Giengen Walzer und Schnalzer beim Blauen Abend in der Schranne

Die tschechische Mezzosopranistin Katerina Hebelkova, die in „Nabucco“ die Fenena singt, unterhielt gemeinsam mit weiteren Solisten am Blauen Abend in der Giengener Schranne.
Die tschechische Mezzosopranistin Katerina Hebelkova, die in „Nabucco“ die Fenena singt, unterhielt gemeinsam mit weiteren Solisten am Blauen Abend in der Giengener Schranne. © Foto: Oliver Vogel
Giengen / Marita Kasischke 21.06.2018
Wie eine Wundertüte steckte der Blaue Abend am Dienstag in der Giengener Schranne voller Überraschungen – kulinarisch genauso wie musikalisch.

Zunge an die Schneidezähne, Zungenkörper an den Gaumen und mit Kraft wegdrücken, am besten mit einem Vokal gesungen. Damit wäre die brennendste Frage beantwortet, die am Dienstag beim Blauen Abend in der Schranne Giengen aufgetaucht ist: Wie macht man bloß diesen Schnalzlaut, mit dem Tenor Musa Nkuna aus Südafrika die Gäste so hinreißend unterhielt?

Der Blaue Abend wird veranstaltet von den Opernfestspielen Heidenheim, und da darf man mit Fug und Recht erwarten, dass zum vorzüglichen Drei-Gänge-Menü nicht einfach Schnalzlaute auf der Bühne serviert werden. Vielmehr bot Musa Nkuna ein Lied aus seiner südafrikanischen Heimat in der Sprache Xhosa dar. Und er tat dies so temperamentvoll, dass man schon fast nicht mehr glauben mochte, dass das genau derselbe Sänger war, der zuvor mit den vier ersten Liedern aus Robert Schumanns Zyklus „Dichterliebe“ so zart und feinfühlig die Herzen bewegt hat, in einem nahezu akzentfreien Deutsch obendrein.

Überhaupt glich der Abend einer Wundertüte: Als hätten sich das gute Dutzend Künstler der Opernfestspiele zu einem Fest getroffen, zu dem sie nun ganz lässig ihren Gesang und ihre Musik beitragen, und das musste, wie am Beispiel von Musa Nkuna schon deutlich wird, keinesfalls alles aus dem Bereich der Oper stammen. Nein, was Marcus Bosch, künstlerischer Direktor der Opernfestspiele, Moderator und auch Pianist, an diesem Abend so unterhaltsam ansagte, das ging quer durch die Genres.

Puccini zur Pannacotta

Es fing schon damit an, dass die Künstler spontan ein „Happy Birthday“ für Geburtstagskind Artem Lonkinov erklingen ließen – „weniger vielstimmig als unstimmig“, nannte Marcus Bosch es zwar, aber die rund 190 Zuhörer wussten es durchaus zu schätzen. Tye Maurice Thomas servierte russische Melancholie mit seinem durchdringenden Bass in der Arie von Gremin aus „Eugen Onegin“, Andrew Nolen machte einen Abstecher in die Welt des Musicals mit „If ever I would leave you“ aus „Camelot“, und die armenische Sopranistin Astghik Khanamiryan bezauberte mit einer Arie aus ihrer Heimat – und das alles noch vor der Vorspeise. Genauso vielfältig ging es weiter, dem lukullischen Genuss folgte Ohrenschmaus, beides der besonderen Art.

Bassbariton Pavel Kudinov hatte aus seiner Heimat Russland sowohl eine Zither als auch eine Volksweise mitgebracht, Katharina Hebelkova gab die „Csárdásfürstin“ und Gezim Berisha den unverwüstlichen Graf Danilo, der zur Freude des Publikums mal wieder zu Maxim ging, Tenor Christoph Wittmann pries den „Chianti-Wein“, und zu der kunterbunten Mischung kam noch ein Purcell mit den drei Violinisten Sebastian Schwab, Marijn Simons und Geburtstagskind Artem Lonkinov, der im Übrigen das Publikum mit Wagner, Marsch und Walzer von Fritz Kreisler und einem leidenschaftlichen Tango von Astor Piazzolla beschenkte.

Paul Taubitz, der fast den ganzen Abend für die Begleitung am Flügel sorgte, beeindruckte auch als Solist mit Chopin-Etüden. Puccini zur Pannacotta? Sopranistin Eva Bauchmüller hatte ihn parat, und Tenor Adrian Dumitrus inniges „Ti voglio tanto bene“ passte ebenso hervorragend zum Dessert. Im Walzertakt des Trinkliedes aus „La Traviata“ schließlich fanden sich alle Künstler des Abends auf der Bühne vereint, bevor sie nun alle ihre unterschiedlichen Plätze in der Saison der Opernfestspiele einnehmen. Darauf stimmte dieser Abend bestens ein, an dessen Ende in den Publikumsreihen die einen oder anderen Schnalzversuche à la Xhosa zu hören waren. Für europäische Zungen allerdings, so verriet Muna Nkuna, ist das in etwa so schwer wie für südafrikanische das „ch“ oder „sch“.

Beim nächsten Blauen Abend in Königsbronn wird das Menü das gleiche sein – das auf der Bühne sicherlich eine neue Wundertüte.

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