Giengen Wohnhaus der Lebenshilfe soll „zur Heimat werden“

Insgesamt 24 Wohneinheiten weist das flache Gebäude in der Memminger Wanne auf.
Insgesamt 24 Wohneinheiten weist das flache Gebäude in der Memminger Wanne auf. © Foto: Lebenshilfe
Giengen / Dieter Reichl 14.05.2018
Gestern war Baubeginn für das dritte Projekt der Lebenshilfe in Giengen. In der Memminger Wanne sollen 24 Menschen mit Behinderung einziehen.

Groß war das Interesse gestern am Neubau der Lebenshilfe Heidenheim in der Memminger Wanne. Rund 50 Personen von Kreis- und Stadtverwaltung, von der Lebenshilfe selbst, von den am Neubau beteiligten Firmen sowie von den Kirchen kamen zum ersten Spatenstich des neuen Wohnhauses, in das ab dem Herbst 2019 insgesamt 24 bis 26 behinderte Menschen in vier Wohngruppen einziehen sollen.

Es gibt in der barrierefreien Anlage die Möglichkeit zum Rückzug in die eigenen vier Wände, offene Räume für Begegnung und Austausch sowie eine Gartenanlage. Die Investitionssumme liegt bei 3,2 Millionen Euro.

Der Vorsitzende der Lebenshilfe, Peter Welsch, wies darauf hin, dass das Wohnheim an einem Übergang zu Wohnformen nach dem neuen Bundesteilhabegesetz gebaut werde. Man habe die künftig geltenden Anforderungen eingearbeitet und sei für die neuen kommenden gesetzlichen Vorgaben gut aufgestellt.

„Dringend gebraucht“

Landrat Thomas Reinhardt sprach von einem Haus, das dringend gebraucht werde. Schließlich sei es eine Schwerpunktaufgabe des Landkreises, Menschen mit Behinderung eine möglichst bedarfsgerechte und optimale Versorgung zu ermöglichen. Dazu habe man entsprechende Teilhabepläne beschlossen.

Erklärtes Ziel sei es, dass auch Menschen mit einem höheren Hilfebedarf den Landkreis nicht verlassen müssen und somit in der Nähe von Freunden und Angehörigen bleiben können. Bedeutsam sei am Giengener Standort in der Memminger Wanne, dass dieser die Einbindung ins Gemeinwesen ermögliche, mit guten Busanbindungen und nur kurzer Entfernung zu den Werkstätten im Ried.

Oberbürgermeister Dieter Henle sagte, das neue Wohnheimprojekt solle die beiden anderen Standorte der Lebenshilfe in Giengen ergänzen. Die Entwicklung des Zusammenlebens mit behinderten Menschen habe in der Stadt einen guten Verlauf genommen.

Kein klassisches Wohnheim

Gute Argumente hätten zur Entscheidung für das 3300 Quadratmeter große Grundstück in der Memminger Wanne und dem Bau des Wohnheims geführt – in einem gewachsenen Umfeld, das die aktive Teilhabe am Leben unterstütze und die Integration der Nachbarn mit und ohne Behinderung erleichtere. Was entstehe, habe nichts mehr mit dem zu tun, was man in klassischem Sinn als Wohnheim kenne.

Die Anlage werde einem Wechsel in der Sichtweise gerecht, nämlich weg von der Idee eines Menschen mit Behinderung, der aufgrund einer Diagnose als krank bezeichnet und entsprechend rundum beschützt werde, und statt dessen hin zu einer individuellen Sicht auf die einzelne Person mit ihren Bedürfnissen und vor allem ihrem Entwicklungspotential.

Aktive Gemeinschaft möglich

Henle zeigte sich überzeugt davon, dass sich verschiedenste Möglichkeiten aktiver Gemeinschaft und eines selbstverständlichen Miteinanders im Alltag ergeben werden. Es gelte, aufeinander zuzugehen.

Der Vorsitzende des Heimbeirats der Wohnanlage Vohberg, Ulrich Reiff, sagte, dass er sich im Vohberg sehr wohl fühle und dort in Gemeinsamkeit und dank entsprechender Unterstützung selbstständig leben könne. Somit finde er es toll, dass jetzt ein weiteres Wohnhaus gebaut werde, in dem 24 Menschen mit Behinderung ihr Zuhause finden können.

Einen Blick auf den Fahrplan bis zum gestrigen Baubeginn warf Architekt Ulrich Wittmann. Letztlich seien alle Finanzierungshürden genommen worden, im Dezember habe man das Baugesuch eingereicht. Nach über einem Jahr Planungszeit könne es endlich losgehen. Das Ziel sei klar: gemeinsam wolle man ein Haus errichten, das zu einer Heimat wird.

Ein abschließendes geistliches Wort und Gebet von Pfarrer Johannes Weißenstein schloss den offiziellen Teil ab, der von musikalischen Beiträgen einer fünfköpfigen Hausband umrahmt wurde. Anschließend konnten die Arbeiten beginnen.

Drittes Projekt der Lebenshilfe in Giengen

Der Bau des neuen Wohnheims in der Memminger Wanne ist bereits das dritte Projekt der Lebenshilfe Heidenheim in Giengen. Die Anfänge der Zusammenaebreit reichen mehr als zehn Jahre zurück.

Im Dezember 2005 zogen die ersten Bewohner in eine neue Wohnanlage im Ried. Diese ist mit 35 Wohnplätzen voll belegt.

Knapp zehn Jahre später, im Juli 2015, wurde die Betriebsstätte Giengen der Lebenshilfe eingeweiht, ebenfalls im Ried. Dort in der Werkstätte haben über 70 behinderte Menschen ihren Arbeitsplatz.

Das neue Wohnheim, für das gestern der Baubeginn erfolgte, bietet nach Fertigstellung 24 Wohnplätze und zwei Kurzzeitplätze.