Hilfe Senioren retten kaputtes Spielzeug vor dem Mülleimer

Dem Feuerwehrauto neues Leben einhauchen: Die Werk- und Bastelgruppe um (oberes Bild von links) Josef Saller, Rudolf Krey, Heinz Eberhardt und Germar Kornitzer repariert unter anderem kaputtes Spielzeug der Giengener Kindergärten. Der Traktor unten rechts erhielt zum Beispiel einen neuen Scheinwerfer, gedrechselt von Rudolf Krey.
Dem Feuerwehrauto neues Leben einhauchen: Die Werk- und Bastelgruppe um (oberes Bild von links) Josef Saller, Rudolf Krey, Heinz Eberhardt und Germar Kornitzer repariert unter anderem kaputtes Spielzeug der Giengener Kindergärten. Der Traktor unten rechts erhielt zum Beispiel einen neuen Scheinwerfer, gedrechselt von Rudolf Krey. © Foto: Mathias Ostertag
Giengen / Mathias Ostertag 12.02.2016
Seit vier Jahren gibt es aus Reihen der Stadtsenioren eine Werk- und Bastelgruppe, die defektes oder kaputtes Spielzeug aus den Kindergärten wieder auf Vordermann bringt. Auch an den Außenanlagen werden regelmäßig kleinere Reparaturen erledigt.

Wenn Kinder spielen, kann durchaus auch mal etwas kaputt gehen. Das kann im heimischen Alltag die Kaffeetasse der Eltern sein, die in tausend Einzelteile zerspringt. Oder im Kindergarten das hochwertige Holzspielzeug, bei dem der Scheinwerfer abbricht oder sich die Leiter des Feuerwehrautos nicht mehr ausfahren lässt, weil das schmale Seil gerissen ist.

Das Spielzeug wegzuwerfen ist eigentlich zu schade, schließlich haben teils schon Generationen von Kindern, etwa im Kirchplatz-Kindergarten, mit dem Feuerwehrauto gespielt. Somit braucht es jemanden, der das Fahrzeug repariert. Und diese Aufgabe übernimmt in der Regel die vierköpfige Werk- und Bastelgruppe aus den Reihen des Stadtseniorenrats, deren Mitglieder für ein Holzauto auch schon mal einen neuen Scheinwerfer drechseln, wenn der vorige abgebrochen und nicht mehr zu retten ist. „Wir haben hier geschickte Leute dabei, die können drechseln, die können schweißen. Also lässt sich praktisch alles reparieren“, sagt Germar Kornitzer, der seit dem Ausscheiden von Franz Kaunzinger die Gruppe leitet.

Gemeinsam mit seinen drei Mitstreitern Heinz Eberhardt, Rudolf Krey und dem vor einiger Zeit zur Gruppe gestoßenen Josef Saller aus Nattheim, trifft sich Kornitzer, der einst in Heidenheim als Kirchenpfleger tätig war, immer am Freitagnachmittag für einige Stunden im Werkraum der Lina-Hähnle-Schule, um dort dem Spielzeug der Kindergärten neues Leben einzuhauchen. Nicht nur für Kindergärten, auch für ältere Bürger übernehmen die ambitionierten Gruppenmitglieder kleine Arbeiten, die von den Senioren nicht mehr selbst erledigt werden können. Und sei es nur die Reparatur eines lieb gewonnenen Stuhls, dessen Bein von der Sitzfläche abgebrochen ist.

Zurückgreifen können die rüstigen Herren auf den breiten Fundus an Werkzeugen in der Lina-Hähnle-Schule, deren Werkräume seit der Auflösung der Hauptschule in der Schwage ungenutzt sind. „Wir sind bestens ausgestattet. Es ist nichts weggeschafft worden“, freut sich Germar Kornitzer. Man hoffe, noch eine Weile von den Möglichkeiten in der Schule profitieren zu können.

Regelmäßig zieht er durch die Giengener Kindergärten und sammelt alles ein, was in den Wochen und Monaten zuvor kaputt gegangen ist. „Wenn wir uns nicht darum kümmern würden, würde das bestimmt weggeworfen“, sagt Josef Saller. Man sei noch in Zeiten vor der heutigen Wegwerfgesellschaft geboren und aufgewachsen. Und deshalb repariere man das Spielzeug auch gerne, anstatt es wegzuwerfen.

Derweil bearbeitet Germar Kornitzer mit einer Holzlasur eine Türe fürs Obergeschoss des Kirchplatz-Kindergartens. „Dort gab es bisher nichts zur Absicherung, aber es wird absolut gebraucht“, sagt er. Ganze Garderobenanlagen hat die Gruppe für Kindergärten schon neu geschaffen, den Großteil des Materials erhalten die Männer vom städtischen Bauhof. „Die Zusammenarbeit ist sehr gut, wir bekommen auch oft Holz geliefert, wenn wir etwas benötigen.“ Dort ist man wiederum dankbar dafür, dass die Werk- und Bastelgruppe den Mitarbeitern einiges an Arbeit abnimmt. Muss mal etwas geschweißt werden, greifen die Männer auf die Hilfe von Josef Teller zurück. Das Ex-Mitglied der Werk- und Bastelgruppe hat sich aus gesundheitlichen Gründen aus der aktiven Arbeit zurückgezogen.

Und wenn doch noch etwas Luft bleibt, dann erledigt die Gruppe Bastelarbeiten, fertigt zum Beispiel zu Weihnachten Holzsterne. „Wir hoffen, dass wir das Ganze noch eine Weile fortsetzen können“, so Kornitzer. Ansonsten landet das Spielzeug künftig vielleicht doch im Mülleimer.

Info Die Werk- und Bastelgruppe sucht weitere Mitstreiter. Die vier Herren treffen sich immer freitags ab 16 Uhr im Werkraum der Lina-Hähnle-Schule. Weitere Infos gibt es bei Germar Kornitzer, Tel. 07322.8700
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel