Giengen Störche: Drei Giengener Küken bekamen ihre Ringe

Giengen / Nadine Rau 15.06.2018
Dank Ute Reinhard sind die drei Küken auf dem Giengener Rathausdach wiedererkennbar.

Ganz klar war noch nicht, ob es drei oder gar vier Storchenküken sind, die es sich im Nest auf dem Rathausdach bequem gemacht haben. Sicherheitshalber hat Expertin Ute Reinhard von der Vogelwarte in Radolfzell vier Ringe mit in den Korb der Drehleiter genommen, der von der Feuerwehr die 25 Meter bis zum Storchennest hinaufgefahren wurde. „Schon allein deshalb, falls einer kaputt geht“, erklärte die Storchenmama.

170 Störche hat Reinhard in diesem Jahr schon beringt, jedes Mal geht es dafür hoch hinaus. Da ist es ziemlich ungünstig, dass Reinhard eigentlich Höhenangst hat. „Mit der Zeit ist es ein bisschen besser geworden, aber wohl ist es mir nicht. Erst oben, wenn ich das Nest vor mir habe und beschäftigt bin, geht es gut“, sagt sie. Oben angekommen entdeckt sie zwischen den drei Küken auch noch einen Socken, den die Eltern wohl irgendwo stibitzt hatten.

BH im Storchennest gefunden

„Man hat auch schon einen BH in einem solchen Nest gefunden“, erzählt Reinhard, während sie die drei Jungtiere abdeckt. So haben sie weniger Angst bei der Beringung.

Aus dem Korb der Drehleiter heraus ist es gar nicht so leicht, an das Nest heranzukommen und die Ringe auch richtig zu fixieren. „Jetzt bitte gar nicht bewegen“, sagt sie deshalb bei allen dreien jeweils vorher. Der Korb darf nicht schwanken – dass sie keine Angst bekommt und dass sie den Ring richtig zuklappen kann. Die Babys sind nun mit den Nummern A9M 46-48 versehen – so kann man sie später wiedererkennen.

Ringe, wiegen, Schnabel putzen

Im Anschluss wiegt Reinhard die Küken, das Nesthäkchen weist 2,4, die anderen beiden weisen 2,9 und 2,5 Kilogramm Gewicht auf. Zuletzt schabt Reinhard mit einem Holzspatel den Dreck, vorwiegend verklebtes Stroh, aus den Schnäbeln der Küken. „Jetzt könnt ihr wieder besser fressen“, sagt sie.

Wäre der Schnabel verbogen oder das Gefieder nicht in Ordnung, würde Reinhard das erkennen. Bei kleinen Verletzungen könnte sie auch helfen, bei größeren müsste man den Storch mit hinunternehmen. Hat andersherum gefragt sie sich schon einmal verletzt?

Wegen der Hitze verstimmt

„Ich kriege mal einen blauen Fleck ab, aber die Schnäbel der Tiere sind noch weich“, erklärt Reinhard. Wegen der Hitze seien sie in diesem Jahr nämlich besonders unruhig und greifen schon mal an. Schwüles Wetter und Gewitterwetter finden sie noch schlimmer.

Nach einer halben Stunde geht es wieder hinunter. Ein Passant kommt und fragt nach, ob man auch das vierte Storchenküken gesehen habe. Ein viertes Küken?

Der Giengener erzählt, er habe eines der beiden Alttiere vor ungefähr zwei Wochen nach dem schweren Unwetter dabei beobachtet, wie es ein vermutlich gestorbenes Junges aus dem Nest geworfen habe. Das sei daraufhin im Schneegitter des Dachs gelandet. Claudius-Michael Klatt vom Tiefbauamt, der nach dem Unwetter gleich nach den Tieren gesehen hatte, fährt daraufhin gleich noch einmal mit der Drehleiter hinauf, kann aber weit und breit nichts entdecken. „Vielleicht haben die Turmfalken den Storchen gefressen. Und nach zwei Wochen könnte es bei der Hitze sowieso auch schon zerbröselt sein“, mutmaßt die Storchenexpertin von unten.

Ein Nest für Burgberg?

Ehe Reinhard weiter nach Brenz zur nächsten Beringung geht, bekommt sie von Klatt noch einen Auftrag: „Die Burgberger haben gefragt, ob man dort auch ein Nest aufstellen könnte?“ Auf dem Kirchendach hätten Störche dort angefangen, eines basteln. Eine bessere Option wäre für Klatt aber ein Nest bei der Naherholungsanlage an der Hürbe.

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