Zugtaufe Neuer ICE 4 wird nach Margarete Steiff benannt

Martin Luther kam im Jubiläumsjahr schon zum Zug, nun folgt in den kommenden zwei Jahren auch die Giengenerin Margarete Steiff: Nach ihr soll einer der neuen ICE-4-Züge benannt werden.
Martin Luther kam im Jubiläumsjahr schon zum Zug, nun folgt in den kommenden zwei Jahren auch die Giengenerin Margarete Steiff: Nach ihr soll einer der neuen ICE-4-Züge benannt werden. © Foto: Fotos: Deutsche Bahn AG
Giengen / Joelle Reimer 10.11.2017
Einer der neuen ICE-4-Züge der Bahn wird künftig nach Margarete Steiff benannt. Bis zur Taufe des Zuges wird es allerdings noch etwas dauern.

Wer vor 18 Jahren mit dem ICE zwischen Stuttgart und Hamburg unterwegs war, der traf nicht selten auf eine bekannte historische Persönlichkeit aus Giengen: Einer der Züge, nämlich der mit der Nummer 1070, war damals nach der Vogelmutter Lina Hähnle benannt worden. Diese ist zwar 1851 in Sulz am Neckar geboren, hatte aber die meiste Zeit ihres Lebens in Giengen verbracht und ist auch heute noch als „Frau Kommerzienrat“ als erste Ehrenbürgerin der Stadt bekannt. Zusammen mit ihren Verdiensten rund um den Vogelschutz war das 1999 Grund genug, einen Zug nach ihr zu benennen.

Nun ist Margarete Steiff am Zug

Doch Lina Hähnle ist bei weitem nicht die einzige bedeutende Persönlichkeit, die Giengen vorzuweisen hat. Das hat auch die Deutsche Bahn gemerkt, als sie Anfang Oktober dieses Jahres wieder einmal zur Namenssuche für die neuen ICE-4-Züge aufgerufen hat. Und wieder hat eine Giengener Frau das Rennen gemacht: Unter 19 400 Einreichungen mit über 2500 verschiedenen Vorschlägen konnte sich Margarete Steiff als Namenspatin für einen der 25 neuen Züge durchsetzen. Damit reiht sie sich ein in eine Liste bekannter deutscher Persönlichkeiten, unter anderem Konrad Adenauer, die Geschwister Scholl, Marlene Dietrich, Hildegard Knef, Albert Einstein oder Erich Kästner.

Im Dezember nimmt der ICE 4 seinen Regelbetrieb zwischen Hamburg und München und zwischen Hamburg und Stuttgart auf. Von anfangs fünf Zügen soll die Flotte bis 2023 auf 100 Züge anwachsen – die ersten ausgewählten 25 Züge werden 2018 und 2019 getauft und auf die Strecke gehen. „Alle Namen müssen aber erst noch auf bestehende Namensrechte geprüft werden“, sagt eine Sprecherin der Bahn. Wo genau und ab wann Margarete Steiff dann auf den Schienen unterwegs sein wird, stehe derzeit jedoch noch nicht fest.

Unter den eingereichten Namensvorschlägen waren viele bekannte Erfinder, Dichter und Denker – die Giengenerin Margarete Steiff kann sich heute, 170 Jahre nach ihrer Geburt, in dieser Liste durchaus sehen lassen. „Es ging uns bei der Auswahl um die historische und soziale Bandbreite. Und darum, dass die Persönlichkeiten eines gemeinsam haben: Dass sie neugierig auf die Welt waren“, heißt es seitens der Bahn.

Eine Pionierin ihrer Zeit

Das kann von Margarete Steiff mit Fug und Recht behauptet werden, war sie doch als Firmengründerin der heute weltweit bekannten Margarete Steiff GmbH im Jahr 1877 eine Pionierin ihrer Zeit. Schon früh an Kinderlähmung erkrankt, schloss sie trotzdem ihre Schneiderlehre ab und wagte 1877 den Schritt in die Selbstständigkeit mit einem Filzkonfektionsgeschäft.

Von Giengen in die weite Welt

Bald schon beschäftigt sie mehrere Näherinnen, und 1880 wird die Margarete Steiff GmbH offiziell gegründet. Das „Elefäntle“, ein Nadelkissen, ist der erste große Erfolg, und kurz darauf sind die kleinen Stofftiere als Kinderspielzeug nicht mehr wegzudenken. Der erste Teddybär aber entsteht erst später, als ihr Neffe Richard Steiff 1902 Skizzen hierfür anfertigt. Auch er wird zum internationalen Verkaufsschlager. Kaum verwunderlich also, dass es der Name Margarete Steiff bei der Abstimmung über den neuen ICE unter die Top 25 geschafft hat. Denn auch die Marke mit dem Knopf im Ohr hat es schließlich von Giengen in die weite Welt geschafft.