Göppingen / Kurt Lang

Es ist der 26. Mai 2013. Ein warmer Frühlingsabend. In der ausverkauften Münchner Allianz-Arena fiebern 70.000 Zuschauer dem Anpfiff des Länderspiels Deutschland gegen England entgegen. Etwa zur selben Zeit wird der in Berlin-Tegel gestartete Airbus LH 2047 mit 164 Personen an Bord von einem Terroristen entführt. Der Flieger nimmt Kurs auf München und soll dort über der Fußball-Arena zum Absturz gebracht werden.

Der zuständige Leitoffizier der Luftwaffe erteilt zwei Kampfjets den Auftrag, das gekaperte Flugzeug abzudrängen und zur Landung zu zwingen. Der Airbus steuert jedoch weiterhin unaufhaltsam seinem Ziel entgegen. 25 Kilometer vor München entschließt sich deshalb der Führungspilot Lars Koch zum Abschuss der Maschine. Bewusst nimmt er in Kauf, dass dabei 98 Männer, 64 Frauen und zwei Kinder zu Tode kommen, um 70 000 Menschen das Leben zu schenken. Koch wird angeklagt und muss sich vor Gericht wegen 164-fachen Mordes verantworten.

Freilich keine wahre Begebenheit. Das Euro-Studio Landgraf brachte vielmehr unter der Regie von Thomas Goritzki mit „Terror“ das Erstlingsstück von Bestseller-Autor Ferdinand von Schirach zur Aufführung. Die Bühne ist zum Gerichtssaal ausgestattet: Dem Abschusspiloten Lars Koch wird der Prozess gemacht. Zuvor jedoch verpflichtet der Richter die Besucher der Stadthalle zu Schöffen. Eine schwere Bürde, die ihnen da auferlegt wurde, haben doch allein sie über Schuld oder Unschuld des Angeklagten zu entscheiden.

Die großartig in ihren Rollen aufgehenden, ja geradezu über sich hinauswachsenden Schauspieler Johannes Brandrup (Richter), Christian Meyer (Lars Koch), Christoph Schlemmer (Verteidiger), Annett Kruschke (Staatsanwältin), Peter Donath (Zeuge) und Nebenklägerin Tina Rottensteiner machten das Prozessgeschehen zu einem atemberaubend-spannenden Ereignis.

Das Bundesverfassungsgericht, so die Anklage, habe 2006 untersagt, unschuldige Menschen zur Rettung anderer Unschuldigen zu töten. Lars Koch jedoch gehorchte seinem Gewissen. „Recht und Moral müssen streng voneinander getrennt werden“, sagt die Staatsanwältin und beantragt, Koch wegen des Mordes an 164 Menschen zu verurteilen.

Schöffen ziehen sich zurück

Die zu Schöffen verpflichteten Besucher ziehen sich zur Beratung zurück. Zur („Hammelsprung“)-Abstimmung betreten sie danach den Saal durch Türen mit den Aufschriften „Schuldig“ und „Unschuldig“.

Nach Auszählung verkündet der Richter das Urteil: „Der Angeklagte Lars Koch wird auf Kosten der Landeskasse freigesprochen“. Für Freispruch stimmten 200, für Verurteilung 86 Schöffen (60 enthielten sich der Stimme).

Am Schluss stürmischer Applaus für einen gelungenen, mit einer schauspielerischen Glanzleistung einhergehenden Auftakt der städtischen Theatersaison.

Abstimmungsergebnisse der Theateraufführungen

Schöffen Es sind Personen, die vom Gemeinderat aus allen Gruppen der Bevölkerung vorgeschlagen und von einem Schöffenwahlausschuss für fünf Jahre gewählt werden. Sie begleiten in der Hauptverhandlung das Richteramt in vollem Umfang und mit gleichem Stimmrecht wie ein Berufsrichter.

Abstimmung Das stets aktuelle Abstimmungsergebnis aller bisherigen Theateraufführungen kann unter http://terror.theater verfolgt werden.