Einkaufszentrum „Agnes“) sowie an der Schützenstraße riesige Baulücken, so dass der Umzugsweg an unattraktiven Freiflächen oder Bauzäunen vorbei führen würde. Deshalb sei überlegt worden, „ob es nicht einen hübscheren Umzugsweg für unser Heimatfest gibt“, so Drechsel.

Alte Route zu lang

Außerdem sei die bisherige Strecke für die kleineren Schüler erfahrungsgemäß ein langer Weg, zumal sie nach Umzugsende auch noch zu ihren Schulen zurück gehen müssten. So manche Musikkapelle trage gegen Ende der Route ebenfalls sichtlich schwer an ihren Instrumenten, so Drechsel. Und die Feuerwache sei während des Umzugs schwer erreichbar, wenn die Pferdegespanne an der Mörikestraße vorbei zuckeln.

Doch bei den meisten Stadträten stieß die Kappung auf wenig Gegenliebe. Die FDP/FW-Fraktion hatte sogar eigens beantragt, über diesen Punkt noch einmal zu entscheiden. Horst Wohlfart schimpfte, der vorgeschlagene Umzugsweg sei viel zu kurz und stehe „in krassem Missverhältnis zum betriebenen Aufwand“. Die Baustellen seien schließlich kein Geheimnis und der Umzug benötige die großzügigen Oberhofenanlagen als Auflösungsfläche am Ende. Ingo Hagen (CDU) erinnerte daran, dass der Marsch zur Oberhofenkirche eine jahrhundertealte Tradition sei, die auf die Ursprünge des Maientags zum Ende des Dreißigjährigen Krieges zurück reiche. Außerdem werde die neue Umzugsstrecke in der Bevölkerung abgelehnt. „Ich habe noch keinen getroffen, der das gut findet“. Hagen meinte, die angebliche Überlastung der Kinder sei „an den Haaren herbei gezogen“. Emil Frick (FWG) nannte die neue Route einen „Schwabenstreich“ und sagte: „Lieber laufe ich an den Baustellen vorbei als diesen kastrierten Weg.“

Kompromiss für ein Jahr

Andere Stadträte wiederum sagten, sie könnten für ein Jahr durchaus mit dem Kompromiss leben. Und Christian Stähle (Linke) unterstützte vehement die Kürzungspläne, schließlich herrsche an manchen Passagen des Umzugs inzwischen gähnende Leere am Straßenrand, so dass eine Umstellung mehr nütze als schade.

Eine Entscheidung fiel am Donnerstag nicht, denn der FDP/FW-Antrag war zu kurzfristig gestellt worden, um es auf die offizielle Tagesordnung zu schaffen. In einer der nächsten Sitzungen werden die Stadträte über die lange oder kurze Variante entscheiden.