Hilfe Rüstige Senioren bringen Kindergärten in Schuss

Jeden Freitag ist die Heimwerker-Truppe um Germar Kornitzer (links) unterwegs, um in Kindergärten mit anzupacken. Neben Josef Saller, Hans-Peter Huber und Rudolf Krey (von rechts) gehört noch Heinz Eberhardt mit dazu.
Jeden Freitag ist die Heimwerker-Truppe um Germar Kornitzer (links) unterwegs, um in Kindergärten mit anzupacken. Neben Josef Saller, Hans-Peter Huber und Rudolf Krey (von rechts) gehört noch Heinz Eberhardt mit dazu. © Foto: Joelle Reimer
Joelle Reimer 07.07.2016
Jede Woche rücken die Heimwerker des Stadtseniorenrates aus. In den Kindergärten bringen die fünf Herren Außenanlagen wieder in Schuss.

Wie neu glänzt die Bank um den großen Baum, wenn man durch das Eingangstor in den Garten des evangelischen Kindergartens in Hohenmemmingen geht. Doch dem 78-jährigen Germar Kornitzer sticht trotzdem etwas ins Auge: „Das haben wir erst letzte Woche gemacht, und schon ist ein neuer Kratzer drin“, sagt er, runzelt leicht die Stirn und fährt mit dem Finger über das frisch lackierte Holz. Er kümmert sich momentan zusammen mit vier anderen Männern freiwillig darum, dass die Außenanlage des Kindergartens aufgehübscht wird. Und nicht nur die: In den sechs Jahren, die die Werkgruppe des Stadtseniorenrates nun besteht, war sie schon in allen Kindergärten in Giengen und den Teilorten zugange.

„Wir machen das, weil es Spaß macht. Es ist einfach nur soziales Engagement“, sagt Kornitzer, der die Gruppe leitet. Einfach nur soziales Engagement – diese Aussage steht stellvertretend für die Bescheidenheit, die alle vier Herren an den Tag legen, die an diesem Freitagnachmittag im Kindergarten mithelfen. Und diese Bescheidenheit wiederum zeigt sich auch darin, dass man sich noch nicht hundertprozentig sicher ist, ob man wirklich an dem bundesweiten Ehrenamts-Wettbewerb teilnehmen soll, wie es die Stadt Giengen ihnen vorgeschlagen hat. „Wir sind doch nur ein paar ältere Herren, die sich einmal die Woche für zwei Stunden treffen und in der Zeit eben für die Kindergärten handwerklich tätig werden“, so Kornitzer.

Dass es ihnen tatsächlich nur ums Beisammensein und Werken geht, merkt man schnell: Keine fünf Minuten, und schon haben sich der 69-jährige Josef Saller und der 71-jährige Hans-Peter Huber Pinsel und Farbeimer geschnappt und bringen das Spielhäuschen am Eingang auf Vordermann. Senior der Truppe ist der 86-jährige Rudolf Krey, der mit der Schleifmaschine die Holzeingrenzung um die Schaukel herum bearbeitet. Nur Kornitzer findet ein paar Minuten Zeit, um von seiner Werkgruppe zu erzählen. „Als damals die Begegnungsstätte an der Planiestraße eingerichtet wurde, habe ich beim Einräumen geholfen und schon da kam die Idee auf, dass man im Keller eventuell einen Werkraum einrichten könnte“, sagt der 78-Jährige, der einst in Heidenheim als Kirchenpfleger tätig war. Das Problem: Kein Licht, kein Abwasser – das Projekt wurde also erst einmal wieder begraben.

Erst später, als an der Lina-Hähnle-Schule die Hauptschule aufgelöst wurde, konnte man dort einen der Werkräume belegen. Seither packen die Senioren mit an, wo Hilfe benötigt wird: Stühle streichen, Spielgeräte reparieren, Tische und Schränke bauen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Unter anderem auch deswegen, weil die Senioren einst als Schlosser, Maschinenbaumechaniker oder Maschinenschlosser gearbeitet haben. Im Sommer ist man draußen, im Winter im Keller, doch gearbeitet wird jede Woche.

Teilweise sind die Senioren auch parallel auf zwei Baustellen tätig, beispielsweise aktuell zusätzlich noch im Waldorf-Kindergarten. Und der nächste Auftrag steht bevor: Die Außenanlage im ehemaligen Kindergarten an der Danziger Straße, in den ab kommenden Schuljahr die Erstklässler der Bühlschule einziehen sollen. „Es ist zwar Arbeit, aber eben alles nicht mehr so ernst wie es noch im Berufsleben war“, sagt Saller. Genau dieser Spaß und die Geselligkeit ist ihnen wichtig. Denn sie nehmen ihre Arbeit zwar sehr genau, aber wenn die Herren ihre zwei Stunden am Freitagnachmittag getan haben, kann der Abend durchaus auch mal im Biergarten enden. Oder mit einem Vesper, das ihnen ab und an von den Kindergärten als Dank angeboten wird – da sagt ein echter Heimwerker natürlich nicht Nein.