Karriere Stefan Tolnai: Gelingt der große Musical-Erfolg?

Der 25-jährige Musicaldarsteller Stefan Tolnai wird die Aussicht von seinem Lieblingsplatz auf dem Schießberg in seiner Heimatstadt Giengen wohl vermissen – er hat für ein Jahr eine feste Rolle im Musical „Aladdin“ in Hamburg bekommen.
Der 25-jährige Musicaldarsteller Stefan Tolnai wird die Aussicht von seinem Lieblingsplatz auf dem Schießberg in seiner Heimatstadt Giengen wohl vermissen – er hat für ein Jahr eine feste Rolle im Musical „Aladdin“ in Hamburg bekommen. © Foto: Joelle Reimer
Giengen / Joelle Reimer 29.05.2015
Lange hat er dafür gekämpft, jetzt hat er seinen ersten großen Coup gelandet: Der 25-jährige Musical-Darsteller Stefan Tolnai aus Giengen wird ab Oktober bei der Produktion des Musicals "Aladdin" in Hamburg in einer Erstbesetzung mitwirken.

In der Region kennt man ihn hauptsächlich von eigenen Projekten wie der Talentschmiede oder der Musical Benefiz Gala. Welche Pläne Tolnai hat, der sich selbst als Charaktertyp bezeichnet, und was er an Giengen vermissen wird, erzählt er im Interview.

Von Heidenheim auf die große Bühne: Sie haben eine Besetzung in einem „Stage Entertainment“-Musical in Hamburg ergattert. Was ist das für eine Rolle?

Es ist das Musical „Aladdin“, das im Theater Neue Flora ab 6. Dezember gespielt wird. Es ist eine Hauptnebenrolle – ich bin die Erstbesetzung von einem der drei Freunde Aladdins. Die Proben beginnen schon am 12. Oktober. Bisher ist das meine größte Rolle – wir spielen acht Shows die Woche. Das ist natürlich High Class. Stage Entertainment, das ist das, was ich immer machen wollte.

Sie ziehen dann also erst mal weg von Giengen?

Ja, momentan habe ich einen Einjahresvertrag. Dann muss ich mal sehen, ob das Stück verlängert wird beziehungsweise ob ich eine Verlängerung bekomme. Bis dahin wohne ich in Hamburg.

Was werden Sie an Giengen am meisten vermissen?

Auf jeden Fall das Kinderfest. Ansonsten fühle ich mich hier einfach heimisch. Man kennt alles, beim Italiener um die Ecke begrüßt man sich. Und Giengen hat tolle Plätze. Der kleine Pavillon auf dem Schießberg gehört zu meinen Lieblingsorten.

Manche sind ja von Natur aus Glückspilze, andere stecken erst mal etliche Absagen ein. Wie war das bei Ihnen?

Naja, ich habe mich schon vor meiner Ausbildung zum Musicaldarsteller beworben, auch bei Stage Entertainment, und wurde auch für Auditions anderer Produktionen eingeladen. Damals wurde mir aber gesagt, ich solle erst eine Ausbildung machen. Nachdem ich die 2012 beendet hatte, war ich auf zig Vorsingen, wurde auch mal nicht eingeladen.

Wie behält man so lange das nötige Durchhaltevermögen?

Das ist tatsächlich manchmal schwierig. Für „Sister Act“ habe ich zum Beispiel für vier Produktionen vorgesungen, bin zwei Mal ins Finale gekommen und habe letztendlich doch nur Absagen bekommen. Da ist man dann schon mal eine Woche down und braucht Freundin, Familie, Freunde, die einen wieder aufbauen. Aber man muss sich einfach neu motivieren, denn wenn man das leben möchte, sozusagen sein Hobby zum Beruf macht, dann muss man auch daran glauben.

Sie waren sich also sicher, dass es eines Tages klappt?

Ich persönlich habe gezweifelt, weil ich ja ein spezieller Typ bin. Nicht schlank, keine 1,90 Meter groß, nicht durchtrainiert – nein. Ich bin eher ein Charaktertyp, etwas kräftig, und manchmal nicht so beweglich. Da muss man einfach eine Nische finden.

Und diese Nische sahen Sie im Aladdin-Musical?

Ich habe mich eigentlich für den Flaschengeist beworben. Die waren aber der Meinung, dass ich besser als Freund von Aladdin passe. Die Rolle ist ganz nett, ich darf so bleiben wie ich bin, muss keine 30 Kilo abnehmen, verfressen ist Aladdins Freund auch, was zu mir passt – da stimmt alles. Anstrengend wird es trotzdem, weil wir sehr viel tanzen und schauspielern. In der Show gibt es auch Fecht- und Stepp-Szenen. Daher muss ich jetzt schon mal etwas Fitness machen.

Gibt es Rollen, die Sie grundsätzlich ablehnen würden?

Wenn ich mich nackt ausziehen müsste. Da würde ich nicht mitmachen. Ich meine, wer zahlt denn dafür schon – das muss doch wirklich keiner sehen. Aber sonst bin ich offen für alles.

Sie sind schon seit Kindesbeinen im Musical-Geschäft. Wie kamen Sie dazu?

Im Jugend-Musical-Projekt hier in Heidenheim hat alles begonnen. Aber schon vorher hab ich musikalisch einiges mitbekommen, zum einen von meinem Opa, zum anderen habe ich Schlagzeug gespielt, bin beim Kinderfest mitmarschiert, war in der Gruppe Vibraslap und habe schon immer gern gesungen.

Es ist ein gewisses Risiko, einen künstlerischen Beruf zu ergreifen. Hatten Sie nie Angst, später doch nicht davon leben zu können?

Die berühmte brotlose Kunst, kann man sagen. Klar, ich meine, ich hab jetzt in Hamburg auch nur einen Einjahresvertrag. Das ist der Nachteil, wir Künstler leben immer mit der Ungewissheit. Genau deshalb hab ich mir auch eigene Projekte aufgebaut: Talentschmiede, Benefiz Musical Gala, Musical Gentlemen. Das Risiko, dass man plötzlich ohne irgendwas dastehen könnte – das verdrängt man.

Wie sieht es nun mit dem Engagement in Hamburg aus, können Sie davon leben?

Sehr gut, ja. Ich kann mir in Hamburg eine Wohnung leisten und gut davon leben.

Neben den eigenen Projekten sind Sie als Rettungssanitäter tätig und geben Gesangsunterricht. Haben Sie überhaupt eine freie Minute am Tag?

Die Gedanken sind immer bei den Projekten. Oft habe ich den Kopf nicht frei, aber ich nehme mir die Zeit. Dann erledige ich mal zwei Tage lang gar nichts.

Die obligatorische Frage nach dem Lieblings-Musical wollte ich eigentlich sein lassen – aber gibt es eines, das Sie schrecklich finden?

Das würde ich so nicht sagen. Es gibt Favoriten, und es gibt welche, die würde ich mir nicht zweimal anschauen. Mein absoluter Liebling ist „Die Schöne und das Biest“, wie es in Stuttgart aufgeführt wurde. Nicht so heiß bin ich auf „West Side Story“.

Was war denn Ihr erstes Musical, das Sie gesehen haben?

Das ist witzig, das war nämlich ebenfalls in der Neuen Flora in Hamburg: „Phantom der Oper“. Da war ich etwa fünf. Und jetzt darf ich selbst auf dieser Bühne stehen.

Angenommen, wir sitzen uns in einem Jahr wieder gegenüber: Welche Ziele, welche Wünsche hätten Sie wohl?

Mein Ziel ist, so zu bleiben, wie ich bin. Nicht abheben, einfach sympathisch bleiben – das kann schwierig werden in der Branche. Ich finde es immer schlimm, wenn jemand meint, er sei etwas Besseres. Und weiterhin Spaß an der Arbeit zu haben, die ich machen darf – am besten natürlich über dieses eine Jahr hinaus.

Karten für die Benefiz-Musical-Gala am 13. Juni im Konzerthaus gibt es im Ticketshop des Pressehauses, Tel. 07321.347-139. Die Gala ist ein Projekt des HZ-Spendenportals „Unsere Hilfe zählt“. Weitere Infos dazu unter www.unsere-hilfe-zaehlt.de

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