Wie jedes Ereignis, so hat auch dieses Bücherei-Jubiläum eine Vorgeschichte: Zwischen 1907 und 1910 wurde auf Initiative des Göppinger Rabbiners Dr. Aaron Tänzer der Grundstock von immerhin 1000 Büchern für eine gute Bücherei gesammelt. In einer unglaublichen Fleißarbeit sichtete und erschloss Tänzer die Bestände in seiner Wohnung. Erst 1912 fand die "Städtische Bibliothek" zur "sittlichen und geistigen Hebung des Volkes" dann in einem Zimmer im Erdgeschoss des Rathauses ein geeignetes Lokal. Am 16. September 1912 erlebte die Bücherei ihre erste Ausleihstunde.

Der erste Umzug ließ nicht lange auf sich warten: 1913 zog die Bibliothek in die Höhere Knabenschule, Ecke Schul-/Kirchstraße, um. 1917, im Ersten Weltkrieg, wurde die Bibliothek geschlossen, die Bücher in Kisten verpackt und eingelagert. Erst 1922 erfolgte die Wiedereröffnung; 1931 fand die städtische Volksbücherei in der Handelsschule ein neues Domizil. Bis 1941 wuchs der Bestand auf die für damalige Verhältnisse unvorstellbare Zahl von 4300 Büchern an, auf jeden Göppinger Einwohner kam jährlich ein gelesenes Buch. Zum Vergleich: Heute umfasst der Bestand 92 000 Medien, auf jeden Einwohner entfallen zirka zwölf Entleihungen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die städtische Volksbücherei im Oktober 1946 ihre Arbeit in der Handelsschule wieder aufgenommen. Der Andrang war so groß, dass schon ein Jahr später die Bücherei hauptamtlich besetzt und fünf Tage in der Woche geöffnet wurde - und das, obwohl im Frühjahr 1947 die amerikanische Leihbibliothek in der Mörikestraße ihre Ausleihe aufnahm. 1948 verfügte die Stadtbücherei über 3375 Bände; 1951 wurde die US-Bibliothek an die städtische Bücherei übergeben. 1953 zog die Bücherei - nach kurzer Visite in der Kirchstraße 13 - ins Eckhaus Mörike-/Wilhelmstraße um.

Zwischen 1965 und 1968 wurde auf Freihandbibliothek umgestellt: Göppingens Leseratten konnten ihre Lektüre erstmals selber aus den Regalen heraussuchen, aus nun immerhin 25 000 Büchern, die durch Karteien aufgeschlüsselt wurden.

Das Gebäude Wilhelmstraße wurde den Anforderungen der Stadtbibliothek aber bald nicht mehr gerecht, die statische Belastungsgrenze wurde 1972 überschritten. Das Umstellen von Regalen wurde daraufhin untersagt, bei Neuanschaffungen von Büchern wurde das Entfernen alter Bücher verlangt. Nach Aussage eines Gutachters konnte selbst eine Klassenführung mit 25 bis 30 Kindern zu einer Gefahrenquelle werden. 1976 kam deshalb das Adelberger Kornhaus in die Diskussion als mögliches neues Domizil - ein Kulturdenkmal und wichtiges stadtgeschichtliches Gebäude. Der entsprechende Beschluss wurde schließlich im Oktober 1977 gefasst.

1981 wurde, als eines der ersten neuen Medien, "Deutsch sprechen im Alltag", ein dreiteiliges Kassettenwerk, für 130 DM angeschafft.

1987 standen die ersten Videos in der Bibliothek, der Film "Beatles - ihr Leben, ihre Musik, ihre Triumphe" wurde zum Ausleihrenner. 1989 fanden CD ihren Weg in die Bibliothek; Bachs Sonate Nr. 1 in H-Moll eröffnete den Reigen klassischer Musik.

1995 wurde eine "Softwaretankstelle" in der Bibliothek eingerichtet zum legalen Kopieren von Computerprogrammen, "1282 Windows Truetype Schriften" wurden als CD-ROM zur Ausleihe angeboten. Seit Juni 1996 stehen den Besuchern der Stadtbibliothek öffentlich zugängliche Internetplätze zur Verfügung. Ab 2001 löste auch in der Stadtbibliothek die DVD allmählich die Videos ab. Die Online-Bibliothek als virtuelle Zweigstelle der Stadtbibliothek steht seit April 2008 als bundesweit erster kommunaler Verbund mit Geislingen den Nut-zern zum Download von elektronischen Medien zur Verfügung. Die Verbundlösung hat bereits zahlreiche Nachahmer gefunden. 2011 trat als weiteres Filmmedium die Blu-Ray-Disk an die Seite der DVD; und seit 2012 kann man in der Bibliothek auch e-Reader ausleihen.
 

Tatort Kornhaus: Das Jubiläum wird am Samstag mit einer Krimi-Nacht gefeiert

Zum "Tatort Kornhaus" wird die Stadtbibliothek Göppingen am Samstag, 15. September, bei der Krimi-Nacht mit Mordgeschichten aus dem Ländle. Um 19 Uhr gibt es Gerhard Stahls Dokumentarfilm "Manfred Bomm im Porträt" zu sehen. Um 20 Uhr laden Heinrich Steinfest und Wolfgang Schorlau zu einer Lesung mit anschließendem Gespräch (Moderation: Marcus Zecha). Um 21.30 Uhr wird Bürgermeisterin Gabriele Zull zum Jubiläum der Stadtbibliothek sprechen, anschließend wartet ein delikater Abend für Krimifans, mit locker-jazziger Musik aus den 50er bis 80er Jahren und kriminellen Überraschungen für Leib und Seele.

Ein Krimi-Rätsel lösen dürfen Kinder ab acht Jahren ebenfalls am Samstag zu den Öffnungszeiten der Bibliothek. Die Krimi-Rallye führt neugierige Hobbydetektive durch das ganze Kornhaus; am Ende werden, mit ein bisschen Glück und Wissen, die "Beute" und der "wahre Täter" gefunden. Auf jedes Kind, das das Rätsel richtig gelöst hat, wartet eine kleine Überraschung.