Giengen Unrat und Abfall bleiben ein Problem

Kein schöner Anblick: der Grillplatz am Kirnberg am vergangenen Montag nach dem ersten schönen Frühlings- und damit Grillwochenende.
Kein schöner Anblick: der Grillplatz am Kirnberg am vergangenen Montag nach dem ersten schönen Frühlings- und damit Grillwochenende. © Foto: Dieter Reichl
Giengen / Dieter Reichl 12.04.2018
Nicht nur auf den Grillplätzen: die Aktion „Wir für ein sauberes Giengen“ soll mit Hilfe der Bürger die Sauberkeit im Stadtgebiet erhöhen und die Feldschützen entlasten.

Es geschieht mit schöner Regelmäßigkeit und kommt wie das sprichwörtliche Amen in der Kirche: Am ersten schönen Frühlingswochenende nutzen sonnen- und sonstige Hungrige die Grillplätze der Stadt, und oft genug hinterlassen sie nach der Brutzelei großflächig Unrat, Abfall und Müll. Ein Besuch auf dem Grillplatz am Kirnberg vergangenen Montag war wiederum eine Bestätigung hierfür.

Das Thema ist alles andere als neu, wird aber als ständiges Ärgernis angesehen und kam damit auch zuletzt im Sitzungssaal des Rathauses auch wieder zur Sprache. Stadträtin Christine Mack fragte an, ob es nicht wieder aufgenommen werden könne wie früher üblich, dass ein Feldschütz nach den Grillplätzen schaut.

Markung schwer zu kontrollieren

Uwe Wannenwetsch, Leiter des Ordnungsamts, sagte, dass im Amt sogar zwei Feldschützen tätig seien. 50 Prozent ihrer Arbeitszeit seien diese auf der Giengener Markung unterwegs, auch um wilden Müll zu entsorgen. Allerdings sei die Markung sehr groß, es seien viele Waldwege zu kontrollieren, nachdem auch Verschmutzungen im Wald sichtbar zunehmen würden. Und die Feldschützen könnten nicht überall gleichzeitig unterwegs sein. Es sei in der Tat unglaublich, was so alles an wildem Müll an Parkplätzen, auf Feldwegen, in Straßengräben auftauche: neben Gläsern und Flaschen, Müllsäcken und gelben Säcken gehe dies bis zu Matratzen und Teppichen.

Die Grillplätze seien ein eigenes Problem: An den Wochenenden seien oft mehrere Gruppen dort, eine Kontrolle sei kaum möglich und der zurückgelassene Müll kaum zuzuordnen. So gebe es zwar seitenlange Berichte, aber letztlich handle es sich um einen „Kampf gegen Windmühlen“. Klar sei aber, dass man bestrebt sei, rauszukriegen, wer den wilden Müll verursacht hat. Die Bürgerschaft bei solcherlei Vergehen in Sachen Aufklärung aktiv mitwirken zu lassen, sei rechtlich problematisch, sagte Wannenwetsch. Man sollte die Bevölkerung nicht zu Hilfspolizisten machen, Verleumdungsklagen könnten die Folge sein. Stefan Briel regte an, nach dem Vorbild anderer Kommunen ein „Meldeportal“ einzurichten, bei dem Missstände gemeldet werden könnten, ohne Bürger zu denunzieren.

Für ein sauberes Giengen

Mit der Aktion „Wir für ein sauberes Giengen“ geht die Verwaltung jetzt einen ganz neuen, eigenen Weg, um wilden Müll einzuschränken. Immerhin würden Gesamtkosten von 238 000 Euro für die Entsorgung öffentlichen Mülls anfallen. Jetzt sammelt die Verwaltung Vorschläge, wie Giengen sauberer werden könne, und honoriert diese auch unter bestimmten Voraussetzungen. Erste Beiträge seien bereits eingegangen, teilweise sogar ganze Listen. Diese reichen vom Vorschlag, Coffee-to-go-Mehrwegbecher zu benutzen, bis hin dazu, mit Kindern in Schule und Kindergarten einmal pro Monat einen Rundgang im direkten Umfeld und an Sportanlagen zu machen – für eine Stärkung des Umwelt- bzw. Müllbewusstseins.

Die Stadt weist darauf hin, dass die wilde Entsorgung von Hausmüll nicht dazu geeignet ist, die eigenen Müllgebühren zu senken. Der Anteil der Gewichtsgebühr an den Gesamtkosten sei vergleichsweise gering, das vermeintliche Sparpotenzial sehr niedrig. Oberbürgermeister Dieter Henle: „Bei der Müllvermeidung fängt man am besten bei sich selber an.“