Zunächst eine Braut wider Willen

Die Pläne zur Eingemeindung Burgbergs stießen Anfang der 1970er-Jahre bei einigen Bewohnern des heutigen Teilortes auf wenig Gegenliebe. Heute ist die „Vernunftehe“ von damals zur Selbstverständlichkeit geworden.
Die Pläne zur Eingemeindung Burgbergs stießen Anfang der 1970er-Jahre bei einigen Bewohnern des heutigen Teilortes auf wenig Gegenliebe. Heute ist die „Vernunftehe“ von damals zur Selbstverständlichkeit geworden. © Foto: Foto: Geyer Luftbild
Lothar Danzer 30.03.2012
Vor 40 Jahren wurde Burgberg am 1. April 1972 in die Stadt Giengen eingemeindet. Der Reform standen Viele zunächst kritisch gegenüber.

Es war für die damals 1900 Einwohner zählende Gemeinde Burgberg mit ihrem seit 1957 amtierenden Bürgermeister Hans Eberhardt nicht einfach, eine „zum Wohl der Zukunft“ wichtige Entscheidung zu treffen.

Auch die meisten Gemeinderäte standen der Reform anfangs kritisch gegenüber. Sehr gerne hätte der Ort an der Hürbe seine Eigenständigkeit behalten. Schon allein deshalb, weil die Gemeinde gut aufgestellt war und keinerlei Probleme hatte. Man war weit entfernt von der einst bitteren Armut der Altvorderen. Früher waren die Endschuhflechter, Pferdehändler, Korbmacher, Hausierer, Musikanten und Schauspieler, die als fahrendes Volk ihr Auskommen verdienten, vielerorts als gesellschaftliche Außenseiter diskriminiert worden. Und nun wurde der Gemeinde, in der man bis Mitte des 20. Jahrhunderts mitunter Jenisch „diberte“, also ein Heiratsantrag gemacht.

War man darüber glücklich? So ganz einig sind sich die Burgberger darüber auch heute noch nicht. Denn die „Oberberger“, ein zugegeben eigenwilliger Menschenschlag, der in früherer Not beispielhaft zusammengehalten hatte, hatten ihren Stolz.

Versuche eine Verwaltungsgemeinschaft mit Hermaringen und Hürben auf den Weg zu bringen, führten zu keinem Ergebnis. Die Menschen im Geburtsort der Gräfin Maria von Linden mussten aber eine Entscheidung treffen. Man konnte sich nicht mit Verlegenheitslösungen widersetzen, zumal durch die freiwillige Eingemeindung die Stadt Giengen mit ihrem Bürgermeister Walter Schmid von den zugesagten Sonderzuschüssen des Landes profitieren sollte.

Nach einer Bürgeranhörung am 27. Februar 1972, an der sich 926 Burgberger beteiligten, stimmten 480 für einen Anschluss an Giengen. Für diejenigen, denen dieses Ergebnis schwer im Magen lag, büßte die kommunale Selbstverwaltung an Bürgernähe ein, hieß es damals. Die Gemeindepolitik sei jetzt außen vor. Auch die Einführung einer Ortschaftsverfassung mit der Möglichkeit zur Bildung eines Ortschaftsrates wurde bemängelt.

Am 10. März 1972 beschloss Burgbergs Gemeinderat schließlich den Anschluss an Giengen ganz offiziell. Die Gemeinderäte Erwin Kling, Hans Schneider und Heinrich Weiß vertraten im neuen Gremium die Burgberger Interessen. Hans Eberhardt wurde zum Stadtkämmerer, 1989 zum Ersten Beigeordneten gewählt. 1975 wurde dann auch das Eingemeindungsversprechen, nämlich eine neue Turn-und Festhalle (seit 2002 die Maria-von-Linden-Halle) zu bauen, mit der Einweihung des Gebäudes, eingelöst.