Giengen Helfer und Bedürftige sollen besser zusammenkommen

Die ehrenamtlichen Lotsen unterstützen die Familien auf individuelle Weise – zum Beispiel mit Nachhilfeunterricht oder auch bei Behördengängen und der Freizeitplanung.
Die ehrenamtlichen Lotsen unterstützen die Familien auf individuelle Weise – zum Beispiel mit Nachhilfeunterricht oder auch bei Behördengängen und der Freizeitplanung. © Foto: Stock Adobe / Spectral-Design
Giengen / Kathrin Schuler 19.07.2018
Das 1 & 1 Lotsenprojekt der Caritas, will in Kooperation mit der Stadt Giengen Ehrenamtliche und hilfesuchende Familien zusammenbringen will.

Vielen Familien fehlt es an Teilhabemöglichkeiten. Gleichzeitig gibt es jedoch bereits vielfältige Beratungs- und Hilfsangebote, die neue Chancen eröffnen können. Häufig wissen Hilfesuchende allerdings nicht, wo sie Rat suchen können und welche Möglichkeiten es für sie gibt.

Mit dem 1 & 1 Lotsenprojekt will die Caritas Ostwürttemberg mit Sitz in Heidenheim das Bindeglied zwischen Ratsuchenden und Angeboten sein. Seit drei Jahren gibt es das Projekt in Heidenheim, im vergangenen Jahr lief es auch in Giengen an: „Wir wollten auch in anderen Kreisgemeinden vor Ort sein“, erklärt Barbara Hoffmann von der Caritas Ostwürttemberg. Die eine oder andere Hürde für Menschen, die auf der Suche nach Unterstützung seien, könne dadurch schon genommen werden – etwa wenn es am nötigen Kleingeld für das Busticket nach Heidenheim mangelt.

Bei Schwierigkeiten unterstützen

Das Lotsenprojekt soll eine Art Schnittstelle schaffen, bei der sich sowohl Familien melden können, die auf der Suche nach Unterstützung sind, als auch Menschen, die sich gerne ehrenamtlich betätigen würden. Die Ehrenamtlichen sollen dabei den Familien bei Schwierigkeiten zur Seite stehen: „Viele wissen zum Beispiel nicht, wie sie die Freizeit ihrer Kinder organisieren sollen und welche kostenfreien oder günstigen Möglichkeiten es dabei gibt“, erklärt Hoffmann.

Dazu gehört: Welche Vereine gibt es in der Umgebung? Was für Spielplätze kann man mit den Kindern besuchen? Aber nicht nur das: „Oft brauchen Familien auch einfach Hilfe bei Behördengängen, wenn sie nicht wissen, an wen sie sich wenden können“, erklärt Hoffmann. Gerade das Ausfüllen von Anträgen in unverständlichem Bürokraten-Deutsch bereite häufig Schwierigkeiten.

Zu Beginn nur zwei Freiwillige

Als das Lotsenprojekt der Caritas im September vergangenen Jahres in Giengen startete, meldeten sich am Anfang allerdings nur zwei Ehrenamtliche – mittlerweile sind es vier. „Der Bedarf nach mehr Lotsen ist allerdings da“, meint Britta Hertkorn vom Amt für Bildung und Soziales in Giengen. Das Lotsenprojekt läuft in Giengen als Kooperation zwischen der Caritas und der Stadtverwaltung: Ehrenamtliche melden sich meist bei der Caritas, während die Stadt auf der anderen Seite sehe, wo sie gebraucht werden – etwa bei Schulkindern.

So war es auch bei Johann Hüll, der seit der Initiation des Projekts als ehrenamtlicher Lotse in Giengen im Einsatz ist. „Den Anstoß hat für mich die Anzeige des Lotsenprojekts in der Zeitung gegeben“, sagt der Bolheimer. Schon länger habe er sich sozial engagieren wollen und das Angebot habe für ihn auch zeitlich gut gepasst: Nicht mehr als ein oder zwei Stunden Zeit brauchen die Ehrenamtlichen pro Woche.

Hüll ist als Lotse für mittlerweile zwei Schüler im Einsatz, denen er Nachhilfe in Mathe und Physik gibt. „Es geht dabei nicht nur um die Nachhilfe an sich“, erklärt Hoffmann. Die Schüler bekämen mit Hüll gleichzeitig einen Ansprechpartner, der ihnen zeigt, dass sie auch etwas drauf haben, und gleichzeitig die Möglichkeit, in Ruhe lernen zu können: Für manche Schüler gebe es Zuhause dafür keine geeignete Umgebung.

Doch es muss nicht immer Nachhilfe sein: „Je nachdem, was ein Ehrenamtlicher gerne machen möchte, gibt es auch eine Familie, die nach genau der Art von Unterstützung sucht“, erklärt Barbara Hoffmann das Prinzip. Im Grunde gehe es darum, dass die Ehrenamtlichen den Familien solange unter die Arme greifen, bis diese keine Hilfe mehr brauchen. Worin die Hilfe besteht, sei aber von Fall zu Fall ganz unterschiedlich.

Teilhabe ermöglichen

Das Angebot in Giengen richtet sich generell an jeden, der die Hilfe der Ehrenamtlichen in Anspruch nehmen möchte. Darunter sind Flüchtlingsfamilien, aber auch Familien aus sozial schwächeren Schichten. Die Lotsen sollen den Zugang zu bereits vorhandenen Hilfsangeboten ermöglichen und die Familien bei der Umsetzung im Alltag unterstützen.

Dabei sind die Einsätze der Ehrenamtlichen stets durch einen von der Caritas erstellten Hilfeplan begrenzt und auch zeitlich befristet: Die Familien sollen nicht auf dauerhafte Unterstützung angewiesen bleiben, sondern ihre eigenen Stärken und Ressourcen nutzen lernen.

Die Caritas selbst ist dabei mehr als nur Vermittler zwischen Hilfesuchenden und Helfern: „So lange ein Einsatz dauert, sind wir jederzeit als Ansprechpartner für die Ehrenamtlichen verfügbar“, sagt Hoffmann. Zudem werden regelmäßige Reflexionen und Treffen zum Austausch sowie angepasste Qualifizierungskurse angeboten.

Die Idee hinter dem Projekt

Das Lotsenprojekt der Caritas Ostwürttemberg in Heidenheim will Familien unterstützen, die von Armut betroffen sind. Dabei ist jedoch nicht nur die finanzielle Not gemeint: Auch an Bildung, Gesundheit und Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung kann es Kindern und Familien mangeln.

Der Einsatz der ehrenamtlichen Lotsen soll die soziale Vernetzung und den Zugang zu vorhandenen Ressourcen und Hilfsangeboten der Familien verbessern. Hilfe zur Selbsthilfe also – denn letztlich sollen die Familien auch dazu befähigt werden, Schwierigkeiten selbst bewältigen zu können.

Bei der Caritas Ostwürttemberg mit Sitz in Heidenheim ist Barbara Hoffmann die Ansprechpartnerin für die Lotsen. Sie betreut die Ehrenamtlichen und vermittelt sie an die passende Familie. Wer selbst sich selbst als Lotse in Giengen engagieren will, kann sich bei ihr unter Tel. 07313590 oder per Email (hoffmann@caritas-ost-wüerttemberg) melden.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel