Giengen Zeitreise 100 Jahre zurück

Giengen / hz 26.08.2018
Die Hohenmemminger Landfrauen mit dem Obst- und Gartenbauverein ließen das Bauernleben aus vergangenen Zeiten bereits zum vierten Mal wieder aufleben.

Zeitreisen haben zweifellos ihren Reiz. Deswegen hatten die Landfrauen aus Hohenmemmingen und der Obst- und Gartenbauverein aus dem Dorf den gestrigen vierten Ländlichen Markt unter das Motto „Ein Sonntag wie vor 100 Jahren“ gestellt. Wohl wissend, dass es vor 100 Jahren für einen Großteil der ländlichen Bevölkerung vollkommen normal war, an Sonntagen auf dem Feld oder in Werkstätten zu arbeiten.

Heute ist das sicherlich nicht mehr im selben Ausmaß der Fall, und so gab es gestern vielmehr nostalgische Gründe, einen Blick auf die bäuerliche oder ländliche Arbeitswelt der Vergangenheit zu werfen.

Das taten auch wieder viele Besucher sehr gern – in der Vorstadtstraße herrschte ab dem späten Vormittag reges Treiben. Ein Gast war Oberbürgermeister Dieter Henle, der die Veranstaltung nach dem Gottesdienst als Schirmherr auch offiziell eröffnete und sich dann auch gleich an einem Essensstand nützlich machte.

Landleben anno dazumal

Danach gab es sehr viel zu sehen, was das ländliche Leben ehedem geprägt hat: das Besenbinden, das Dreschen des Getreides mit dem Dreschflegel, das Entsaften der geernteten Äpfel mit der handbetriebenen Presse, das Kartoffeldämpfen, die Kässpätzle aus der Dampfmaschine, das Brotbacken und Buttern.

Auch an Maschinen und Fahrzeugen gab's einiges zu sehen: Helmut Bader, einer der Organisatoren des Markts, zeigte, wie historische Getreidemaschinen funktionieren, die Freiwillige Feuerwehr Hohenmemmingen präsentierte mehrere eindrucksvolle alte Feuerwehrautos und Gerätschaften. Wie bei den vergangenen Veranstaltungen konnten sich Kinder als Spritzmeister versuchen und wurden dabei immerhin nicht von oben nass. Wer wollte, konnte mit dem Pferdeplanwagen übers Gelände gondeln.

Ein Anziehungspunkt den ganzen Tag über waren dazu natürlich die rund 35 Stände mit vielfältigen kunsthandwerklichen Angeboten. Und nicht zuletzt machten die von den Landfrauen angebotenen kulinarischen Leckereien einen Ausflug nach Hohenmemmingen lohnenswert, zum Beispiel im bereits bewährten „Landcafé im Schweinestall“ und auf dem Hof des Anwesens von Doris und Christian Rohrer.

Außer dem großen Trubel, der auf der Vorstadtstraße herrschte, gab es aber auch einen Ort der Ruhe. Der etwas abseits gelegene Garten des Obst- und Gartenbauvereins war gleichfalls geöffnet, und zwischen den Bäumen konnten sich Interessenten zum einen über die verschiedenen Apfelsorten informieren – und natürlich auch probieren.

Neuauflage in zwei Jahren

Seitens des Organisationsteams zeigte sich somit Monika Bader mit dem Ablauf des Tages und der Vielzahl an Besuchern hochzufrieden. Auffallend war aus ihrer Sicht auch, welch große Zahl von Auswärtigen sich für das Hohenmemminger Dorfleben interessierte. Am zweijährigen Rhythmus der Veranstaltung will man auch festhalten. „Sonst wäre es zu viel“, so Monika Bader, „allein war die organisatorischen Vorbereitungen betrifft.“ 2020 also kann man mit der nächsten Veranstaltung rechnen.

Nicht zu vergessen: das Wetter. Auch wenn man angesichts der aufwendigen Organisation den ländlichen Markt bei jedem Wetter stattfinden lässt, hat niemand was gegen angenehme Temperaturen und Sonnenschein.

Und nachdem die Veranstalter damit zuletzt nicht das allergrößte Glück hatten, gab es gestern rein gar nichts zu beklagen: Die ganz große Hitze war weg, Sonne und Wolken gab's im Wechsel, von Regen keine Spur. Was will man mehr? „Heute war's wirklich perfekt“, sagte Monika Bader.

Ländlicher Markt: Vor sechs Jahren ins Leben gerufen

Im Jahr 2012 wagten die Hohenmemminger Landfrauen mit dem örtlichen Obst- und Gartenbauverein erstmals die Organisation eines Ländlichen Markts. Gleich bei der ersten Auflage herrschte reger Betrieb in der Vorstadtstraße. Die Organisatoren machten sich vor allem zunutze, dass die Straße mangels Durchgangsverkehr leicht zu sperren ist und die anliegenden landwirtschaftlichen Anlagen für den Markt mitgenutzt werden können.

Wie auf einem Rundkurs waren damals rund 30 Stände aufgestellt, dort gab es tiefe Einblicke in die ländliche Vergangenheit.

Da der ländliche Markt nur alle zwei Jahre stattfindet, ging die zweite Auflage erst 2014 über die Bühne - wenn auch dieser Termin aufgrund Dauerregens nicht so erfolgreich war wie der Auftakt.

Entmutigen ließ man sich davon aber nicht und so fand vor zwei Jahren der dritte Ländliche Markt statt. Dieses Mal regnete es nicht in Strömen, sondern es gab bestes Wetter, sodass die Veranstaltung mit knapp 40 Ständen bzw. Ausstellern über die Bühne gehen konnte.

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