Hilfe Sternsinger: Aus Giengen für Bolivien

Bolivien steht dieses Jahr im Fokus der Sternsinger. Elisabeth Steffel (Mitte), Leiterin der Aktion in Giengen, spricht mit zwei ehemaligen Sternsingern darüber. Denn: Anna Thalheimer (links) reist bald nach Bolivien und Katrin Bäuerle (rechts) lebte dort bereits.
Bolivien steht dieses Jahr im Fokus der Sternsinger. Elisabeth Steffel (Mitte), Leiterin der Aktion in Giengen, spricht mit zwei ehemaligen Sternsingern darüber. Denn: Anna Thalheimer (links) reist bald nach Bolivien und Katrin Bäuerle (rechts) lebte dort bereits. © Foto: Foto: Nadine Rau
nadine rau 04.01.2016
Am Mittwoch und Donnerstag sind sie wieder unterwegs: die Sternsinger. Sie sammeln Spenden für Vorhaben in diversen Ländern, Schwerpunkt aber ist in diesem Jahr Bolivien. Katrin Bäuerle und Anna Thalheimer sind Experten auf dem Gebiet. Die eine lebte ein Jahr dort und die andere sitzt bald im Flieger.

Am 10. Januar geht's los: Anna Thalheimer, früher selbst bei den Sternsingern, reist nach Bolivien und wird dort acht Monate leben. Schon jetzt schätzt die 28-Jährige für uns gewohnte Dinge wie fließend Wasser oder eine intakte Infrastruktur mehr denn je – denn sie weiß, dass sie das in Bolivien nicht haben wird. Sie reist in einen Ortsteil der Stadt Cochabamba, der gerade erst aufgebaut wird. Denn immer mehr Menschen ziehen dort vom Land in die Stadt, wodurch neuer Wohnraum benötigt wird.

Der südamerikanische Binnenstaat Bolivien hat circa 10 Millionen Einwohner und ist von Armut geprägt. Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung gehören einheimischen Gruppen an, die schon vor der Eroberung durch die Spanier dort angesiedelt waren. Diese Gruppen leben meistens auf dem Land. Insgesamt gibt es in Bolivien 36 unterschiedliche Volksgruppen, die jeweils ihre eigene Sprache, ihre eigene Kultur und ihre eigene Kleidung haben.

400 Jugendliche werden betreut

Viele der Einheimischen können von der Landwirtschaft nicht leben und ziehen in die Stadt, weil sie sich dort ein besseres Leben erhoffen. Das ist aber gar nicht so leicht. Denn ähnlich wie man bei uns einen Fan an seinem Trikot erkennt, kann man die Bewohner Boliviens aufgrund ihrer traditionellen Kleidung ihrer jeweiligen Volksgruppe zuordnen. Damit distanzieren sie sich vom Stadtbewohner und oftmals hat dies Ausgrenzung zur Folge. Deshalb steht die diesjährige Sternsingeraktion unter dem Motto „Respekt für dich, für mich, für alle“. Um Respekt und Integration geht es auch bei dem Projekt Palliri, das die Sternsinger in Bolivien gegründet haben. Sie wollen den Familien, die in die Stadt ziehen, bei ihrer Integration helfen. Konkret werden etwa 400 Kinder und Jugendliche in einem Kindergarten, einem Jugendzentrum sowie einer Fußballschule betreut.

Für solche und andere Projekte in Lateinamerika, Asien und Afrika sammeln die Sternsinger am Mittwoch und am Donnerstag in Giengen. Elisabeth Steffel organisiert die Aktion und hat mit Katrin Bäuerle, die wie Anna Thalheimer schon als Sternsinger unterwegs war, dieses Jahr eine Expertin mit im Boot. Denn die 23-Jährige hat nach dem Abitur ein Jahr in Bolivien gelebt.

Wissen, wofür man unterwegs ist

Bei den Vorbereitungsstunden konnte sie somit den 30 Sternsingern von ihrem Leben dort berichten. Sie zeigte Bilder und brachte Instrumente und Kleidungsstücke mit. Dadurch können sich die Sternsinger, sogar die Vierjährigen, die zum ersten Mal dabei sind, genau vorstellen, wofür sie unterwegs sind.

Bäuerle lebte in einem kleinen Dorf namens Camargo und betreute dort Schüler in einem Internat. Auch sie kamen vom Land, wo es teilweise nicht einmal Schulen gibt, geschweige denn weiterführende. Daher kommen die elf bis 18 Jahre alten Schüler in das Internat und leben auch dort. Wenn Bäuerle noch weiter raus aufs Land fuhr, sah sie, dass teilweise drei Generationen auf engstem Raum in einer Hütte wohnen. „Das kann man sich hier nicht vorstellen“, sagt sie. Und trotzdem habe sie die Einwohner zufrieden erlebt und vor allem gastfreundlich.

Thalheimer und Bäuerle sind sich daher jetzt schon einig. Wenn man in Bolivien lebt, um dort zu helfen, bekommt man auch etwas zurück. „Die Menschen dort haben nichts und trotzdem geben sie was“, bringt es Steffel auf den Punkt. Sie ist froh, dass eine solche Botschaft im Rahmen der Sternsingeraktion auch schon den Jüngsten beigebracht wird.