Kreis Göppingen 60 Verletzte und große Schäden nach Hagelsturm

Kreis Göppingen / SUSANN SCHÖNFELDER 29.07.2013
Nach dem heftigen Hagelsturm wird das Ausmaß des Unwetters jetzt sichtbar. Polizei und Feuerwehr rechnen mit einem Schaden in Millionenhöhe. In der Klinik wurden am Sonntagabend 60 Patienten behandelt.

Am Tag nach dem schweren Unwetter mit Hagel und Sturmböen hat am Montag das große Aufräumen im Landkreis begonnen. Dabei wurde das wahre Ausmaß erst sichtbar: Unternehmen, Kommunen und Privatpersonen müssen ihre zerstörten Gebäude reparieren, Landwirten und Obstbauern hat es in Teilen des Kreises die Ernte verhagelt. Viele Menschen nahmen ihr völlig verbeultes Auto unter die Lupe, die Versicherungen hatten Großkampftag.

Die Einsatzkräfte konnten am Montag etwas durchatmen, wobei der anhaltende Regen die Feuerwehren weiterhin auf Trab hielt. „Wir mussten noch undichte Dächer abdecken“, berichtet Robert Scheel, Leiter der Integrierten Leitstelle. Selbst der erfahrene Mann ist überrascht, mit welcher Wucht das Unwetter am Sonntagabend über den Landkreis fegte: „So etwas habe ich in knapp 30 Jahren noch nicht erlebt, dass in relativ kurzer Zeit so schwere Schäden entstehen.“ Polizeisprecher Rudi Bauer und Kreisbrandmeister Michael Reick gehen von Schäden in Millionenhöhe aus.

Einige Kreisbewohner hatten noch versucht zu retten, was zu retten ist und verletzten sich dabei. „In der Notaufnahme herrschte zwei bis drei Stunden enormer Andrang. Es mussten 60 Patienten versorgt werden“, sagt Dr. Katja Mutter, Chefärztin der Zentralen Notaufnahme in der Klinik am Eichert in Göppingen. Die Ärzte versorgten Prellungen und Kopfplatzwunden – verursacht durch die zum Teil Tennisball großen Hagelkörner. „Später kamen dann Patienten mit Schnittverletzungen, die sie sich beim Aufräumen zugezogen haben“, berichtet die Chefärztin. Einen medizinischen Notfall habe es in Göppingen gegeben. Dort sei ein Mann bei Reparaturarbeiten vom Dach gestürzt, berichtet Reick. Die Patienten, die direkt die Klinik ansteuern, registrieren Polizei und Feuerwehr nicht, daher hatten sie am Sonntagabend keine Kenntnis von Verletzten.

Witterungsbedingte Unfälle hat es im wütenden Unwetter nicht geben, zieht der Polizeisprecher Bilanz: „Die Autofahrer waren sehr vorsichtig.“ Rudi Bauer appelliert an die Autofahrer, sich keinesfalls ans Steuer eines Wagens mit gerissener Scheibe zu setzen: „Sie kann beim nächsten Stoß splittern.“ Gut zu tun hatte die Polizei wegen vieler Anrufe besorgter Kreisbewohner, die Schäden an verwaisten Nachbarhäusern bemerkten: „Viele Leute sind ja gerade im Urlaub.“

Die Einsatzkräfte konnten am Sonntagabend nur nach dem Motto vorgehen: „Das wichtigste zuerst“, meint Robert Scheel. „Manchen Leute mussten wir sagen: Die Feuerwehr ist ausgebucht.“ Die Notrufe seien im Sekundentakt in der Leitstelle eingegangen. Matthias Nagel, Abteilungsleiter für Katastrophenschutz im Göppinger Landratsamt, nennt Zahlen: 590 Rettungskräfte, 102 Einsatzfahrzeuge, 21 Gemeindefeuerwehren, eine Werksfeuerwehr sowie das Technische Hilfswerk aus Göppingen und Geislingen waren ausgerückt, um Keller trocken zu legen, Straßen von Bäumen zu befreien oder Löcher in Dächern mit Folien abzudecken. Besonders betroffen waren die Filstalachse von Ebersbach bis Donzdorf sowie das Voralbgebiet. Der Chef der Leitstelle spricht von einem „schlanken Gewittergürtel“.

„Das gefährliche und besondere war, dass es blitzschnell ging“, lässt Robert Scheel den Hagelsturm Revue passieren. Durch starke Windböen sei der Hagel zum Teil waagrecht durch die Luft geflogen. Daher wurden auch viele Fenster eingeschlagen. So ein Geschoss traf auch ein Reklameschild einer Göppinger Bank, löste einen Kurzschluss und damit Alarm aus. Auch hier mussten die Einsatzkräfte buchstäblich noch Feuer löschen. „Es war relativ stressig in der Leitstelle. Wir haben in Maximalbesetzung gearbeitet“, sagt der Kreisbrandmeister, der am Sonntagabend noch durch den Kreis gefahren ist und sich ein Bild von der Zerstörung gemacht hat. Sein Fazit: „Das wird insgesamt eine teure Angelegenheit."

Wie ein solcher Hagelsturm entstehen kann, erklärt ein Meteorologe im Interview.

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