Mehrere pornografische Aufnahmen von Kindern sollen Ende der Neunzigerjahre in einer Wohnung in Geislingen entstanden sein. Das brachten Ermittlungen in Wilhelmshaven ans Tageslicht. Bei einer dortigen Durchsuchung wurde das Material gefunden. Die Auswertung ergab, dass dieses in der Wohnung des Angeklagten M. in Geislingen entstanden sein musste. Gefunden wurden die Videos bei dessen Bruder G. in Wilhelmshaven. Gegen die Brüder läuft nun ein Verfahren am Landgericht Ulm.

Halbbruder steht vor Gericht

Aufgrund der Aufnahmen kam es zu einem weiteren Prozess: Auf mehreren Videos ist ein damals etwa sechs Jahre altes Mädchen zu sehen. Am Dienstag stand deren Halbbruder D. vor dem Amtsgericht in Göppingen. Er steht im Verdacht, bei der Erstellung der Aufnahmen mitgeholfen zu haben. Ihm wird deshalb gemeinschaftlicher schwerer sexueller Missbrauch von Kindern zur Last gelegt. Wie die Staatsanwaltschaft vortrug, sei es zu vier Vorfällen gekommen. Mutmaßlich geschahen diese alle im Sommer und Herbst 1998/1999. Während der in Ulm vor Gericht stehende M. das Mädchen geküsst, angefasst, auf das Gesäß geschlagen und für die Videos in Position gebracht habe, soll dessen Kumpel D. gefilmt haben.

Der damals etwa 20-Jährige könne sich aber an diese Ereignisse nicht erinnern, gab er zu Protokoll. Lediglich einmal, das wisse er noch, habe er gefilmt. Erst „gegen Ende“ der Freundschaft zu M. sei ihm das Ganze komisch vorgekommen, berichtet der Angeklagte. „Ich habe niemals einen sexuellen Bezug zu meiner Schwester gehabt“, betont er mehrmals, auch den heute guten Kontakt zu der Geschädigten bekräftigt er. Dass er mit seiner Schwester mehrmals bei M. übernachtete und die Schwester auch dort badete, sei für ihn normal gewesen. Als er gemerkt habe, dass sein Kumpel sexuelles Interesse an seiner Schwester zeigte, habe er das Gespräch mit seiner Mutter gesucht. Danach sei der Kontakt abgebrochen. Für den Angeklagten sei M. eine Bezugsperson gewesen. Der damals junge Mann verbrachte viele Jahre im Heim. Er habe keine Freunde gehabt, in M. habe er einen solchen gefunden.

Prozess wurde vertagt

 Bei der Sichtung der Videos wird klar: D. stand zwar mehrmals hinter der Kamera. Anweisungen und konkrete Handlungen kamen jedoch hauptsächlich von M. Auch, dass eine weitere Person anwesend war, wird auf den Videos deutlich. Zu einer Urteilsverkündung kam es am Dienstag nicht. Der weitere Prozess wurde vertagt. Sowohl die Geschädigte selbst, als auch die Mutter sollen noch gehört werden. Außerdem will das Gericht die Akten der Hauptverhandlung am Landgericht sichten.

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