Atomkraft Taugen Notkühlsysteme der Reaktoren in Gundremmingen?

Tritt für eine konsequente Umsetzung der Energiewende ein: Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl.
Tritt für eine konsequente Umsetzung der Energiewende ein: Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl. © Foto: Marc Hosinner
Marc Hosinner 19.06.2013
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting Uhl fordert die konsequente Umsetzung der Energiewende. Das Kernkraftwerk in Gundremmingen nahm sie am Mittwoch kritisch ins Visier.

Kotting-Uhl ist atompolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag und stellte  unter Beweis, dass sie eine Expertin auf dem Gebiet der Energiepolitik ist.

Im Schatten von Gundremmingen: So lautete nicht nur der Titel der Veranstaltung mit Kotting-Uhl und der lokalen Grünen-Bundestagskandidatin Margit Stumpp. Das weithin sichtbare Kernkraftwerk rückte denn auch gleich zu Beginn der Ausführungen der Abgeordneten in den Mittelpunkt. „Es erschließt sich mir nicht, warum ein Reaktor 2017, der andere aber erst 2021 vom Netz gehen soll“, so Kotting-Uhl. Kritisch sei auch, dass „Gundremmingen der gleiche Typ ist wie der in Fukushima“. Die Notkühlsysteme der Reaktoren in Gundremmingen würden nicht dem Stand der Technik entsprechen und auch die Haftungssumme bei einer Havarie entspreche nicht dem, was in Deutschland üblich ist. „Das ist so, als würden sie zwei gleiche Autos nur einmal versichern wollen“, sagte die Abgeordnete. Mit all diesen „Sonderbedingungen“ sei für Gundremmingen eine Leistungserhöhung beantragt worden. „Der Antrag läuft noch, bei einem Regierungswechsel werden wir das sicher abschlägig bescheiden“, so die Grünen-Politikerin.

Sollte ihre Partei nach der nächsten Bundestagswahl an der Regierung beteiligt sein, werde man beim Thema Atomausstieg weiter auf einen breiten Konsens setzen, diesen aber über die Erhöhung der Sicherheitsanforderungen beschleunigen.

Nach Ansicht von Kotting-Uhl tue die Bundesregierung zu wenig, um von Atom und Kohle weg zu kommen. „Wir steuern auf den Klimawandel zu und spüren jetzt schon die Vorboten. Wir müssen künftig unseren Standard durch erneuerbare Energien aufrecht erhalten“, so Kotting-Uhl, die der Bundesregierung in Sachen Netzausbauplan Unfähigkeit vorwarf. „Wir brauchen keine vier Netztautobahnen, eins von Nord nach Süd reicht“, so die Abgeordnete.

In der Diskussion mit den Besuchern wurde seitens des Publikums die Sorge geäußert, dass nur Deutschland eine Energiewende vorantreibe, die Nachbarländer aber weiter auf Atomreaktoren setzen würden. „Auch ich sehe das mit Sorge. Die jetzige Bundesregierung will sich aber nicht in die Belange anderer Staaten einmischen und der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger gehe auch nicht mit gutem Beispiel voran. Der deutsche Atomausstieg sei aber sehr wichtig. „Am Ende des Tages wird das Beispiel auch in anderen Ländern zünden“, so Kotting-Uhl.

Wer Windräder als Eingriff in die Natur betrachte, müsse sich vor Augen führen, dass auch Kohlekraftwerke und Reaktoren in das Landschaftsbild massiv eingreifen, so Margit Stumpp. Die Energiewende müsse nicht nur als ökologischer, sondern auch wirtschaftlicher Faktor begriffen werden. Geld, dass nicht für den Kauf von Gas, Öl und Uran ausgegeben werden müsse, verbleibe im Land.

Noch sei der Strompreis in Deutschland für Privatkunden teurer als in den Nachbarländern. Nach Ansicht von Kotting-Uhl werde sich das ändern. „Wir haben jetzt die Investitionsphase in Bezug auf erneuerbare Energien. Irgendwann wird das unschlagbar günstig sein.“

Völliges Neuland sei der Rückbau von Atomreaktoren. Wie lange dieser dauern werde, könne man nicht sagen. Nach Ansicht der Grünen müsse aber sofort nach der Stilllegung damit begonnen werden. Erst einmal abwarten sei nicht sinnvoll.

Thematisiert wurde zudem auch die Suche nach Endlagerstandorten für atomaren Müll. „Ich habe höchste Zweifel hinsichtlich der Endlagerdebatte. Unserer Meinung sollten sich alle Länder daran beteiligen. Nimmt man eines raus, bekommen wir bei der weiteren Suche keine Akzeptanz“, so die Politikerin.